Unterwindisch
Tafel an der Reuss erhitzt die Gemüter und trübt das Badevergnügen

Um in der Reuss zu baden, spazieren die Leute an der Ländestrasse über Privatgrundstücke. Dagegen wehrt sich ein Anwohner.

Janine Müller
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Willkommene Abkühlung

Willkommene Abkühlung

Rolf Jenni

Sich im Sommer in der Reuss abkühlen, sich treiben lassen und den Moment geniessen – das machen viele Windischer, je länger, je mehr auch Auswärtige, gerne. Sie lassen sich bis kurz vor das Wehr in Unterwindisch im Fluss treiben. Um wieder aus der Reuss zu gelangen, gibt es bei der Ländestrasse einen Ausstiegspunkt, der auf Gemeindegebiet liegt.

Doch das Badevergnügen wird seit einiger Zeit getrübt, so berichten es jedenfalls einige Reuss-Schwimmer. Um nämlich vom Ausstiegspunkt wieder die Reuss entlang hochzulaufen, führt der Weg über mehrere Privatgrundstücke an der Ländestrasse. Gleich zu Beginn des Wegs ist auf der linken Seite eine Tafel in den Boden geschlagen: «Privat. Kein öffentlicher Durchgang» heisst es darauf.

Anwohner Max Meyer hat sie aufgestellt. Er spricht die Leute auch mal an, wenn sie jeweils bei ihm vor dem Haus durchlaufen, will wissen, wohin sie gehen. Mittlerweile gibt es Schwimmer, die sich nicht mehr getrauen, den Weg wieder hochzulaufen – die ewigen Diskussionen nerven sie. Ihnen ist die Freude am Baden in der Reuss vergangen.

Bis zu 400 Durchgänge

Die Tafel sorgte in den letzten zwei Jahren für ziemlich viel Gesprächsstoff in Unterwindisch und auch für Ärger. Jetzt, in den Sommermonaten, wird es erneut zum Thema. Allerdings: Öffentlich äussern will sich niemand dazu. Denn den Nachbarschaftsfrieden gefährden will in Unterwindisch auch niemand.

Max Meyer hat allerdings seine Gründe, warum er die Tafel aufgestellt hat. «Früher waren es 18 bis 20 Leute aus dem Quartier, die jeweils zum Schwimmen gingen», sagt er. «Das war für mich kein Problem, das habe ich toleriert. Letztes Jahr habe ich an den Wochenenden aber bis zu 400 Durchgänge gezählt. Das ist einfach zu viel.» Er wolle in seinem Gärtli an der Reuss seine Ruhe geniessen. Wenn aber ständig Menschen vorbeigehen, manchmal mit Booten bepackt, sei dies nicht möglich. «Es ist kein öffentlicher Durchgang», betont Max Meyer. «Die Hinterlieger haben das Geh- und Fahrrecht.»

Hier befindet sich der private Weg

Hier befindet sich der private Weg

Aargauer Zeitung

Anwohner hat drei Optionen

Der Brugger Rechtsanwalt und Mediator Markus Leimbacher fungiert als juristischer Berater von Max Meyer. Er sagt deutlich: «Er hat das Recht, den Durchgang zu verbieten. Der Weg befindet sich auf Privatgrundstück. Einzig die Hinterlieger sind berechtigt, den Weg zu nutzen.» Gemäss Leimbacher hat Max Meyer drei Optionen. Erstens kann er eine Tafel aufstellen, die deutlich macht, dass der Weg privat ist. So stellt sich die Situation heute dar. Zweitens könnte der Anwohner einen Schlagbaum oder eine Barriere aufstellen. Dies allerdings würde, je nachdem, die Hinterlieger an der Durchfahrt hindern. Die dritte – und radikalste – Option wäre, dass der Anwohner eine Tafel mit einem richterlichen Verbot aufstellen würde. Dann hätte er auch das Recht, die vorbeigehenden Personen anzuzeigen.

Schwimmer haben eine Option

So weit möchte Max Meyer aber nicht gehen. Er habe keine Lust darauf, die Leute zu kontrollieren. Er wünsche sich schlicht mehr Anstand von den Leuten und Respekt vor der Privatsphäre.

Max Meyer betont immer wieder, dass er sich nicht per se gegen die Reuss-Schwimmer wehrt. «Es ist wunderbar, im Sommer in der Reuss zu baden», sagt er. Er verstehe die Leute ja. Max Meyer führt eine Option für die Badenden vor Augen: «Sie müssten nur über die Brücke bei der Alten Spinnerei gehen und auf der Gebenstorfer Seite am Reussbädli vorbei die Reuss hochlaufen.» Das würde seine Situation verbessern und für die Schwimmer würde sich praktisch nichts ändern.

In der Vergangenheit haben die Quartierbewohner versucht, Max Meyer umzustimmen. Entsprechende Briefe, die im Quartier herumgingen, liegen der az vor. Darin heisst es beispielsweise, dass die Hinterlieger von Max Meyer den Badenden erlauben, ihr Stück Reussuferweg zu benutzen. Das sei ein Missbrauch der Dienstbarkeit, des Wegrechts, meint Max Meyer dazu.