Landwirt, Theologe, Dozent für Ethik sowie Autor diverser Artikel und Bücher: Der Badener Thomas Gröbly (60) ist bekannt für seine zahlreichen Tätigkeiten, seinen Einsatz für Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit sowie für das Organisieren von Trauerfeiern. Überraschen dürfte hingegen, dass er auch Gedichte schreibt.

Ohne viel Aufsehen zu erregen, veröffentlichte er dieses Jahr das Buch «Inmitten» – eine Sammlung von über 80 Gedichten, die in den letzten zehn Jahren entstanden ist. Thomas Gröbly gibt dort seine Beobachtungen aus der Natur und dem Alltag wieder. Seine Gedichte kreieren Bilder und regen zum Nachdenken an, über die Welt und über uns selber. Unter den vielen Reimen finden sich Wortspiele oder gar Wortneuschöpfungen, immer wieder auch mit einer Prise Witz. «In der Natur sind die Ränder und Übergänge äusserst lebendig», sagt er. «Mit der Sprache scheint es mir ebenso.»

Nach einer ausverkauften Vorstellung in der «Unvermeidbar» in Baden, liest Thomas Gröbly seine Gedichte nun diesen Sonntag im Odeon in Brugg – dort, wo er seit Jahren die Filmreihe Campus-Cinema mitorganisiert und die anschliessenden Diskussionsrunden moderiert. Begleitet wird die Lesung von Jazz-Schlagzeuger Tony Renold, der die Verse gekonnt und lustvoll in Klang und Rhythmus einbettet. Den Auftritt bezeichnen die beiden entsprechend auch als «Trommelpoesie».

Er tritt nun kürzer

Die Vorstellung auf der Bühne im Odeon wird auch so etwas wie ein Abschied von den meisten seiner Tätigkeiten werden. Denn was einige ebenfalls überraschen wird: Thomas Gröbly hat angekündigt, Ende Jahr fast alle seine bisherigen Engagements niederzulegen. «Ich bin ab Januar krankgeschrieben, ziehe mich zurück und will mich auf wenige Aufgaben fokussieren», sagt er.

2016 wurde bei ihm Amyotrophe Lateralsklerose diagnostiziert, eine degenerative Erkrankung des motorischen Nervensystems, unter der auch der berühmte britische Physiker Stephen Hawking litt. Die daraus resultierende Muskellähmung führt dazu, dass Thomas Gröbly heute auf Gehstöcke angewiesen ist. Er ist in homöopathischer Behandlung und glaubt, dass eine Heilung entgegen der Prognose der Schulmedizin möglich ist. «Ich versuche, mich mental anders auszurichten», sagt er. Eine positive Einstellung sei hilfreicher als ein Aufgeben.

«Bin sowieso nur ein Staubkorn»

Einige seiner Gedichte handeln dann auch von seiner Krankheit oder anderen schwierigen Lebenssituationen wie Abschied oder Tod. «Für mich ist das eine notwendige Auseinandersetzung in unserer Leistungsgesellschaft, die das Scheitern gerne tabuisiert», sagt Gröbly.

Er, der für andere etliche Grabreden geschrieben hat, aber keine für sich selber hinterlassen würde. Bei Abdankungen gehe es ja in erster Linie um diejenigen, die zurückbleiben. «Niemand kommt um Sterben und Tod herum, es trifft uns alle», sagt er. «Ich bin sowieso nur ein Staubkorn auf dieser Welt.»

In seinen Gedichten schreibt Thomas Gröbly auch über das Leben an sich, die Liebe, die Natur und die Menschen, oft auch mit einer politischen Aussage. Mit dem Schreiben oder Lesen eines Gedichts könne man auch einen Kontrapunkt setzen, sagt er. Es sei ein Innehalten oder «ein Ausstieg aus dem Hamsterrad». Ein Moment der Stille, der vielleicht eine tiefe Sehnsucht nach Sinn nähren könne. «Wer bin ich in den Augen eines Eisvogels?», fragt er sich etwa in einem Vers. Seine Gedichte sollen helfen, eine andere Perspektive einzunehmen und sich selber kritisch zu beleuchten.

Lesung: Trommelpoesie. Gedichte von Thomas Gröbly. Schlagzeug: Tony Renold. So 16. 12., 11 Uhr, Odeon Brugg