Brugg

«Tarifunsinn»: Eine Busfahrt nach Schinznach-Bad ist teurer als eine nach Villnachern

Wer mit dem Bus vom Bahnhof Brugg ins Kurzentrum Schinznach-Bad fährt, braucht ein Billett für 2 Zonen.

Wer mit dem Bus vom Bahnhof Brugg ins Kurzentrum Schinznach-Bad fährt, braucht ein Billett für 2 Zonen.

Der Brugger Paul Brünisholz vermisst die Logik bei den Bustarifen in der Fusionsgemeinde Brugg.

«Brugg hätte mit Villnachern fusionieren sollen. Es wäre für die Busreisenden billiger geworden», schreibt Paul Brünisholz, wohnhaft im Brugger Westquartier, in einem Leserbrief.

Nachdem sich die Gemeinde Schinznach-Bad per 1. Januar 2020 mit der Stadt Brugg zusammenschloss, hat Brünisholz den Zonenplan der A-Welle unter die Lupe genommen und in Bezug auf die neue Fusionsgemeinde folgenden «Tarifunsinn» festgestellt: «Ich steige in den Bus 368 an der Haltestelle Bodenackerstrasse Brugg und fahre nach Villnachern Dorf. Der Bus fährt mich mit Stopps an fünf Haltestellen an den Bahnhof Brugg, hier steige ich in den Bus 371 und reise mit vier Stopps an Haltestellen nach Villnachern Dorf.»

Total neun Stopps, Fahrzeit 26 Minuten, Distanz 7 Kilometer, eine Fahrt durch zwei Gemeinden. Die Billettkosten im Tarifverbund A-Welle betragen für ein Einzelbillett 1 Zone Fr. 2.80.

Beim zweiten Preisbeispiel fährt Paul Brünisholz mit dem ÖV in die andere Richtung. Er steigt wieder an der Haltestelle Bodenackerstrasse in den Bus 368 und fährt bloss eine Station bis zur Haltestelle Schinznach-Bad Aquarena in der «Agglo» Brugg, wie es Brünisholz nennt. Fahrzeit 4 Minuten, die Distanz beträgt 3,6 Kilometer innerhalb der gleichen politischen Gemeinde.

Der Fahrpreis im Tarifverbund A-Welle beläuft sich in diesem Fall für das Einzelbillett 2 Zonen auf Fr. 3.40. Mit anderen Worten: Die kurze Fahrt zum Thermalbad Aquarena kostet den Brugger 60 Rappen mehr als die Busreise über den Bahnhof im Stadtzentrum in die Nachbargemeinde Villnachern.

«Die Tarifzonen sind unabhängig von geopolitischen Grenzen»

Auf den von Paul Brünisholz geschilderten «Tarifunsinn» angesprochen, sagt die stellvertretende Geschäftsführerin Monika Moritz vom Tarifverbund A-Welle: «Die Tariflogik des Stadt- und Nahverkehrs mit Aufteilung in unterschiedlichen Zonen kennt viele Tarifgewinner und wenige Verlierer.»

Die Hauptkriterien für die Bildung von Tarifzonen in einem Tarifverbund seien die Nachfrage bzw. die Verkehrsströme, die finanziellen Rahmenbedingungen der Kantone, das ÖV-Angebot (Streckenlänge und Fahrplandichte) sowie die Vernetzung in der Zone (städtische Zone mit vielen Linien oder ländliche Zone mit nur einer Strecke).

Die Tarifzonen des Tarifverbunds A-Welle sind laut Monika Moritz grundsätzlich unabhängig von geopolitischen Grenzen. Mit anderen Worten: Fusionieren Gemeinden, werden Tarifzonen nicht von selbst angepasst. Die Kriterien zur Bildung oder Änderung von Tarifzonen ändern sich in der Regel nicht mit der Fusion von Gemeinden.

Der von Brünisholz erwähnte Fall ist speziell, weil die Aare und ihre Seitenarme eine Tarifzone unterteilen (Tarifzone 550). «So müssen von ÖV-Kunden mehr Personenkilometer zur Querung der Aare zurückgelegt werden, um eine Haltestelle in kurzer Luftliniendistanz zu erreichen», fährt Monika Moritz fort.

Diese geografische Spezialität mit dem Umstand der längeren Fahrt zum Einzelfahrpreis von Fr. 2.80 nach Villnachern fällt zu Gunsten des ÖV-Kunden aus, weil er in einer Zone unterwegs ist. Wer von der Bodenackerstrasse in Brugg zum Aquarena in Schinznach-Bad unterwegs ist, zahlt bei leicht längerer Luftliniendistanz für die Fahrt in zwei Zonen etwas mehr.

In den meisten Fällen profitieren ÖV-Kunden laut Moritz von einer für sie günstigen Tarifzoneneinteilung, in anderen Fällen nicht. «Letztere betreffen Strecken, bei denen zonenübergreifende Distanzen am Rande der Tarifzonen zurückgelegt werden.»

Die politische Gemeinde könnte eine Zonenanpassung beantragen

Für Paul Brünisholz besteht in Sachen A-Welle-Tarifzonen ganz klar Handlungsbedarf. Ist das allenfalls ein Thema im Hinblick auf den nächsten Fahrplanwechsel im Dezember 2020? Dazu sagt die stellvertretende Geschäftsführerin: «Aktuell sind keine Änderungen der Tarifzonen im Raum Brugg geplant.»

Wer bestimmt die Tarifzonen und von wem müsste die Initiative zu einer Anpassung kommen? «Die Tarifzonen der A-Welle wurden im A-Welle-Rat entschieden», antwortet Monika Moritz. Im A-Welle-Rat haben neben den an der A-Welle beteiligten Transportunternehmen auch die Kantonsvertreter der beiden Kantone Aargau und Solothurn Einsitz.

«Sollte eine Zonenänderung initiiert werden wollen, wäre beispielsweise der Weg über die politischen Gemeinden an die Geschäftsstelle der A-Welle zu beschreiten, die den Antrag – bei berechtigtem Interesse für die Mehrheit der ÖV-Kunden – dem A-Welle-Rat zum Entscheid vorlegen würden», sagt Monika Moritz zu einem möglichen Prozedere.

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