Prozessauftakt
Tödlicher Töffunfall: Schinznacher Thermalbad-Direktor kritisiert den Kanton

Vor rund einem Jahr starb auf der Kreuzung oberhalb des Thermalbads Schinznach-Bad ein 18-jähriger Töfffahrer. Ein 73-jähriger Autofahrer hatte den jungen Mann übersehen. Drei Monate danach gab es an selber Stelle einen weiteren schweren Töffunfall. Vor dem Prozessauftakt am Montag äussern die Thermalbad-Verantwortlichen erneut Kritik am Kanton.

Elia Diehl
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«Wenn Ihr einen Motorradfahrer seht, ist es nicht 'nur' ein Motorradfahrer, sondern auch eine Mutter, ein Vater, eine Tochter oder ein Sohn...». So rief ein 18-jähriger Aargauer im Februar 2017 auf Facebook alle Autofahrer auf, im Strassenverkehr ein Auge auf die Töfffahrer zu haben.

Nur drei Monate später übersieht erneut eine Autofahrerin beim Abbiegen einen Töfffahrer.

Nur drei Monate später übersieht erneut eine Autofahrerin beim Abbiegen einen Töfffahrer.

zvg/Kantonspolizei Aargau

Zwei Monate später war der passionierte Motorradfahrer tot – angefahren von einem 73-jährigen Autofahrer, der den jungen Mann übersehen hatte. Passiert war der Unfall auf der Kreuzung Bruggerstrasse/Badstrasse in Schinznach-Bad, direkt oberhalb des Thermalbads.

Nur drei Monate später ereignete sich an selber Stelle wieder ein schwerer Unfall – erneut wurde ein Motorradfahrer von einem Auto erfasst, diesmal hatte eine ältere Autofahrerin einen 19-Jährigen übersehen.

Am Montag steht der 73-jährige Unfallfahrer nun vor dem Bezirksgericht Brugg, angeklagt wegen fahrlässiger Tötung. «Die Staatsanwaltschaft beantragt eine bedingte Geldstrafe von 210 Tagessätzen und eine Busse von 1000 Franken», sagt Sprecherin Fiona Strebel gegenüber TeleM1.

Kanton: Temporeduktion bringt eh nichts

Bereits nach den Unfällen forderten die Badbetreiber – ebenfalls zum wiederholten Mal – vom Kanton Massnahmen für eine bessere Verkehrssicherheit. Schon im Hinblick auf die Strassensanierung 2015/2016 hatte die Thermalbadleitung die Forderung nach einem Kreisel oder einer Temporeduktion im Kreuzungsbereich angebracht – und blitzte damit beim Kanton ab.

Ebenso letztes Jahr: Der Kanton kam mit der Kantonspolizei erneut zum Schluss, dass die Thermalbad-Kreuzung kein Unfallschwerpunkt sei. Die Unfälle seien auf menschliches Versagen zurückzuführen, die Infrastruktur somit in Ordnung.

Bemerkenswert: Der Kanton argumentierte zudem, dass eine Temporeduktion eh nichts bringen würde, da sich die Verkehrsteilnehmer kaum daran hielten.

«Immer wieder heisse Situationen»

Marcus Rudolf, Direktor Bäder

Marcus Rudolf, Direktor Bäder

Tele M1

Das löste beim Thermalbad Kopfschütteln aus. Am Tag vor dem Prozess äussert nun die Unternehmensleitung gegenüber TeleM1 erneut Kritik am Kanton. Marcus Rudolf, Direktor Bäder, ist immer noch überzeugt, dass eine Temporeduktion die Situation sicherer machen würde und gibt zu bedenken: «Wir hatten Glück, dass in den letzten Monaten nichts passiert ist. Aber wir haben immer wieder heisse Situationen miterlebt.»