Was passiert, wenn sich das Gute und das Böse messen wollen, zeigt das neue Stück der Theatergruppe Birr. Die alles entscheidende Frage ist, wer ist das gelungenere Geschöpf, die Frau oder der Mann. Glaubt man Luzifer, wollte er Gott mit der Gestaltung der Frau ins Handwerk pfuschen. Der Erzengel Gabriel dagegen, der sich zu seiner weiblichen Seite bekennt und als Frau in Erscheinung tritt, ist überzeugt: «Es liegt doch in der Natur der Sache, dass sich beim Prototyp Fehler einschleichen.» Erst der zweite Versuch Gottes, den Menschen zu schaffen, sei perfekt geglückt und das sei schliesslich die Frau gewesen.

Und so geht es weiter zwischen dem liebevoll als Luzi bezeichneten Teufel, gespielt von Fabian Giger und dem Engel Gabriel alias Bernadette Röösli. Einigung ausgeschlossen. Daher beschliessen die beiden eine Probe aufs Exempel, genauer gesagt eine Wette: Einen Tag lang beobachten die beiden das irdische Ehepaar Max und Monika Fischer, gespielt von Beat Landis und Helena Schwegler, und zählen mit, wer von beiden am meisten lügt. Lügt Max öfter, gewinnt Gabriel.

Ist es stattdessen Monika, die am seltensten bei der Wahrheit bleibt, darf Luzi zwei neue Seelen sein Eigen nennen. Da die Fischers es mit der ehelichen Treue aber nicht so genau nehmen, läuft ausgerechnet dieser alles entscheidende Wetttag völlig aus dem Ruder und unerwartete Gäste und Ereignisse treten ein.

Bei der Auswahl des Stücks käme es auch darauf an, ob man die richtigen Schauspieler für die entsprechenden Rollen habe, sagt der Regisseur Kurt Wächter. Zweifellos ins Schwarze getroffen hat er bei der Besetzung des Teufels. Mit seinem spitzbübischen Charme lässt Fabian Giger vergessen, dass es sich bei der Figur des Luzi eigentlich um das Böse handelt. Wer nicht aufpasst, sympathisiert rasch mit dem roten, gehörnten Wesen. Doch auch die Fischers sind nicht ohne und lassen an der Institution der Ehe zweifeln. Das Frühstück ist gerade beendet, da zeigt das Lügenbarometer einen Stand von 12:10. 22 Lügen haben sie sich bereits an den Kopf geworfen!

Wohin das Ganze noch führt und welches Geschlecht tatsächlich die perfekte Kreation Gottes ist, entscheidet sich am Ende des zweiten und letzten Akts dieser himmlischen Komödie.
Letzte Aufführung, Mittwoch um 20 Uhr in der Musikarena Wydehof in Birr.