Es ist ein ungewohntes Bild: Mitten in urbanem Gebiet, auf dem Campus der Fachhochschule Nordwestschweiz in Brugg-Windisch, grasen friedlich vier Schafe und trotzen gleichmütig dem garstigen Wetter. Passanten bleiben gerne eine Weile stehen und schauen den Tieren zu, einige zücken ihr Smartphone und schiessen ein paar Fotos. Die Ouessantschafe – die Rasse stammt von der französischen Atlantik-Insel Île d’Ouessant – sind Teil eines Projekts von Erstsemestlern des Studiengangs Energie- und Umwelttechnik.

Die Idee hinter dem Projekt: Sechs Studierende vergleichen drei Möglichkeiten, den Rasen zu mähen. Erstens den konventionellen Dieselrasenmäher, zweitens den Roboterrasenmäher und drittens eben die Schafe. Der 22-jährige Projektleiter Konrad Emmenegger sagt: «Die Idee kam uns, als wir den Gärtner mit einem Dieselrasenmäher auf dem Campus herumfahren sahen.» Die Gruppe dachte sich: Das ist doch auch ökologischer möglich.

«The Sheep Project»: Schafe mähen für die Fachhochschule

«The Sheep Project»: Schafe mähen für die Fachhochschule

Wie lassen sich Grünflächen möglichst ökologisch bewirtschaften? Gemäss des Projekts an der Fachhochschule Brugg-Windisch sind Schafe die ökologischsten Rasenmäher. Konrad Emmenegger ist einer von sechs Studierenden, die das Projekt durchführen. Er ist 21 Jahre alt und im ersten Semester im Studiengang Energie- und Umwelttechnik der Hochschule für Technik der Fachhochschule Nordwestschweiz.

Die drei Rasenmäh-Varianten werden nach folgenden Kriterien verglichen: graue Energie, Ökologie und Aufwand. Hintergrund: Die Grünflächen des Campus Brugg-Windisch werden zweimal jährlich mit einem Dieselrasenmäher gemäht. Insgesamt verursacht dies einen Ausstoss von 20 bis 30 Kilogramm CO2 pro Jahr auf der Referenzfläche von 500 m2.

Pflegeleicht und robust

Unter dem Titel «Die FHNW sucht den Ökomäher» haben die Studierenden nun die ersten Ergebnisse veröffentlicht. Klarer Sieger: die Schafe. Sie beziehen Energie aus Gras, stossen kein zusätzliches CO2 aus, verursachen für die FHNW keine Kosten. Zudem sind die Ouessantschafe robust und pflegeleicht. Lediglich bezüglich Effizienz sind sie im Hintertreffen. Für 500 m2 brauchen vier Schafe nämlich rund einen Monat. Auf dem zweiten Rang landet der Roboterrasenmäher, der auf derselben Fläche fix stationiert ist und täglich eine Stunde mäht. Sein Vorteil: Er ist leichter als die Schafe und als der Rasenmäher, dafür jedoch ziemlich teuer in der Anschaffung, kann dafür aber mit Solarstrom betrieben werden. Auf dem dritten Platz landet der Dieselrasenmäher, der pro Stunde, die er mäht, 3,8 Liter Treibstoff verbraucht und rund 10 Kilogramm CO2 pro Stunde ausstösst.

Fazit der Studierenden: Die Wiesenfläche liesse sich gut mit den Schafen bewirtschaften. Die angrenzende Rasenfläche, auf der die Studenten in der wärmeren Jahreszeit auch sitzen, könnte weiterhin mit einem Rasenmäher gemäht werden. Das Projektteam um Konrad Emmenegger empfiehlt der Schulleitung, die Schafe zweimal jährlich auf der Wiesenfläche weiden zu lassen. Der Einsatz eines Roboters wäre zu kompliziert, da Stufen und Kreuzungen im Weg sind. Ob die Fachhochschule den Input der Studierenden aufnimmt, ist noch unklar. Den Hauswarten jedenfalls wurde die Idee mit den Schafen schon mal vorgestellt. «Das Interesse ist da», meint Konrad Emmenegger.

Auf ihr Projekt, das mit den Schafen grosse Aufmerksamkeit erzielt, haben die Studierenden viele positive Rückmeldungen erhalten. Einerseits haben es die Erstsemestler damit schon innerhalb der Fachhochschule zu einem gewissen Bekanntheitsgrad geschafft, andererseits haben sich auch Passanten positiv geäussert. Den Studierenden bereitet die Arbeit mit den Schafen ebenfalls Spass.

An Fütterungsverbot gehalten

Konrad Emmenegger, der auf einem Bauernhof aufgewachsen ist, wusste schon einiges über Tierhaltung, doch die Gruppe musste sich vor dem Start des Projekts doch noch einiges an Wissen über die Gesetze und die Tierhaltung aneignen. Die Schafe stammen übrigens von einem Hobbybauern aus Baden, und sie sind die kleinste europäische Schafrasse.

Der Unterstand aus Plastik wäre grundsätzlich nicht einmal nötig gewesen. «Weil sich aber sonst die Menschen beschwert hätten, haben wir eine Blache gespannt», erklärt Konrad Emmenegger. Positiv ist auch, dass sich die Passanten bisher an das Fütterungsverbot halten und auch kein Littering vorgekommen ist, das die Schafe hätte gefährden können.

Die vier Ouessantschafe werden voraussichtlich noch bis Weihnachten auf der Campus-Wiese grasen und dort als natürliche Rasenmäher ihren Job erledigen – mit ihrer ureigenen Gemütsruhe dem Wetter trotzend.