Königsfelden
Tanz und Kunst: 130 Schüler haben die Klosterkirche fest im Griff

«babel.überall» heisst das erste pädagogische Projekt im Rahmen von Tanz & Kunst in der Klosterkirche Königsfelden. Brigitta Luisa Merki hat es mit 130 Schülerinnen und Schülern der Schule Neuenhof erarbeitet. Morgen ist Premiere.

Elisabeth Feller (Text)und Alex Spichale (Fotos)
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Sie kommen aus dem abgedunkelten Raum nach vorne zur Zuschauertribüne und spielen Musik – das macht Eindruck.
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«Ruhe bitte»: Brigitta Luisa Merki bei den ersten Proben mit Schülern und Künstlern in der Klosterkirche Königsfelden.
Gespannte Aufmerksamkeit und Konzentration bedeuten alles.
«babel.überall»

Sie kommen aus dem abgedunkelten Raum nach vorne zur Zuschauertribüne und spielen Musik – das macht Eindruck.

Alex Spichale

Draussen ist essommerlich warm, drinnen kühl. Deshalb brummen in der Klosterkirche Königsfelden die Heizlüfter; deshalb steckt das Produktionsteam in Winterjacken.

Es ist ein besonderer Tag: 130 Schülerinnen und Schüler aus acht Klassen der Schule Neuenhof sind in die Klosterkirche eingezogen. Hier, in diesem majestätischen, sakralen Raum erfolgt der letzte Feinschliff für die Produktion «babel.überall» (siehe Box).

Was will «babel.überall»?

«babel.überall» ist ein pädagogisches Kunstprojekt, das im babylonischen Heute nach Visionen, gemeinsamen Strukturen und Ausdrucksformen sucht. Rhythmus, Klang und Tanz verbinden die individuelle und kulturelle Verschiedenheit der 130 mitwirkenden Schülerinnen und Schüler der Schule Neuenhof. Gemeinsam mit Künstlern diverser Sparten kreieren sie in der Klosterkirche künstlerische Formen und Dialoge; Leitung: Brigitta Luisa Merki. Vorstellungen: 23. bis 28. Mai, je 20.30 Uhr. Vorverkauf: www.ticket.baden.ch; Info Baden: 056 200 84 84. (AZ)

Die künstlerische Leiterin, Brigitta Luisa Merki, zeigt damit ihr erstes pädagogisches Projekt im Rahmen von Tanz & Kunst Königsfelden: «‹babel.überall› bringt Schüler, Lehrpersonen und Kunstschaffende für diese Aufführung zusammen», sagt Merki und betont: «Es geht aber nicht primär um die Inszenierung, sondern das Heranführen junger Menschen an Kunstformen.»

Künstlerische Impulse aufnehmen, darauf reagieren und agieren auf der oder hinter der Bühne – geleitet und angefeuert von Kunstschaffenden: Das ist der Weg. Und dieser ist für Brigitta Luisa Merki wichtiger als das Ziel.

Während sechs Monaten hat die Lehrerschaft in Neuenhof den Kunstschaffenden Einzug in den normalen Schulalltag gewährt. In vielen Workshops wurden die Jugendlichen mit den unterschiedlichsten Kunstsparten – Tanz, Perkussion/Rhythmus, Gesang, Flöte, bildende Kunst, Film – vertraut gemacht.

Unzählige Stunden haben sie für das Schreinern von Perkussionskisten, den Cajónes, aufgewendet; eisern probten sie das Tanzen, «das uns an die Grenzen der eigenen Beweglichkeit und persönlichen Kondition gebracht hatte», wie Merki freimütig bekennt.

Das letzte halbe Jahr bringt sie so auf den Punkt: «Es war sehr, sehr anstrengend, aber auch sehr, sehr gut. Das zweite pädagogische Projekt wird vielleicht völlig anders aussehen. Jetzt bin ich einfach dankbar um die Erfahrungen, die ich mit dem ersten gemacht habe.»

Die Knochenarbeit ist aber noch nicht beendet – sie geht in Königsfelden weiter. Kein Wunder scheint die Luft elektrisch aufgeladen. Merki greift zum Mikrofon, ermahnt zur Ruhe: «Wir sind hier Gäste.»

Die Besucherin hat keinen blassen Schimmer, wie sie die vielen Puzzleteile zu einem Ganzen fügen soll. Deswegen verweilt ihr Blick zunächst auf der riesigen, von der Decke in den Raum ragenden, filigranen Wolke aus meterlangen Papierbahnen, die Ursula Rutishauser mit den Schülerinnen und Schülern geschaffen hat.

Da – es geht los. Die jungen Menschen betreten die Spielfläche, deren Merkmal eine im Hintergrund platzierte Wand aus aufgetürmten farbigen Cajónes ist: Kistentrommeln, auf denen die Spielenden sitzen und diese mit den Händen bearbeiten. Ein Schüler legt sich neben den anderen auf den Boden – schlagartig kehrt Ruhe ein und damit sind auch die zarten Violinklänge gut zu hören.

Eine Bewegung:Die Gruppe erhebt sich; die Jugendlichen recken ihre Fäuste in die Höhe und sprechen Worte in verschiedenen Sprachen. Jäh teilt sie sich – macht Platz für eine blutjunge Sängerin: «All we are saying is give peace a chance.»

Ach, der John-Lennon-/Yoko-Ono-Klassiker ergreift alle in der Kirche. «Gib dem Frieden eine Chance»: Ist das die Botschaft von «babel.überall»? Diese Frage wird der Zuschauer morgen – jeder auf individuelle Weise – beantworten.