Brugg
Taktik, Geschicklichkeit, Nervenkitzel: Von wegen Bauernkegeln

Kubb ist mehr als ein Spiel und wird immer beliebter – der Kubbclub Wasserschloss ist Schweizer Meister. Der 2014 gegründete Club zählt derzeit 41 Mitglieder.

Pascal Bruhin
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Das Schweizer-Meister-Team Rojatschi um Stefan Obrist (v.) trainiert im Brugger Schachen.

Das Schweizer-Meister-Team Rojatschi um Stefan Obrist (v.) trainiert im Brugger Schachen.

Britta Gut

Zehn Holzblöcke, sechs Wurfstöcke, einen König, ein Spielfeld von 5 mal 8 Meter und zwei bis zwölf Spieler – mehr braucht es nicht, um Kubb zu spielen. Kubb (schwedisch für Holzklotz), im Volksmund auch Wikingerschach oder Bauernkegeln genannt, ist weit mehr als nur «Stöckchenwerfen».

Taktik, Geschicklichkeit, Nervenkitzel – das skandinavische Gesellschaftsspiel erfreut sich auch hierzulande zunehmender Beliebtheit. Dass Kubb auch ein Wettkampfsport und mit einer professionellen Organisation schweizweit vertreten ist, wissen jedoch die wenigsten. «Oft werden wir belächelt, denn viele unterschätzen den Sport. Kubb ist mehr als ein Spiel», sagt Michel Maouhoub, Präsident des Kubbclubs Wasserschloss.

«Kubb macht definitiv süchtig», sagt auch Stefan Obrist, «Tschepetto», so der Spitzname des Vizepräsidenten im Verein. Der 32-jährige Riniker ist seit 2013 dem skandinavischen Volkssport verfallen. Gemeinsam mit seinen Brugger Kollegen Roger Ammann «GJ» (für Goldjunge), 26, und Jacky Suter «Schagg», 29, hat er sich anfangs 2020 zum Team Rojatschi vereint. Im August holten sich die Drei auf Anhieb die Goldmedaille im Team-Wettkampf an der Schweizer Meisterschaft in Frick.

Geselligkeit und Fairness zeichnen den Sport aus

Trotz allem Ehrgeiz, einen Titel zu holen, stehen beim Kubb Geselligkeit und Spass im Mittelpunkt. Ein kühles Bierchen zwischendurch und das gemeinsame Grillieren gehören ebenso dazu wie der Kampf um die Medaillen.

Die Kubb-Community ist sehr offen, Teams werden geschlechter- und altersunabhängig gemischt. Dennoch gibt es bisher nur wenige aktive Frauen. «Frauen sind untervertreten», sagt Jacky Suter, der auch Beisitzer im Verein ist. «Es wäre schön, wenn sich das ändern würde.» Fairness ist beim Kubb übrigens das A und O. Gespielt wird auch an internationalen Turnieren ohne Schiedsrichter.

In den Sommermonaten sind «Tschepetto», «GJ» und «Schagg» sowie weitere Mitglieder täglich auf dem Trainingsgelände, dem Fussballplatz 3 im Brugger Geissenschachen, anzutreffen. Die offizielle Saison dauert jeweils von April bis Oktober. Kubb wird vorwiegend auf Rasen gespielt, kann aber auch auf anderem Untergrund ausgetragen werden. Eines der Highlights des Jahres ist jeweils der Saisonstart auf der Eisbahn beim Campus-Gelände der FHNW Brugg-Windisch. «Im Frühling kribbelt es einen schon richtig in den Fingern, bevor es endlich wieder losgeht», sagt Präsident Maouhoub.

Der Kubbclub Wasserschloss wurde im November 2014 gegründet und zählt derzeit 41 Mitglieder, davon 24 aktive. Präsident ist seit Beginn der 69-jährige Michel Maouhoub aus Remigen. Der gebürtige Marokkaner kam durch Zufall zu seinem Sport. Eigentlich sollte er nur seinen Sohn zu einem Kubb-Turnier fahren und warten, bis dieses fertig war. Aus Langeweile während der Wartezeit griff er selbst zum Wurfstock und fand Gefallen am Spiel.

Schnell ist man auf einem relativ hohen Niveau

«Die Faszination am Kubb ist, dass es so simpel ist. Jeder kann es spielen, egal in welcher körperlichen Verfassung er ist», sagt Jacky Suter. Wichtig sei in erster Linie die Kopfarbeit. «Alles spielt sich im Gehirn ab.» Im Gegensatz zu vielen anderen Sportarten sei man beim Kubb sehr schnell auf einem Niveau, auf dem es auch Spass mache, zu spielen.

Internationale Turniere wie die Europameisterschaften, die dieses Jahr in Weimar hätten stattfinden sollen oder die Weltmeisterschaften, die jährlich auf Gotland in Schweden ausgetragen werden, mussten in diesem Jahr abgesagt werden. Ziel des Teams Rojatschi für dieses Jahr ist es deshalb, die heimische Kubbtour und dann nächstes Jahr die Europa- und Weltmeisterschaften zu gewinnen.

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