Windisch
Tanz & Kunst Königsfelden feiert 10-Jahr-Jubiläum: Hier prallen Welten aufeinander

Windisch Tanz & Kunst Königsfelden feiert im Mai und Juni das 10-Jahr-Jubiläum mit «Bolero. Tanz der Feuertaube».

Ursula Burgherr
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Maja Hürst hat in der Klosterkirche Königsfelden ein grosses Mural gemalt. Alex Spichale

Maja Hürst hat in der Klosterkirche Königsfelden ein grosses Mural gemalt. Alex Spichale

Alex Spichale

Sechs Tage lang balancierte die Malerin Maja Hürst hoch über dem Eingangstor der Klosterkirche Königsfelden auf einer Hebebühne und malte an ihrem 9 auf 19 Meter grossen Wandbild, das ein wesentlicher Bestandteil von «Bolero. Tanz der Feuertaube» sein wird. Mit 10 grossen Farbrollern an langen Stangen und 50 Pinseln war sie an der riesigen Holzwand zugange, die Pitt Hartmeier für sie – sozusagen als Leinwand auf Zeit – konstruiert hatte. «Ich habe all meine Energie in diese Wand gesteckt», sagt Hürst und zeigt sich nach der Fertigstellung des Bilds sichtlich erleichtert. Es habe ihr die Kondition einer Hochleistungssportlerin abverlangt und am Abend sei sie jeweils fix und fertig gewesen.

Das Resultat ist ein zwischen Himmel und Erde schwebendes, fast transzendent anmutendes Gebilde aus farbigen Rhomben, die sogar im schummrigen Licht des Kirchenschiffs von einer geradezu verblüffenden Leuchtkraft sind. Könnte das die «Feuertaube» sein, die in den Büchern der 2011 verstorbenen Benediktinernonne Silja Walter immer wieder erwähnt wurde und nun Namensgeberin für die Jubiläumsproduktion von Tanz & Kunst Königsfelden ist? «Ich habe mich einfach intuitiv von der Umgebung inspirieren lassen», sagt Hürst dazu und überlässt die Interpretation der Betrachterin. «Ich habe das erste Mal in einer Kirche gemalt», berichtet Hürst, deren bis zu 110 Meter lange Wandbilder über den ganzen Globus verteilt sind.

Maja Hürst: Ihr Mural nimmt die Höhe der Kirche ein

Die Künstlerin Maja Hürst wurde 1978 in Zürich geboren. Sie ist bekannt für ihr visuelles Universum TIKA. Unter diesem Label gestaltet sie weltweit grossflächige Wandmalereien im öffentlichen Raum. Ein solches Mural hat sie in die Klosterkirche Königsfelden gemalt. Es nimmt die ganze Höhe der Kirche ein. Hürsts Werke zeichnen sich durch klare Formen aus, welche aber ineinander verfliessen und sich in Schichten überlagern können. (UBU)

Enge Freundschaft verband sie

Brigitta Luisa Merki steht nun vor der herausfordernden Aufgabe, Hürsts Wandbild, das klassische Orchester Chaarts, welches u. a. Ravels Bolero spielt, und ihre Tanzcompagnie Flamencos en route sowie zwei zeitgenössische Tänzer zu einem Ganzen zusammenzufügen. Zurzeit ist es noch wie ein riesiges Puzzle, dessen Einzelstücke am Schluss ein Bild ergeben müssen. «So viele eigenständige Kunstformen auf einer Bühne sprengen Grenzen, und oft prallen sehr unterschiedliche Welten aufeinander. Was daraus entsteht, wird sich erst in den Proben erweisen», sagt sie.

Für «Bolero. Tanz der Feuertaube» wird aktuell in Rieden geprobt.

Für «Bolero. Tanz der Feuertaube» wird aktuell in Rieden geprobt.

Alex Spichale

Und wer Merki kennt, weiss: Sie brennt dafür, mit spartenübergreifenden Experimenten neue Erfahrungsräume zu öffnen. Nicht nur Ravels für eine spanische Tänzerin komponiertes «Boléro» soll in einer ungewöhnlich transparenten Fassung zum Klingen kommen, gespielt werden auch Werke von Mozart und eine Flamenco-Komposition von Antonio Robledo. Dass dessen Frau, die Choreografin Susana, für Merki eine wichtige Leitfigur war, ist hinlänglich bekannt. Nicht aber, dass die einstige Primaballerina an der Oper von Madrid mit Silja Walter bis ins hohe Alter eine enge Freundschaft pflegte. Zwei Persönlichkeiten, die unterschiedlicher nicht hätten sein können.

Dennoch ist ihnen eines gemein: «Beide stammten aus gut situierten Familien und vollzogen nach einem tiefen spirituellen Erlebnis in ihrem Leben einen radikalen Wandel.» Silja, die eigentlich gerne Tänzerin geworden wäre, ging ins Kloster. Die Bernerin Susana wurde Flamencotänzerin in Spanien. «Diese Frauen waren unbeirrbar in ihrem Handeln und lebten ganz für ihre innere Überzeugung. Das fasziniert mich», erzählt die Choreografin von Flamencos en route.

Proben für die Produktion "Bolero. Tanz der Feuertaube" von Tanz & Kunst Königsfelden im Übungslokal in Rieden.

Proben für die Produktion "Bolero. Tanz der Feuertaube" von Tanz & Kunst Königsfelden im Übungslokal in Rieden.

Alex Spichale

Leidenschaft, Kraft und Mut zeigt auch Brigitta Luisa Merki bei ihren spartenübergreifenden Projekten für Tanz & Kunst Königsfelden. Stellvertretend für dieses feu sacré ist die Feuertaube, die in vielen Büchern von Silja Walter vorkommt und auch auf einem der farbigen Glasfenster im Schiff der Klosterkirche Königsfelden zu sehen ist. Jetzt zieht sie ihre Bahnen weiter und zeigt sich in «Bolero. Tanz der Feuertaube» so vielschichtig und facettenreich wie noch nie.

«Bolero. Tanz der Feuertaube» wird vom 19. Mai bis zum 18. Juni 2017, jeweils Mittwoch bis Sonntag um 21 Uhr, in der Klosterkirche Königsfelden in Windisch aufgeführt. Vorverkauf bei Info Baden, Tel. 056 200 84 84, www.ticket.baden.ch. Weitere Infos: www.tanzundkunst.ch.