Thalheim
Heimatschutz und Pro Natura wollen sich von Ruine Schenkenberg trennen – aber der Verkauf harzt

Verkaufsverhandlungen mit dem Kanton haben laut der Eigentümerschaft der Ruine im Schenkenbergertal zu einem abschlägigen Ergebnis geführt. Für den Aargau kommt nur eine gemischte Trägerschaft primär mit den Talgemeinden in Frage.

Claudia Meier
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Die Ruine Schenkenberg thront über dem Dorf Thalheim.

Die Ruine Schenkenberg thront über dem Dorf Thalheim.

Claudia Meier
(26. Mai 2020)

Vor 103 Jahren erwarb der Aargauer Heimatschutz die Ruine Schenkenberg – die grösste Burgruine im Kanton – für 50 Franken. Durch die von der Eigentümerschaft durchgeführten Sanierungen in den Jahren 1919, 1931, 1935, 1969/70 und 2003 konnte der weitere Zerfall der Ruine gestoppt und die gesamte Anlage gesichert werden.

Bei der letzten Sanierung 2003 nahm die Kantonsarchäologie Aargau zum ersten Mal eine wissenschaftliche Bauuntersuchung vor. «Die Burgruine ist ein beliebtes Ziel von Wanderern, Pfadfindern und Schulklassen und wird auch gerne als spezielle Stätte für Hochzeitsapéros und Ähnliches genutzt», schreibt der Aargauer Heimatschutz auf seiner Website.

Der angrenzende Wald gehört Pro Natura

Im Dezember 2006 habe der Aargauer Heimatschutz in Absprache mit der aargauischen Kantonsarchäologie den ebenfalls ihm gehörenden, an die Ruine angrenzenden lichten Wald (sechs Hektaren) abparzelliert und an Pro Natura verkauft. Den Verkaufserlös in der Höhe von 40'000 Franken setzte der Aargauer Heimatschutz für den Unterhalt der Ruine ein. Das Geld ist inzwischen aufgebraucht. Hinsichtlich der Ruine (eine Hektare) bilden der Aargauer Heimatschutz und Pro Natura seither die Eigentümerschaft.

Ruine Schenkenberg: Die Burg, im Auftrag der Habsburger erbaut, wurde 1243 erstmals in einer Urkunde erwähnt.

Ruine Schenkenberg: Die Burg, im Auftrag der Habsburger erbaut, wurde 1243 erstmals in einer Urkunde erwähnt.

Michael Küng
(17. Februar 2019)

Mittelfristig soll die Burgruine Schenkenberg, die unter Denkmalschutz steht, dem Kanton Aargau übertragen werden, schreibt der Aargauer Heimatschutz weiter. Im Frühling 2016 war der Verkauf ein Thema, weil ein solches Baudenkmal von nationaler Bedeutung laut Heimatschutz-Geschäftsführer Henri Leuzinger nicht in den Besitz privater Natur- oder Heimatschutz-Organisationen gehöre.

Neue Verhandlungen nach über 20 Jahren

Schon Ende der 1990er-Jahre lag ein entsprechender Verkaufsvertrag vor. Aufgrund unüberwindbarer Differenzen wurde das Geschäft, bei dem auch die Talgemeinden involviert gewesen wären, sistiert und der neue Trägerverein nicht ins Leben gerufen.

Coronabedingt erlebte die Burgruine Schenkenberg im vergangenen Jahr einen enormen Besucherzuwachs mit entsprechend mehr Abfall auf dem Gelände. Die Verkaufsverhandlungen mit Georg Matter, Chef der Abteilung Kultur, von Anfang Juli 2020 zur Abtretung der Ruine Schenkenberg an den Kanton haben allerdings zu einem abschlägigen Ergebnis geführt, wie dem Jahresbericht des Aargauer Heimatschutzes zu entnehmen ist. Für Matter komme nur eine gemischte Trägerschaft mit den Talschaftsgemeinden sowie eventuell Jurapark Aargau und Kanton in Frage, heisst es weiter.

Die Burgruine befindet sich in einem guten Zustand

Unter der Leitung des Kantons werde Matter eine neue Verhandlungsrunde organisieren. Der Aargauer Heimatschutz hält fest:

«Die Pro Natura Aargau hat sich bereit erklärt, als gleichberechtigte Miteigentümerin ihren Anteil an die Unterhaltskosten der Ruine zu übernehmen.»

Die Ruine selbst befinde sich in einem guten Zustand und werde laufend überwacht. Der Zeitpunkt für Vermessungen wird neu vom Sommer in den Frühling oder Herbst verlegt. Ein Botaniker werde den veralteten Pflegeplan für das Areal überarbeiten.

Und wann werden die Gespräche für eine regionale Trägerschaft wieder aufgenommen? Auf Nachfrage beim zuständigen Departement Bildung, Kultur und Sport teilt Sprecherin Simone Strub Larcher mit: «Coronabedingt hat bisher keine neue Verhandlungsrunde stattgefunden.» Es sei geplant, das Thema im ersten Quartal 2022 wieder aufzunehmen.

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