Königsfelden
Tanz&Kunst Königsfelden: Sibyllen ziehen in die Klosterkirche ein

2015 zeigt Tanz & Kunst Königsfelden «Sibil.La»: Ein französisch-spanisches Duo choreografiert die Aufführung. Es wird sich um ein grenzüberschreitendes Tanz- und Musikprojekt handeln.

Elisabeth Feller
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Arantxa Sagardoy und Alfredo Bravo choreografieren die Aufführung «Sibil.La»

Arantxa Sagardoy und Alfredo Bravo choreografieren die Aufführung «Sibil.La»

zvg

Sibilla? Ein schöner, nicht allzu häufiger Name, der dies bedeutet: «Die Gottes Willen weissagt». Das passt ausgezeichnet zur Klosterkirche, die im 2015 abermals Schauplatz einer Aufführungs-Serie im Rahmen von Tanz & Kunst Königsfelden wird. Erstmals wird jedoch nicht die künstlerische Leiterin, Brigitta Luisa Merki, ein Werk kreieren, sondern das spanisch-französische Duo Arantxa Sagardoy und Alfredo Bravo.

Ungewöhnlich? Nein. Brigitta Luisa Merki hatte stets erklärt: «Ich möchte, dass das Publikum nicht nur meinen Choreografien begegnet, sondern weitere Handschriften der zeitgenössischen Tanzsprache kennen lernen kann» – und das in einem sakralen Raum, der längst ein Tanzmekka ist. Nach Brigitta Luisa Merkis «babel.torre viva» und ihrem ersten pädagogischen Projekt «babel.überall» im Mai dieses Jahres mit Schülerinnen und Schülern aus Neuenhof wird im nächsten Jahr «Sibil.La» gezeigt.

Was steckt dahinter?

Siehe die eingangs erwähnten Worte: Sibyllen – Wesen, die einerseits auf das Göttliche verweisen; andererseits etwas Prophetisches in sich tragen. Das mutet zunächst etwas nebulös an. Möglicherweise ist es aber ganz einfach so, dass Arantxa Sagardoy und Alfredo Bravo den Bogen der bisherigen «babel»-Produktionen mit ihrem philosophisch-religiösen Hintergrund weiterspannen wollen.

Vorläufig dürfen wir weiter über den Inhalt der neuen Choreografie rätseln. Kein Rätsel ist jedoch dies: Es wird sich auch 2015 um ein grenzüberschreitendes Tanz- und Musikprojekt handeln, das mit diesen Worten angekündigt wird: «Sibil.La» ist ein Werk, das in seiner umfassenden und aktuellen Thematik sowohl klanglich als auch visuell die Sensibilität des Zuschauers berühren möchte. Die einzigartige Nutzung und die eigene Atmosphäre der Klosterkirche ist dabei von grosser Bedeutung und integraler Bestandteil der Inszenierung von Tanz und Musik.»

Die Chaarts sind erstmals dabei

Analog zu «babel.torre viva» ist das neue elfköpfige Tanzensemble ebenfalls international besetzt. Erstmals wirken bei Tanz & Kunst Königsfelden die Chamber Aartists (Chaarts), respektive die Musiker Markus und Andreas Fleck sowie Felix Froschhammer mit. Mit Fredrik Gille findet sich ein bekannter Name auf der Besetzungsliste: Fredrik Gille. Der Perkussionist wurde von Brigitta Luisa Merki in den vergangenen Jahren immer wieder eingeladen; weiter vervollständigen Ronny Spiegel, Tashko Tasheff und Asami Uemura das kleine Orchester.

Der Raum darf vibrieren

Vertraut ist das Königsfelder Publikum aber nicht nur mit Gille, sondern auch mit der algerischen Tänzerin und Sängerin Karima Nayt. Wer kann ihre Interpretation der Euridice in der Klosterkirche vergessen? Es friert einen noch heute. Zu dieser Künstlerin gesellen sich Irina Ungureanu sowie eine Fado-Sängerin, womit das portugiesische Element vertreten ist.

Noch ist über die neue Inszenierung nicht allzu viel bekannt. Das Choreografen-Duo verheisst aber «ein neues Hör-und Seherlebnis im historischen Raum. Der Zuschauer wird auf dem Weg einer eigentlichen Tanz-Trance in eine Welt entführt, in der prophetische Stimmen, Klänge und Tanzrituale tiefe persönliche Empfindungen auslösen.

Das Zusammenwirken der Stimmen, Körper und Klänge bringt in seiner gesamten Resonanz den Raum zum Vibrieren. Rituale, die sich über Jahrhunderte in Emotionen und Gestalten wie den Sibyllen manifestiert haben, finden zu einem neuen Ausdruck in den Körpern der Tänzer. Sie suchen noch immer nach Antworten, nach Hoffnungen, nach einer Erlösung.»

«Sibil.La» Die neue Produktion wird vom 20. Mai bis 20. Juni 2015 in der Klosterkirche Königsfelden gezeigt.