Windisch
Therapie mit Tieren – Alpakas im Pflegezentrum

Im neuen und umgebauten «Lindenpark» in Windisch setzt man bewusst auf Therapie mit Tieren.

Janine Müller
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Geschäftsleiter Walter Weber (v. l.), Jolanka Schmid und Stephanie Zeier, Leiterin Aktivierung, mit den Alpakas, die auch ins Windischer Pflegezentrum hinein dürfen, um die Bewohner zu besuchen.

Geschäftsleiter Walter Weber (v. l.), Jolanka Schmid und Stephanie Zeier, Leiterin Aktivierung, mit den Alpakas, die auch ins Windischer Pflegezentrum hinein dürfen, um die Bewohner zu besuchen.

Janine Müller (jam)

Es ist ein ungewöhnliches Bild in hiesigen Gefilden: Eine ältere Frau steht mit drei Alpakas auf der Amphiwiese in Windisch und lässt diese friedlich grasen. Die Tiere geniessen den Auslauf, und auch für die Frau ist es ein besonderes Erlebnis. Manchmal bleiben Spaziergänger stehen und beobachten die Szenerie.

Die Frau heisst Jolanka Schmid und ist in Windisch bekannt dafür, dass sie mit den Alpakas – sie heissen Emily, Gina und Bilbo – durch das Dorf spaziert. Jolanka Schmid ist stark schwerhörig. Die Kommunikation mit Menschen ist deshalb etwas schwierig. Mit Tieren aber funktioniert sie tadellos. Die 70-Jährige war ihr Leben lang als Bäuerin tätig, ist sich den Umgang entsprechend gewohnt. Und die Freude, wenn sie mit den Tieren zusammen sein kann, ist sichtbar. Die Alpakas gehören dem Pflegezentrum Lindenpark der Sanavita AG in Windisch. Jolanka Schmid wohnt in einer der dazugehörigen Alterswohnungen.

Tiere fordern Interaktion

Tiere gehören zum Konzept des «Lindenparks». Sie sind Teil der Aktivierung, der Alltagsgestaltung. Zuständig dafür ist Stephanie Zeier, Leiterin Aktivierung. Von Montag bis Freitag bietet sie ein Aktivierungs-Programm an. Dabei kommen auch die Tiere zum Einsatz. Gelegentlich ebenfalls mit dabei: der Hund von Stephanie Zeier namens Bubi. Er wird von den Bewohnern umschwärmt. «Tiere sind gute Ansprechpartner. Sie tun der Seele gut», sagt Stephanie Zeier. «Sie können zwar keinen Menschen ersetzen, aber die Kontaktaufnahme gestaltet sich unkompliziert, weil Tiere selten vorbelastet sind und intuitiv auf Menschen reagieren.»

Besonders bei Menschen, die vor ihrem Eintritt in das Pflegezentrum sozial isoliert waren – aufgrund physischer oder psychischer Einschränkungen – können dank Tieren wieder Beziehungen aufbauen und so behutsam in die Gesellschaft integriert werden. «Ein Tier fordert, dass man mit ihm interagiert», erklärt Zeier. Das sei gut zu beobachten bei an Demenz erkrankten Menschen. «Bei uns lebt eine stark demente Frau», führt Zeier aus. «Sobald ein Tier bei ihr ist, wird sie klarer. Es kommen wieder Kompetenzen von früher zum Vorschein, die sonst durch die Demenz verborgen sind.»

Zudem sei wissenschaftlich bewiesen, dass die Berührung von Tieren den Blutdruck senkt. Speziell ist im «Lindenpark», dass die Tiere auch in das Gebäude hinein dürfen. «Die Hygienevorschriften werden selbstverständlich berücksichtig», stellt Geschäftsführer Walter Weber klar. Stephanie Zeier besucht die Bewohner auf den Etagen und bringt auch mal Hund Bubi mit. Die Seidenhühner und Alpakas sind ebenfalls Teil des Aktivierungs-Programms. Im Sommer führt Stephanie Zeier jeweils am Donnerstagnachmittag den beliebten Alpaka-Trail an. Mitkommen dürfen alle interessierten Bewohner.

Dabei kommt es auch zu gewollten Interaktionen zwischen den Bewohnern des Pflegezentrums und den Einheimischen. So wissen die Kinder im Hort der Psychiatrischen Klinik in Königsfelden mittlerweile, dass die Alpakas am Donnerstagnachmittag jeweils dort auf die Wiese kommen – ein Gaudi für die Kinder und Betagten.

Menschen brauchen Aufgaben

Mittlerweile ist Jolanka Schmid mit den drei Alpakas im Empfangsraum des «Lindenparks» eingetroffen. Neugierig betrachten die Alpakas mit ihren riesigen dunklen Augen die Umgebung, klimpern mit ihren endlos langen Wimpern. Sie strahlen eine Ruhe aus, und jeden überkommt das Bedürfnis, diese Tiere zu knuddeln. Sofort verbreitet sich diese Stimmung im Bistro, die Menschen lachen, stehen auf, streicheln die Tiere. Jolanka Schmid spaziert mit den drei Alpakas ins Atelier, wo einige Männer in der Werkstatt am Arbeiten sind. Auch hier ist die Freude gross.

Dann geht es hinaus. Mit ungarischen Ausrufen lockt Jolanka Schmid die Tiere. Sie hat ihre eigene Kommunikation mit den Tieren entwickelt. Ihr besonderer Stolz: Jeweils am Wochenende ist sie für die Versorgung sämtlicher Tiere verantwortlich. «Solche Aufgaben geben ihr Bestätigung», sagt Stephanie Zeier. «Es gibt ihr das Gefühl, gebraucht zu werden.» Das sei für Betagte wichtig.

Kaum erreicht Jolanka Schmid das Gehege, herrscht bei den Seidenhühnern Aufregung. Rasch kommen sie herbeigerannt – sie scheinen Jolanka Schmid sofort zu erkennen. Problemlos kann sie die Hühner in die Arme nehmen. Die Alpakas schauen neugierig zu. Für Jolanka Schmid sind das glückliche Momente.