«Neu Take-away» verkündete das Gasthaus Hirschen in seinem letzten Flugblatt, das Anfang Dezember in die Haushalte von Mandach und Umgebung flatterte. Frühlingsrollen, Pouletflügeli, Älplermagronen, Cordon bleu, Panna Cotta und viele weitere Gerichte können seit einem Monat bequem vom Restaurant direkt mitgenommen werden. Zudem veranstaltet der «Hirschen» neu Themenabende.

«Erwartungsgemäss wurden wir nicht überrannt, aber trotzdem hatten wir bereits am zweiten Tag die ersten Bestellungen», sagt Andreas Krebs, Pächter und Präsident der Wohnbaugenossenschaft Hirschen Mandach. Bis jetzt seien gegen zwanzig Bestellungen eingegangen. Laut Krebs sind die Besteller sowohl Einheimische als auch Auswärtige gewesen. «Ob die Auswärtigen beim Durchfahren vorbeikommen oder nur wegen des Take-away-Angebots, das wissen wir nicht. Sehr überrascht hat mich, dass nicht etwa Pasta oder Pouletflügeli bestellt werden, sondern viele Fleischmenüs. Cordon bleu ist auch hier der Renner.» Gegenüber dem Take-away-Angebot hätten die Themenabende von Dienstag (Schnitzel XXL) und Donnerstag (Cordon bleu) voll eingeschlagen, nur der Pasta-Mittwoch hinke noch stark hinterher.

Schon länger habe man darüber nachgedacht, Take-away-Menüs anzubieten, sagt Krebs. «Einerseits hat die Küche noch Kapazität, was dafür gesprochen hat.» Andererseits sei Mandach kein grosses Dorf und es fehle der Durchgangsverkehr. «Da wir flexibel, nicht auf den grossen Profit getrimmt sind, und sehr kundenorientiert denken, haben wir uns gesagt, dass wir genau deswegen den Take-away-Service anbieten wollen. Damit die Einwohner von Mandach, trotz der Dorfgrösse, die Möglichkeit haben, Take-away im Dorf zu bekommen und nicht weit wegfahren müssen», sagt Andreas Krebs. Es sei ihnen bewusst, dass sie vom Take-away-Angebot nicht leben können. «Aber wenn wir sowieso da sind und einzelne Kunden, die das schätzen, glücklich machen können, dann haben wir erreicht, was wir wollen.»

Hol- und Bring-Service ist Idee

Laut Andreas Krebs hat der «Hirschen» noch mehr Ideen. «Schon eine Weile bin ich an der Idee ‹Wir holen Sie ab und bringen Sie wieder nach Hause›, habe aber bis heute noch keinen geeigneten Transport-Partner gefunden. Wenn ich Zeit habe, werde ich das Thema ganz sicher wieder aufnehmen», sagt Krebs. Das Ziel sei es, dass das Gasthaus Hirschen für das Dorf und die Bevölkerung offen sei. Daher sei es wichtig, dass immer nach neuen Möglichkeiten Ausschau gehalten werde.

Das Gasthaus Hirschen selber hat eine bewegte Vergangenheit hinter sich. Im Frühjahr 2014 schlossen die damaligen Pächter das Restaurant, nachdem sie den Pachtvertrag gekündigt und das Inventar verkauft hatten. Die Liegenschaft stand daraufhin zum Verkauf. Im Eiltempo formierte sich eine Wohnbaugenossenschaft, um der Erbengemeinschaft die grosse Liegenschaft an der Hauptstrasse in Mandach abzukaufen, zu renovieren und das einzige Restaurant im Dorf zu retten. Um dieses Vorhaben umsetzen zu können, musste ein Startkapital von 680 000 Franken zusammengebracht werden.

Innert fünf Wochen kam das Geld zusammen und im Januar 2015 konnte die Wohnbaugenossenschaft Hirschen Mandach gegründet werden. Die Einreichung des Baugesuchs und der Umbau erfolgten schliesslich Schlag auf Schlag, und am 2. Oktober 2015 stand der «Hirschen» wieder offen. Doch bereits am 24. Juli 2016 war das Restaurant wieder geschlossen – der Pächter und seine Ehefrau hatten den Vertrag gekündigt. Vonseiten der Wohnbaugenossenschaft hiess es, die Pächter hätten die Erwartungen der Gäste weder beim Essen noch im Service erfüllen können.

Team hat viele Freiheiten

In der Not war Genossenschaftspräsident Andreas Krebs zusammen mit seiner Ehefrau Annelis als Pächter eingesprungen. Bereits per 31. August 2016 ging die Dorfbeiz mit einer neuen Betriebsleiterin wieder auf. Doch auch diese Zusammenarbeit war nicht von langer Dauer, im Januar 2017 verliess die Betriebsleiterin den «Hirschen». Seit diesem Zeitpunkt machen Andreas Krebs und seine Frau Annelis, die in Schlatt wohnen, das Back-Office und schauen zum Rechten. Da sie aber nicht in der Gastronomie berufstätig seien und auch nicht viel vor Ort sein können, hätten sie dem Serviceteam und der Küche sehr viel Freiheit, aber auch Verantwortung im Gestalten und Umsetzen des Betriebs gegeben.

Er und seine Frau seien sehr stolz auf das «Hirschen»-Team, sagt Andreas Krebs. «Wir können uns jederzeit auf sie verlassen und ihnen vertrauen. In dieser Konstellation, wie wir das Gasthaus führen, ist das nicht selbstverständlich.»

Aargauer Gastro-News 2019 in Bildern: