Villnachern
Talentierter Giftmischer: «Ich bindefinitiv kein Chemie-Freak»

Er ist 18 Jahre alt und interessiert sich für Naturwissenschaft. Wie es Kantischüler Janik Hasler an die Chemie-Olympiade in Vietnam geschafft hat und was ihn dort erwartet.

Barbara Schlunegger(Text und Foto)
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Für Janik Hasler und drei weitere Schweizer Jung-Chemiker heisst es im Juli: Vietnam, wir kommen.

Für Janik Hasler und drei weitere Schweizer Jung-Chemiker heisst es im Juli: Vietnam, wir kommen.

Der junge Mann, der zum Interviewtermin in der Mensa der Alten Kantonsschule Aarau erscheint, gleicht so gar nicht dem landläufigen Klischee eines Chemikers. Grünes Poloshirt, breites Lachen beim Händedruck.

Janik Hasler hat die kleinsten Teilchen im Griff. Der junge Villnacher schaffte es an der diesjährigen nationalen Chemie-Olympiade auf den vierten Platz. So hat er sich für die Teilnahme an der internationalen Version des Wettbewerbs in Hanoi, Vietnam, qualifiziert.

Die Chemie-Olympiade ist ein Wettbewerb, der aus einem theoretischen und einem praktischen Teil besteht. Er wird jährlich in zahlreichen Ländern auf der ganzen Welt veranstaltet. Mitmachen können alle Chemie-Interessierten, die unter 20 Jahre alt sind und noch in keiner Universität eingeschrieben sind.

Zur ersten Frage: Wie hat es der 18-Jährige geschafft, aus anfänglich 250 Teilnehmern bis ins Final vorzudringen? Hasler lächelt verschmitzt und zuckt mit den Schultern: «Ich weiss es eigentlich auch nicht.» Ein Chemie-Freak sei er aber definitiv nicht, meint er lachend. Als so langweilig kann der 18-Jährige das Themengebiet aber nicht empfinden – sonst würde er nicht Chemie an der ETH in Zürich studieren wollen. Der Jungforscher interessiert sich generell für Naturwissenschaften. «Es gefällt mir, dass man mit Chemie vieles erklären kann und das Fach eng mit Mathematik und Physik zusammenhängt», erklärt er.

Hasler hätte aber nie gedacht, dass er an der Olympiade so weit kommen würde. «Als ich aus dem Prüfungssaal gekommen war, hätte ich schwören können, dass ich höchstens einen der letzten Plätze belegen werde.» Interessant ist ein Blick auf die Sponsoren des Wettbewerbs: Neben verschiedenen Universitäten ist die Basler Pharma-Industrie wohl nicht ganz zufällig einer der grössten Geldgeber.

«Die reinsten Monster-Aufgaben»

Der Drittkanti-Schüler erklärt, wie der Wettbewerb funktioniert: «Zuerst absolvierten alle Teilnehmenden zu Hause eine Prüfung, in der alle möglichen Hilfsmittel erlaubt sind. Danach kam eine Auswahl der Teilnehmer zur Zentralprüfung in Bern.» Das Finale mit den besten 16 fand schliesslich Anfang April in Zürich statt. Auf die Frage, ob er an der Olympiade mit allerlei bunten Elixieren habe hantieren dürfen, lacht der Villnacher. «Nein, leider nicht. Der meiste Stoff war Theorie und waren Berechnungen», sagt er. Aus der Schweiz haben sich vier Jung-Chemiker für das internationale Finale in Vietnam qualifiziert.

Ende Juli geht dann die Reise los: Hasler und seinen Kollegen steht eine ganze Woche Aufenthalt in Hanoi bevor. Dort wird er sich mit Chemie-Talenten aus der ganzen Welt messen. Worauf freut er sich am meisten? «Da ich noch nie ausserhalb Europas gewesen bin, reizt mich Vietnam als exotisches Land sehr», erzählt er. An sich selbst stellt er hohe Ansprüche. «Ich habe es so weit geschafft; da strebe ich schon eine Medaille an», sagt er. Obwohl die Vorfreude überwiegt: Als Hasler sich die Aufgaben ansah, die das Gastgeberland zur Vorbereitung zur Verfügung stellte, musste er leerschlucken. «Das sind die reinsten Monster-Aufgaben», findet er. Ob er sie trotzdem knacken kann, wird sich im Juli zeigen.