Brugg

«Tempo 30 schafft klare Verhältnisse»: IG Verkehrssicherheit kritisiert Referendumskomitee

Das Thema Tempo 30 sorgt für reichlich Gesprächsstoff in Brugg. (Symbolbild)

Das Thema Tempo 30 sorgt für reichlich Gesprächsstoff in Brugg. (Symbolbild)

Klare Gründe sprechen für Tempo 30, hält die IG Verkehrssicherheit fest und kritisiert die «absurden» Behauptungen des Referendumskomitees.

Das Thema Tempo 30 sorgt für reichlich Gesprächsstoff in Brugg. Jetzt meldet sich die IG Verkehrssicherheit zu Wort. Sie erinnert in einer Medienmitteilung daran, dass sie vor fünf Jahren alle Brugger Schulkinder zu ihrem Schulweg befragt hat.

Die Auswertung der über 450 Gefahrenmeldungen habe ein deutliches Resultat gezeigt: Die meisten Gefahrenstellen werden durch die Einführung von Tempo-30-Zonen behoben oder zumindest wesentlich entschärft. «Es gibt keine bessere und einfachere Massnahme, um die Schulwegsicherheit zu erhöhen», folgert die IG Verkehrssicherheit.

Sie äussert sich bestürzt, wie das Referendumskomitee «mit absurden Behauptungen» versucht, Tempo 30 als eine «lebensgefährliche» Massnahme darzustellen, bei welcher der rollende Verkehr wieder den absoluten Vortritt habe.

Wie verschiedene Untersuchungen zeigen, so die IG Verkehrssicherheit, trägt Tempo 30 vielmehr wesentlich zur Erhöhung der Verkehrssicherheit bei. Tempo 30 führe zu einer Verkürzung des Bremswegs um rund die Hälfte gegenüber Tempo 50. «Tiefere Geschwindigkeiten haben eine geringere Unfallhäufigkeit und Unfallschwere zur Folge», halten die Vorstandsmitglieder Judith Bühler und Sibylle Michel in der Medienmitteilung fest. «Bei einer Kollision mit 30 km/h sterben weniger als 6 Prozent der Fussgänger, bei einer Kollision mit 50 km/h hingegen sterben 40 Prozent der Fussgänger.»

Es entsteht kaum ein Zeitverlust

Bei tieferen Geschwindigkeiten, fährt die IG Verkehrssicherheit fort, ändert sich die Wahrnehmung des Verkehrsraums entscheidend. «Der Blickwinkel eines Autofahrers wird breiter und er erkennt Velofahrer und Fussgänger links wie rechts am Strassenrand leichter und kann so ihr Verhalten besser einschätzen.»

Weiter führe die geringere Maximal-Geschwindigkeit zu weniger Stop-&-Go-Verkehr und trage zu einer Verflüssigung bei. «Die gefährlichen Geschwindigkeitsspitzen werden reduziert.» Da die Durchschnittsgeschwindigkeit aber nur geringfügig sinke, entstehe den Automobilisten kaum ein Zeitverlust.

Geringer ist gemäss IG Verkehrssicherheit überdies die Lärmbelastung. Diese reduziere sich mit Tempo 30 gegenüber Tempo 50 um rund 3 Dezibel, was in der Wahrnehmung einer Halbierung entspreche. «Dies wirkt sich positiv auf die Gesundheit aus, erhöht doch Lärm das Risiko für Schlafstörungen sowie für Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen.»

Zur Änderung des Vortrittsregimes für Fussgänger stellt die IG Verkehrssicherheit fest, dass in Tempo-30-Zonen grundsätzlich Rechtsvortritt gilt. Aber: «Am Vortrittsregime der Fussgänger ändert sich nichts. Sie haben weiterhin auf Fussgängerstreifen und Trottoirüberfahrten Vortritt.» Im sorgfältig ausgearbeiteten Konzeptplan der Stadt Brugg seien insbesondere auf Schulwegen weiterhin rund 20 Fussgängerstreifen sowie zahlreiche Trottoirüberfahrten innerhalb der Tempo-30-Zonen vorgesehen.

Tempo 30 in allen Wohnquartieren bringe Klarheit, steht für die IG Verkehrssicherheit fest, «im Gegensatz zu dauernd abwechselnden Tempozonen, die verwirrend sein können». Alle Verkehrsteilnehmer wüssten, welches Tempo gelte. «Dies erhöht die Sicherheit.» Bei der Umsetzung werde zudem auf teure und unbeliebte Schwellen verzichtet.

Kurz: «Tempo 30 schafft in den Wohnquartieren mit einer einfachen Signalisationsanpassung klare Verhältnisse und erhöht wirksam die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer», fasst die IG Verkehrssicherheit zusammen. Die Argumente dafür seien vielfach belegt, die Massnahmen vielerorts erprobt, geschätzt und bewährt.

Zentral sind sichere Quartiere

Die IG Verkehrssicherheit Brugg ist seit bald 10 Jahren aktiv. Ihr Hauptanliegen ist es, «dass sich insbesondere schwächere Verkehrsteilnehmer wie Schulkinder und betagte Menschen geschützt und in guter Koexistenz mit den anderen Verkehrsteilnehmern bewegen können». Zentral für die IG Verkehrssicherheit sind sichere Quartiere, in denen sich die Bewohnerinnen und Bewohner gerne aufhalten.

Diesen September bewilligte der Brugger Einwohnerrat den Kredit von 272 000 Franken für die Umsetzung von Tempo-30-Zonen auf den Gemeindestrassen. Gegen diesen Entscheid formierte sich Widerstand. Mit 1153 gültigen Unterschriften ist das Referendum zustande gekommen (die AZ berichtete). Die Urnenabstimmung findet am 10. Februar 2019 statt.

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