Brugg/Lupfig

Tausendsassa Ueli Hofstetter: Fremd-Bestimmung ist ihm ein Graus

«Es braucht manchmal eine gewisse Härte, um eine Band zu leiten», sagt Ueli Hofstetter. Hier im Bild am Kontrabass. ZVG

«Es braucht manchmal eine gewisse Härte, um eine Band zu leiten», sagt Ueli Hofstetter. Hier im Bild am Kontrabass. ZVG

Ueli Hofstetter ist Showman, Bandleader, Buchhalter, Gemeindeangestellter und Humanist in einem. Und er hasst Fremdbestimmung. Das hat einen ganz bestimmten Grund.

«Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust.» Das Zitat von Johann Wolfgang von Goethe trifft auf Ueli Hofstetter 100-prozentig zu. Tagsüber arbeitet er im Teilzeitpensum bei der Lupfiger Gemeindeverwaltung für Einwohnerkontrolle, Sozialdienst und AHV-Zweigstelle, abends liefert er als E- und Kontra-Bassist auf der Bühne eine Show ab, als ob er nur fürs Rampenlicht geboren worden ist.

Das exakte Arbeiten liegt dem ehemaligen Buchhalter von Radio Argovia genauso, wie die Sau rauszulassen. «Ich brauche beides», meint der gebürtige Villiger. «In den 30 Jahren, seit ich Musik mache, ist für mich oberstes Credo, einem normalen Brotjob nachzugehen. Das gibt mir eine Struktur, die für mich wichtig ist.»

Er bezeichnet sich als Denker und Humanist, der ein genuines Interesse für gesellschaftliche Systeme und das politische Geschehen hat. Er engagiert sich für die Gemeinde, in der er seit 17 Jahren lebt und wirkt in der Fusionskommission Lupfig-Scherz, der Kultur- und der Brötliexamen-Kommission mit. Am nächsten Samstag erlebt man im Roten Haus Brugg den anderen Ueli Hofstetter: den Bandleader von Bonnie & the groove Cats, den leidenschaftlichen Musiker, Komponisten und Performer.

Grosse Show in Brugg

Mit ihrer zweiten Revue «A Night at the Cat-Club» liefert die Formation eine glamouröse Show mit Stepptänzern, Hula-Hoop-Performance und A-cappella-Sängern. Conférencier Michel Erismann schlüpft in die Rolle des Barpianisten und erzählt witzige Storys.

Getragen wird das Happening vom bewährten Sound von Bonnie & the groove Cats, der vom Rock ’n’ Roll dominiert wird, aber auch Ausflüge in den Soul und Funk zulässt. «Wir sind vom Stil her sehr breit aufgestellt und wollen uns in keine Nische pressen lassen», betont Hofstetter.

«Bonnie And The Groove Cats» live im Roten Haus in Brugg.

«Bonnie And The Groove Cats» live im Roten Haus in Brugg.

Nebst der Musik sind der Band Glamour und Style wichtig. «Sich für die Bühne herauszuputzen gehört mit zur Liebe und Sorgfalt, die wir in unseren Auftritt legen», meint Hofstetter. Er gesteht, dass er hohe Erwartungen an Zuverlässigkeit und Integrität setzt.

«Ich kann ‹tough› und ziemlich anspruchsvoll sein», sagt der 52-Jährige und fügt hinzu: «Es braucht manchmal eine gewisse Härte, um eine Band zu leiten und eine Show mit 20 Leuten auf die Beine zu stellen.»

Hofstetter hasst Fremdbestimmung. Deshalb organisieren «Bonnie & the groove Cats» alles selber – vom Management über den Ticketverkauf bis zum Essens- und Getränkestand bei den Konzerten. Kürzlich wurde das eigene Plattenlabel «Groove Cats Records» aus der Taufe gehoben, unter dem das dritte Album «Feel Good» mit ausschliesslich eigenen Songs erscheinen wird.

Zur Musik fand Ueli Hofstetter früh. «Schon als 10-Jähriger spielte ich Gitarre und trällerte Mani-Matter-Lieder.» Mit knapp 25 wurde er Bassist bei der Steve-Whitney-Band.

Er war Mitglied der Claudia-Piani-Band in Brugg, bevor er in einem Studio in Mendocino (USA) mit Musikern von Van Morrison und James Taylor seine ersten eigenen Songs einspielte. «Für mich wurde ein Traum wahr», erinnert sich Hofstetter.

Er hatte Engagements als Studiomusiker, trat live mit John Parr («St. Elmos Fire») und den Appleton Sisters («All Saints») auf. Mit der Metalgrunge-Band Pure Inc tourte er durch Europa, bespielte mit Tinkabelle das Zürcher Hallenstadion. «Dort erlebte ich erstmals hautnah, wie eine Band funktioniert, die von einer PR-Maschinerie mit viel Geld aufgebaut wird», erzählt Hofstetter. «Da geht enorm viel Selbstbestimmtheit und Authentizität verloren. Das hat mir nicht gefallen.»

Irgendwann Las Vegas

Bonnie alias Sandra Erne lernte er bei ihrem Job in einem Atelier für Menschen mit Behinderung kennen, wo er die Buchhaltung besorgte. Die Berufsschullehrerin im Gesundheitsbereich aus Ennetbaden stand zuvor noch nie auf der Bühne; aber der Musiker erkannte ihr Potenzial sofort.

2012 gründeten sie Bonnie & the groove Cats. Später kam Gitarrist Didi Meier aus Solothurn dazu. Je nach Lokal treten sie zu dritt, zu viert oder auch in Vollformation mit Bläsern auf. «Ich hatte immer den Traum, Partner zu finden, die so viel Enthusiasmus und Herzblut in ein Projekt stecken, wie ich. Das ist mit Sandra und Didi der Fall. Wir sind Soulmates», zeigt sich Hofstetter glücklich. Und einen grossen Traum hegen die drei noch: «Wir wollen irgendwann einmal in Las Vegas auftreten.»

Bonnie & the groove Cats A Night at the Cat-Club, 28. November im Roten Haus Brugg.

Anmeldung Tel.: 056 441 08 08. Am 11./12. Dezember im Hotel Steinhof Würenlos. Anmeldung www.steinenhof-würenlos.ch. Showtime jeweils 21 Uhr.

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