Nur wenige Tage nachdem sich die Kommunen Gallenkirch, Linn, Oberbözberg und Unterbözberg am 1. Januar 2013 zu Bözberg zusammengeschlossen hatten, meldete sich Therese Brändli als eine der ersten Neuzuzüger in der Fusionsgemeinde an.

Nun kandidiert die 51-jährige Staatsanwältin bei den Gesamterneuerungswahlen für die Amtsperiode 2018–21 vom 24. September als Gemeindeammann. Sie will Nachfolgerin von Peter Plüss werden, der nicht mehr zur Wiederwahl antritt. Plüss war während insgesamt 20 Jahren Mitglied des Gemeinderats und amtete 10 Jahre lang als Ammann, davon – vor der Gemeindefusion – 5 Jahre in Unterbözberg.

Das Gespräch mit Therese Brändli findet bei ihr zu Hause im Ortsteil Linn statt. Die grosse Schmetterling-Skulptur im Garten vor dem alten Bauernhaus ist nicht zu übersehen. Mit einem breiten Lachen im Gesicht öffnet die zierlich wirkende Frau die Haustür. Vom langen Tisch im Wohnzimmer-Anbau geniesst die Besucherin einen fantastischen Ausblick ins Grüne – Richtung Sagemühlitäli. Der Hauptgrund für Brändlis Umzug von Schinznach-Bad auf den Bözberg war ihr Lebenspartner Christoph Tschupp. Der Brugger Apotheker lebt seit längerer Zeit in Linn und gehörte früher während mehreren Jahren dem Gemeinderat an.

Ortsbürgerin und FDP-Mitglied

Mit dem Bözberg war Brändli schon vor dem Zuzug vertraut. Hier verbrachte sie zusammen mit zwei älteren Geschwistern die ersten acht Jahre ihrer Kindheit. Dann zog die Familie nach Windisch. «Meine Eltern hatten sich im Ortsteil Altstalden über den Miststock kennengelernt. Später führten sie das Restaurant Seidenhof in Brugg. Da, wo heute das ‹Essen’z› ist», erzählt die Bözberger Ortsbürgerin.

Therese Brändli half in jungen Jahren regelmässig im Restaurant mit und stand später als Flugbegleiterin für die Swissair im Einsatz. Nach dem Jus-Studium an der Universität Zürich arbeitete sie als Untersuchungsrichterin. Heute ist sie stellvertretende Leiterin der kantonalen Staatsanwaltschaft in Aarau. Ihr Berufsalltag dreht sich um grosse und komplexe Fälle der Wirtschaftskriminalität wie Anlagebetrug, Vermögensdelikte und Urkundenfälschungen. Da kann es vorkommen, dass sie morgens um 6 Uhr zusammen mit der Polizei an einer Tür im Aargau klingelt und eine Hausdurchsuchung durchführt.

Politisch engagiert sich Brändli als Co-Parteipräsidentin der FDP Frauen Region Brugg. In der Gemeinde Bözberg gibt es allerdings keine Ortsparteien. Als für die Kandidatensuche von Ammann und Vizeammann diesen Frühling eine Findungskommission eingesetzt wurde, fühlte sich Therese Brändli noch nicht angesprochen. «Ich dachte mir, dass es bestimmt genügend jüngere, engagierte Bözberger gibt, die sich für eines dieser Milizämter interessieren, und es mich nicht braucht», erzählt sie. Erst als sie von Mitgliedern der Findungskommission für eine Kandidatur angefragt wurde, realisierte sie, dass dem nicht so ist.

Sieht sich mit Vizeammann als Duo

Während der Bedenkzeit musste sich die Staatsanwältin dann eingestehen, dass sie schon längere Zeit den Wunsch hatte, im Lebensabschnitt zwischen 50 und 60 eine neue Herausforderung anzunehmen. Mit dem Gemeindeammann-Amt könnte sich für die Juristin dieser Wunsch erfüllen – «in einem sehr interessanten Bereich, von dem wir alle tagtäglich betroffen sind». Zudem reizt es Brändli, ausserhalb von Beruf und Vereinen eine Führungsaufgabe und grosse Verantwortung zu übernehmen.

Mit dem Arbeitgeber konnte sie bereits vereinbaren, dass sie – sollte sie gewählt werden – das Pensum von 100 auf 80 Prozent reduzieren wird. Bevor sie sich als Kandidatin anmeldete, führte Brändli Gespräche mit Architekt Thomas Obrist vom Ortsteil Ursprung, der sich für die Wahl des Vizeammanns zur Verfügung stellt. «Wir sehen uns als Duo, das sich gut ergänzt», sagt die Staatsanwältin.

Ziel sei es, die positive Entwicklung der Gemeinde und die gute Arbeit des bisherigen Rats als unbelastete Person weiterzuführen. In der neuen Amtsperiode geht es laut Brändli neben dem Tagesgeschäft um die Ausarbeitung des neuen Zonenplans, Herausforderungen im Sozialbereich und um Fragen rund um ein allfälliges Tiefenlager für Atommüll sowie die damit verbundenen Probebohrungen.

Erlebte Feier «100 Jahre Trennung»

Die Kandidatin hat Freude am Kontakt mit Menschen und bezeichnet sich als humorvoll und nicht verbissen. Sie ist überzeugt, dass ihre ruhige, sachlich-überlegte Art und das juristische Gespür gut ins Gremium passen. Sie freut sich auf den Austausch mit den Ratskollegen, die aus anderen Berufsfeldern kommen, und die Zusammenarbeit mit der hochprofessionellen Verwaltung. «Für mich spricht, dass ich von der Fusion unbelastet bin und vom Beruf her gewohnt bin, mit schwierigen, unvorhersehbaren Situationen umzugehen.» Brändli sieht sich ausserdem als Brückenbauerin zur jüngeren Generation, die zunehmend im Bözberger Gemeinderat vertreten sein wird.

Die Juristin macht kein Geheimnis daraus, dass sie die Fusion wie auch die neuen Adressen befürwortet. «Wissen Sie, früher wohnte ich an der Strassackerstrasse in Schinznach-Bad und jetzt heisst meine Anschrift kurz Linn, Bözberg. Das finde ich super», erklärt sie. Während ihrer Kindergartenzeit erlebte Brändli die Feier «100 Jahre Trennung Unter- und Oberbözberg» mit. Heute findet sie es lustig, dass dies Grund für eine Feier war. Viel schöner fände Brändli, wenn sie die junge Tradition der gemeinsamen 1.-August- und Neujahrsfeiern im Turnus in den vier ehemaligen Kommunen fortsetzen könnte. «Überhaupt liegt mir ein noch intensiveres Zusammenwachsen der verschiedenen Ortsteile am Herzen.»