Eigentlich sei das Unternehmen ja fast schon langweilig – so konstant stabil seien jeweils die Geschäftsergebnisse, scherzt Hans-Rudolf Wyss, der Verwaltungsratspräsident der Bad Schinznach AG. Die Zahlen von 2018 gab er gestern bekannt: 52,2 Millionen Franken Umsatz, zwar nur leicht höher als in den Jahren zuvor, aber das beste operative Ergebnis seit je. 3,3 Millionen Franken betrug der Jahresgewinn, auch dieser ähnlich wie im Vorjahr.

Entgegen dem vermeintlichen Eindruck einer starren, unbeweglichen Firma entwickelt sich diese aber kontinuierlich weiter: Letztes Jahr wurde das renovierte Haus Habsburg eingeweiht, in dem 7 der 8 Wohnungen auf Anhieb vermietet werden konnten. Augenfälligste Veränderung derzeit ist wohl die Sauna, die seit Anfang Monat für 4,5 Millionen Franken umgebaut wird. Deren Wiedereröffnung mit erweitertem Angebot inklusive Panoramafenstern mit Aussicht auf den Park und die Aare wird für diesen Herbst erwartet.

Unscheinbar im Hintergrund, aber für den Betriebsalltag die womöglich bedeutsamste Änderung, ist die Digitalisierung des Betriebs, die auch im gestern veröffentlichten Geschäftsbericht 2018 prominent auf der ersten Seite hervorgehoben wird. Entsprechend den Anforderungen des neuen elektronischen Patientendossiers wurden alle Kliniken der Bad Schinznach Gruppe mit einem Informationssystem ausgerüstet. Damit erhalten Gesundheitsfachleute unkompliziert Zugriff auf vollständige Akten der Patienten. Unnötige oder doppelte Behandlungen sollen dadurch vermieden sowie das Risiko von Fehldiagnosen gesenkt werden.

Arbeit für rund 300 Personen

Daniel Bieri, Vorsitzender der Geschäftsleitung, wertet die Bilanz des letzten Jahres als positiv. «Sie liegt im Rahmen unserer Erwartungen.» Privatklinik und Kurhotel in Schinznach-Bad sowie die Psychiatrische Spezialklinik für Frauen am Meissenberg in Zug verzeichneten einen leichten Umsatzwachstum.

Durch die Verpachtung der Magma Bar gelang eine kleine Einsparung der Personalkosten, die wiederum für neue Stellenprozente im Bereich Gesundheit eingesetzt wurde. In Schinznach-Bad arbeiten heute rund 300 Personen in 220 Vollzeitstellen. Durch vermehrtem Einsatz von Generika-Medikamenten konnten weiter Kosten gesenkt werden, steht im Geschäftsbericht.

Getrübt wird die höhere Auslastung im Hotel nur durch die weiter abnehmende Gästezahl in den Bädern: 298 650 Eintritte zählten die Bereiche «Aquarena fun» und «Thermi spa» letztes Jahr – 8301 weniger als 2017. Vor zehn Jahren verbuchte das Thermalbad noch an die 400 000 Eintritte. Etwas wettgemacht wird diese Entwicklung durch den Besucherrekord auf dem Golfplatz mit 14 804 Eintritten.

Die nächsten Jahre werde das Unternehmen pragmatisch angehen, sagen Wyss und Bieri. Grosse Projekte nach dem Saunaumbau seien derzeit keine geplant. Die bedeutendste Änderung dürfte die Gemeindefusion von Schinznach-Bad und Brugg bringen, von der sie aber nicht abschätzen können, inwiefern sie diese tatsächlich beschäftigen wird. «Wir haben bisher rund einen Viertel des Gemeindegebiets besessen», sagt Hans-Rudolf Wyss. Nun werden sie mit einem neuen, wohl professionelleren Bauamt zu tun haben.

Keine Angst vor Baden

Punkto Tourismus und Standortmarketing sieht Daniel Bieri Vorteile für die Firma wie für Brugg: «Ich freue mich, wenn sich Brugg im Städteranking an Baden annähert.» Punkto Gesundheit erhalte die Stadt neu zwei Rehakliniken und im Freizeitbereich ein Thermalbad sowie einen Golfplatz. «Es ist schön, wenn sich Brugg so behaupten kann und nicht zwischen Baden und Aarau untergeht», sagt er. Und er verrät: «Wir wollten einst zur Wellnessdestination gekürt werden bei Schweiz Tourismus, so wie Baden, Bad Zurzach und Rheinfelden es bereits sind.» Dafür sei aber eine gewisse Anzahl an Hotels nötig. «Mit Brugg könnten wir dies erfüllen.»

Verkehrstechnisch hoffen sie nun auf eine Verlängerung der Postauto-Linie vom Kurzentrum bis zum «Rössli». Und auch von der Südwestumfahrung erwarten sie Positives: «Wir werden bestens erschlossen, anders als Baden, wo die Zufahrt zum Bäderquartier schwierig ist.»

Vor der Konkurrenz aus dem künftigen Thermalbad Baden haben sie keine Angst? «Wir freuen uns, dass ein Mitbewerber dazukommt», sagt Hans-Rudolf Wyss. «Jedes Mal, wenn etwas Neues gemacht und dafür intensiv geworben wird, steigt die Frequenz in allen Bädern», erklärt er. «Zudem gehen wir davon aus, dass wir mit unserem Angebot anders dastehen.» Sie erwarten leicht weniger Gäste gleich nach der Eröffnung in Baden. «Danach sollten sich die Zahlen aber wieder einpendeln.»