Brugg

Tanzen begeistert Stapferschüler mit «knusprigen Pouletflügeli» und «verbrannten Omeletten»

Die zehn- und elfjährigen Fünftklässler üben im Singsaal des Stapferschulhauses für den grossen Auftritt im Dezember. Auch die Lehrpersonen tanzen in der Gruppe mit.

Die zehn- und elfjährigen Fünftklässler üben im Singsaal des Stapferschulhauses für den grossen Auftritt im Dezember. Auch die Lehrpersonen tanzen in der Gruppe mit.

Dancing Classrooms verwandelt Schüler in Tango- und Walzertänzer. Noch nehmen im Aargau wenig Klassen teil — obwohl das Projekt vom Kanton unterstützt wird.

«T-A-N-G-O» – immer wieder sagen die Schülerinnen und Schüler die Buchstaben im passenden Rhythmus und geben so den Takt im Singsaal des Stapferschulhauses Brugg an. Seit Anfang September üben die Kinder der Klasse 5g und 5h jeweils montags und donnerstags mit der Tanzlehrerin Janine Bredanger. Dancing Classrooms ist ein Projekt, das sich vom regulären Unterricht abhebt: «Dafür haben wir keine Mathematik», sagt einer der Buben und strahlt.

1994 hatte Pierre Dulaine den Verein in New York gegründet, um seine Erfahrungen mit Gesellschaftstänzen weiterzugeben. Die 48-jährige Bredanger geniesst diesen lebendigen Unterricht sichtlich. Sie kam zufällig zum Projekt, ist eigentlich Primarlehrerin.

In New York hat sie die Dancing Classrooms Lehrlizenz erworben und danach ein paar Zusatznachmittage in der Schweiz besucht, um den Unterricht auf die örtlichen Teilnehmer anzupassen. Mehr als 339 Klassen haben das Programm bisher in der Deutschschweiz absolviert.

Dancing Classroom: die Schüler der Klasse 5h proben ihren Auftritt

Dancing Classroom: die Schüler der Klasse 5h proben ihren Auftritt

«Gentlemen, macht knusprige Pouletflügeli!»

Die sprachlichen Ummünzungen gefallen den Kindern jedenfalls sehr. «Ich finde die Worte super, die Frau Bredanger benutzt», sagt Livia. Damit meint sie «knusprige Pouletflügeli» oder «verbrannte Omeletten». Diese bezeichnen spezielle Tanzhaltungen. Die Buben winkeln ihre Arme an und spannen sie an, so gut es geht – sie machen eben knusprige Pouletflügeli.

Die Mädchen legen ihre Arme dann leicht und ebenfalls angespannt auf denen der Buben ab. Bei den Omeletten werden die Hände ganz locker nach vorne gestreckt, die Tanzpartnerin berührt mit ihren Händen jene des Partners.

«Dazwischen passt eine ganz dünne Omelette», erklärt Klassenlehrer Ben Joost. Der 34-Jährige findet das Projekt sehr sinnvoll und würde sofort wieder teilnehmen. «Ich merke, dass die Kinder beim Tanzen anders sind. Sie lernen einen guten Umgang miteinander.»

«Tanzen stärkt das Selbstwertgefühl»

Damit spricht er eines der Ziele des Spezialunterrichts an: Soziale Kompetenzen werden gefördert, die Kinder lernen, einander respektvoll zu begegnen. Aus diesem Grund sprechen sie sich während der Lektionen mit «Lady» und «Gentleman» an.

Bredanger betont: «Das Tanzen stärkt das Selbstwertgefühl und ermöglicht schulisch schwächeren Kindern zu glänzen.» Sie sagt: «Während den fünf Jahren als Primarlehrerin habe ich nie eine solche Bindung erlebt wie bei Dancing Classrooms.»

Nicht alle Kinder geniessen die Abwechslung. Die Tanzlehrerin versucht dann, sie mit Humor und Geschichten zum Lächeln zu bringen. «Manchmal muss ich charmant und hartnäckig dranbleiben. Aber es kommt so viel zurück, das motiviert mich.» Ganz nebenbei spricht sie mit den Schülern darüber, woher der Tango stammt oder welches die Hauptstadt des Landes ist.

Dancing Classrooms wird vom Kanton unterstützt

Im Aargau fördert das Departement für Bildung, Kultur und Sport (BKS) das Angebot mit «Kultur macht Schule». Die Primarschule Stapfer wurde zudem durch die Stäblistiftung Brugg unterstützt. Ob solche Projekte möglich sind, sei auch eine finanzielle Frage, so Bredanger.

«Die Schulen melden sich selbst an. Im Aargau steht das Projekt aber noch am Anfang.» Die Klassen von Evi Barmet und Barbara Gabathuler aus Brugg waren vor zwei Jahren die ersten, die teilgenommen haben. Insgesamt hat Bredanger in Brugg, auf dem Bözberg und in Lengnau unterrichtet. Nächstes Jahr wird Dancing Classrooms zudem in Würenlingen durchgeführt. Bredanger sagt: «Es wäre toll, mehr Teilnahmen zu haben.»

Mit Merengue, Swing oder Walzer ist für alle etwas dabei. «Mir gefällt, dass wir immer etwas anderes lernen», sagt Lara. Während dieser Lektion kommt der Cha Cha Slide neu hinzu. Dieser Line Dance wird in der Reihe getanzt und ist freier als die Standardtänze. Die Musik reisst mit, der Sänger leitet im Text die Bewegungen an.

Was «hop», «stomp» oder «clap» bedeutet, haben die Schüler am Morgen im Englischunterricht behandelt. «Am Anfang wird es ein Chaos geben, das macht gar nichts», sagt Bredanger. Aber die Kinder lernen schnell und tanzen begeistert zur Musik. Der Cha Cha Slide reisst fast alle mit.

Am 9. Dezember führen die beiden Klassen ihr Können im Salzhaus Brugg dem Publikum vor. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, wenn es zum Abschluss noch einmal heisst: «Ladies und Gentlemen, in Begleitposition bitte!»

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