Schinznach-Dorf
Thomas Fankhauser: «Warme Füsse sind in Rumänien ein Luxus»

Das Projekt «Warme Füsse Rumänien» aus Schinznach-Dorf hilft Menschen aus der eisigen Not. Thomas Fankhauser, Mitglied der Hilfsorganisation Metro Ministries Schweiz, rief das Projekt für rumänische Kinder vor sieben Jahren ins Leben.

Michelle Cechmanek
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Edith Kohler sammelt Stricksocken, Mützen, Halstücher und Pullis. MCE

Edith Kohler sammelt Stricksocken, Mützen, Halstücher und Pullis. MCE

«Manche Kinder in Rumänien stapften völlig nackt durch den Schnee und Schlamm», sagt Thomas Fankhauser, Mitglied der Hilfsorganisation Metro Ministries Schweiz. Die meisten Kinder hätten zwar Kleider, jedoch sehr dreckige oder kaputte. «Sehr erschreckend war für mich zu sehen, dass die meisten Kinder durchnässte oder gar keine Schuhe trugen.» Warme Füsse, schwor sich Fankhauser, sollten in Rumänien künftig kein Luxus mehr sein.

Socken und Gummistiefel

Angefangen hat alles vor sieben Jahren: Thomas Fankhauser hatte damals jeden Winter so genannte «Schuhschachtelpäckli» an bedürftige Kinder aus Rumänien verteilt. Diese Pakete wurden von Freiwilligen aus verschiedenen Schweizer Gemeinden zusammengestellt. Der elementare Inhalt des Paketes war vorgeschrieben, dennoch unterschieden sich die einzelnen Pakete sehr. Die Kinder freuten sich über das Paket, trotzdem waren manche traurig, nicht denselben Inhalt bekommen zu haben. In diesem Punkt war das Projekt verbesserungswürdig.

Ein viel offensichtlicheres Problem war aber: Die Kinder auf der Strasse waren nackt oder sehr schlecht gekleidet. Fankhauser gründete daraufhin das Projekt «Warme Füsse Rumänien». Die Kinder sollten zukünftig keine Schuhschachtelpäckchen mehr bekommen, sondern je ein Paar selbst gestrickte Socken und ein Paar Gummistiefel. «Ich fragte zahlreiche Kirchengemeinden, Freikirchen und Privatpersonen an, Strickhilfe zu leisten. Auch vor Wollläden habe ich für das Projekt geworben», erzählt Fankhauser. Geld in die Werbung habe er nie investiert. «Ohne grossen finanziellen Aufwand kamen im ersten Jahr rund 2500 Sockenpaare zusammen.» Nach sieben Jahren waren es bereits 18500 Socken. Die Aktion wurde ausgeweitet. Nun bekommen auch die Eltern Stricksocken.

Sockensammlerin Edith Kohler

Auch Edith Kohler unterstützt das Projekt. Via Gemeindeinformationsblatt sucht sie Restwolle. «Viele Leute wissen nicht wohin mit ihrer Ware. Wir sind sehr dankbar darüber, denn Wolle ist teuer.» Früher hat Kohler auch gestrickt. Jetzt ist sie hauptsächlich Sammelstelle für Restwolle und die fertig gestrickten Socken, Halstücher und Mützen. Vor drei Jahren war sie selbst in Rumänien dabei. «Es war eine unglaubliche emotionale Erfahrung. Ich bin völlig verändert zurückgekommen.»

Sie erzählte ihre Erlebnisse den Menschen an ihrem Arbeitsplatz – im Altersheim Schinznach-Dorf. Vor allem die älteren Leute im Altersheim seien angetan gewesen, das Projekt zu unterstützen. Seither fertigen sie fleissig Socken und andere Kleidungsstücke an. «Manche stricken gar ein Sockenpaar pro Woche. Jährlich zeigen wir die Fotos von der Rumänienreise im Altersheim», sagt Kohler. Danach seien die älteren Menschen sehr motiviert und glücklich darüber, dass sie mithelfen können.