Brugg
Thomas Wymann aus Brugg ist neuer Swisscoy-Kommandant

Der Brugger Thomas Wymann kommandiert von Oktober 2012 bis März 2013 die Swisscoy in Kosovo. Er war bereits beim ersten Kontingent vor über zehn Jahren dabei und kennt die Region.

Elisabeth Feller
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«Ich habe grössten Respekt vor meiner Aufgabe in Kosovo», sagt der Brugger Swisscoy-Kommandant Thomas Wymann. ho

«Ich habe grössten Respekt vor meiner Aufgabe in Kosovo», sagt der Brugger Swisscoy-Kommandant Thomas Wymann. ho

«Swisscoy: Das ist doch Casablanca.» Thomas Wymann hört diesen Satz oft. Er freut sich darüber, denn er weiss: Für einmal ist nicht der Film mit Humphrey Bogart und Ingrid Bergman gemeint, sondern das Camp Casablanca in Kosovo.

Wymanns neues, temporäres Zuhause wird allerdings nicht dieses Camp sein, sondern das Kfor-Hauptquartier in Pristina, und zwar von Oktober 2012 bis März 2013. Wymann ist zum Swisscoy-Kommandanten gewählt worden – und damit zum höchsten Schweizer Offizier in Kosovo.

In Wymanns Augen blitzt es amüsiert auf. Er ahnt wohl, dass sein Gegenüber innerlich zusammenzuckt und denkt – welch ein Posten! Doch der Kommandant ist kein Mann, der seine Position ausspielt. «Diese Berufung ist ein Höhepunkt in meiner beruflichen Laufbahn», sagt er und fügt gleich hinzu: «Ich habe grössten Respekt vor meiner Aufgabe in Kosovo.»

Als höchster Armeevertreter der Schweiz in Kosovo präsent zu sein – ja, da fühle er sich «wie ein Botschafter». In Kosovo, dem nach wie vor von Kriegswunden gezeichneten Land, will der Swisscoy-Kommandant mithelfen, Frieden zu stiften, was für ihn «eine edle und noble Aufgabe» ist.

Noblesse oblige: Private politische Beurteilungen versagt sich Wymann, SVP-Einwohnerrat in Brugg, strikt; ihn interessiert einzig, was er sowie die 235 Frauen und Männer der Swisscoy leisten können – beispielsweise den Aufbau sozialer
Infrastrukturen.

«Es braucht klare Strukturen»

Für Thomas Wymann ist Kosovo keine unbekannte Grösse. Er war schon beim ersten Swisscoy-Kontingent dabei; 1999/2000 leitete er als Chief Engineer Aufbauprojekte von Schulhäusern, was ihn zweifellos für die neue Aufgabe prädestiniert. Wie schätzt er die derzeitige Situation in Kosovo ein? «Im Grossteil des Kosovo ist es ruhig und stabil. Im Nordkosovo hingegen ist es derzeit ruhig, aber nicht stabil.»

Er erwähnt die grosse Arbeitslosigkeit und organisierte Kriminalität: «Dieses Land braucht klare Strukturen und eine klare Gesetzgebung. Wir müssen uns aber stets vor Augen halten, dass in Kosovo andere Gepflogenheiten herrschen als hierzulande. Rechtsstaatliche Strukturen lassen sich nicht von einem Tag auf den anderen auf die Beine stellen.»

Das klingt nicht nach Besserwisserei, sondern nach kritischer Anteilnahme: Eine, die den immensen Aufgaben vorurteilslos begegnet und sie mit feinem Gespür für die dortigen Menschen und Gegebenheiten anpackt.

Für einen Moment verstummt der angenehm im Ohr klingende, berndeutsche Redefluss. Dann verweist Wymann auf die 200000 Kosovaren in der Schweiz: «Ob viele in ihre Heimat zurückkehren werden, um dort etwas auf die Beine zu stellen?» Der Swisscoy-Kommandant kann sich das vorstellen. Er betont, wie wichtig gerade für die Kosovaren in der Schweiz eine befriedete, sichere Heimat sei.

Wymanns Worte klingen bestimmt und vertrauenerweckend. «Man bringt uns Schweizern in Kosovo enormes Vertrauen entgegen. Nicht nur dort», merkt er lächelnd an, «auch in der Schweiz.» Über die Swisscoy habe er bis anhin nur Positives gehört: «Sie ist so bekannt wie das Schweizer Militärsackmesser.»

Dass er, der Berufsmilitär, sich gerne «als Lehrer in Uniform» und «Patron» versteht, passt zu einem Mann, für den Respekt und Bescheidenheit keine Worthülsen sind. Thomas Wymann macht eine Pause, bevor er Worte in den Mund nimmt, die heute beinahe anachronistisch anmuten.

«Es muss einer ein frommer Mann sein», sagt er und spielt damit nicht auf einen Gläubigen, sondern «mutigen, bescheidenen Menschen» an. Einen solchen wünscht er sich für die vielen, manche Unwägbarkeiten bergenden Aufgaben in Kosovo. Deshalb hat er «fromm» als gebräuchliches Attribut im Mittelalter aufgespürt. «Schön, nicht wahr?», sagt er.