Windisch

Tankwagenfahrer im Dauerstress – der Heizölpreis ist historisch tief, die Nachfrage entsprechend gross

Rund 250 Kilometer legt Karol Loszek im Durchschnitt pro Tag zurück.

Rund 250 Kilometer legt Karol Loszek im Durchschnitt pro Tag zurück.

Für das Unternehmen Voegtlin-Meyer ist Karol Loszek mit seinem Tankwagen so viel unterwegs wie schon lange nicht mehr. Denn wer sparen will, kauft jetzt.

Zeit, um herunterzufahren, hat Karol Loszek nicht. Trotz Coronakrise. Sein Tankwagen glänzt in der Sonne, rot leuchtet der Voegtlin-Meyer-Schriftzug auf der Seite. Der bald 40-jährige Chauffeur transportiert Heizöl und Treibstoff für das Familienunternehmen mit Hauptsitz in Windisch. «Wir sind voll ausgelastet», sagt er mit einem sympathischen Lachen. «Es gibt viel zu tun.» Rund eine halbe Stunde nimmt er sich Zeit für das Gespräch nach der Mittagspause. Dann schwingt er sich gut gelaunt in die Fahrerkabine. Der nächste Kunde wartet. Loszek ist ein gern gesehener Besucher in diesen Tagen. «Viele sind froh, dass wir fahren, dass die Versorgung sichergestellt ist.»

Der Ölpreis ist so tief wie seit Jahren nicht mehr. Die Hausbesitzer nutzen die Gelegenheit, die leeren Tanks aufzufüllen. Unterwegs ist Loszek im Aargau sowie in den Regionen Zürich und Basel. Um die 250 Kilometer legt er täglich zurück, liefert 75'000 Liter Heizöl aus. Oder auch 100'000 Liter. Um 5 Uhr in der Früh belädt er den Vierachser an seinem Wohnort Mellingen. Derzeit auch regelmässig jeden zweiten Samstag.

Auf das Mittagessen im Restaurant freut er sich

Dass viele Leute zu Hause sind– Stichwort Homeoffice und Homeschooling – ist ein Vorteil für den Chauffeur. Anders als früher passiere es kaum, dass ein Kunde trotz Avisierung nicht anwesend sei, sagt Loszek. «Wir dürfen nur dann Abladen, wenn wir Zugang zum Tank haben, um eine Überfüllung zu vermeiden», gibt er zu bedenken.

Verändert hat sich der Umgang mit den Kunden. Der direkte Kontakt wird vermieden. Einige bleiben in den Wohnungen, erklären dem Chauffeur vom Fenster aus, wo sich der Zugang zum Tank befindet. Andere deponieren den Kellerschlüssel an einem vereinbarten Ort. Das Vorgehen habe sich gut eingespielt, hält Loszek fest. Auf Wunsch trägt er eine Schutzmaske. In seinem Tankwagen führt er zudem Desinfektionsmittel und Handschuhe mit.

Der gebürtige Pole, der seit sieben Jahren für Voegtlin-Meyer fährt, freut sich darüber, dass mit der Lockerung des Lockdown nun ein Stück Normalität einkehrt im Alltag, er für das Mittagessen wieder das Restaurant besuchen, sich mit den Kollegen treffen kann. Bereits spürt er aber ebenfalls, dass der Verkehr zunimmt auf den Strassen, sich erste Staus bilden vor dem Gubrist. Auch an den Tankstellen – die er ebenfalls mit Treibstoff versorgt – ziehe der Betrieb nach einem zwischenzeitlichen Einbruch an.

Das Telefon klingelt fast ununterbrochen

Dass die Nachfrage nach Heizöl aussergewöhnlich gross ist, bestätigt Sandro Graf, Leiter Energie, Technik und Entsorgung bei Voegtlin-Meyer. Das Telefon klingle fast ununterbrochen von morgens bis abends. Zwar könnten die Mitarbeitenden bei der Flut an Bestellungen dann und wann an den Anschlag kommen, aber: «Alle ziehen gemeinsam am Karren, zeigen einen enormen Einsatz», stellt Graf zufrieden fest. Zudem sei die Bereitschaft vorhanden, aus bekannten Mustern auszubrechen, sich mit den veränderten Rahmenbedingungen zu arrangieren, sich mit der modernen Technik auseinanderzusetzen.

Um im Büro die Sicherheitsmassnahmen einhalten zu können, sind die Mitarbeitenden auf zwei Teams aufgeteilt worden. Eines arbeitet von zu Hause aus. «Das setzen wir konsequent um», erklärt Graf. Der 28-Jährige hat schon seine Lehre bei Voegtlin-Meyer absolviert. Mittlerweile ist er Mitglied der Geschäftsleitung.

Das 1912 gegründete Familienunternehmen, das ebenfalls Postautolinien betreibt, lege Wert auf den direkten Kundenkontakt mit der persönlichen Beratung sowie den umfassenden, zuvorkommenden Service, fasst Graf zusammen. «An dieser Dienstleistungsqualität arbeiten wir jeden Tag», betont er. «Das macht nicht nur Freude, sondern hebt uns auch von den Mitbewerbern ab.» Mit der Coronakrise sei ein zusätzlicher Ruck durch die Firma gegangen. «Diesen Schwung wollen mir mitnehmen.»

Autor

Michael Hunziker

Michael Hunziker

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