Brugg
Swiss Wushu Crew: Wie Jackie Chan und Jet Li, aber in echt

Jehmsei Keo und seine Wushu-Gruppe wollen am Samstag mit dem Auftritt bei der Castingshow des Schweizer Fernsehens «Die grössten Schweizer Talente» mit ihrer Kampfkunst begeistern und Werbung für ihre Sportart machen. Ob es für den Halbfinal reicht?

Janine Müller
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Wushu – Wie Jackie Chan und Jet Li, aber in echt
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Wushu im Amphitheater in Windisch
Jehmsei Keo, Wushu-Kämpfer, im Amphitheater Windisch
Jehmsei Keo
Jehmsei Keo im Amphitheater Windisch
Jehmsei Keo macht Wushu im Amphitheater in Windisch
Jehmsei Keo in der Brugger Altstadt

Wushu – Wie Jackie Chan und Jet Li, aber in echt

ZVG/Rupa Buchli

Sie wirbeln mit der Leichtigkeit von Balletttänzern akrobatisch durch die Luft. Mit geschmeidigen, präzisen Bewegungen nehmen sie die Bühne ein, fliegen beinahe über den Boden und mimen dabei mit Schwertern und Stöcken einen Kampf gegen einen imaginären Feind. Das ist Wushu. Eine chinesische Kampfkunst mit viel Show-Potenzial; bekannt aus Filmen wie «Kill Bill» oder «Matrix».

Genau davon will der Brugger Jehmsei Keo (27), der in der Wushu Akademie Schweiz in Unterentfelden trainiert und unterrichtet, mit seiner Wushu-Crew profitieren. Der Sohn kambodschanischer Eltern wurde wie so viele durch die Filme von Jet Li und Jackie Chan auf Wushu aufmerksam. «Ich weiss, dass es sehr nach Klischee klingt. Aber als Kind habe ich die asiatischen Filme geliebt.»

Kein traditioneller Auftritt

Für «Die grössten Schweizer Talente», die Castingshow des Schweizer Fernsehens, hat Jehmsei Keo mit Rebecca Beuggert (26), Pascal Dutoit (16) – er trainiert ebenfalls in Unterentfelden – und Jan Giachino (16) eine Show eingeübt. Dabei verlassen sich die Wushu-Kämpfer nicht auf den traditionellen Auftritt des Kampfsports. Nicht mehr. Denn bereits vor einigen Jahren hat Jehmsei Keo bei einem Casting der «Die grössten Schweizer Talente» versucht, die Jury von Wushu zu überzeugen. Doch es hiess: leider nein. Der Auftritt wurde nicht einmal im TV ausgestrahlt. Davon liess sich Jehmsei Keo nicht unterkriegen. Der mehrfache Schweizer Meister bei den Junioren stellte erneut ein Team zusammen.

Der Versuch, urban zu wirken

Gemeinsam hat die Gruppe nun ein Programm, passend zur Musik, zusammengestellt. Und dieses Mal setzen sie nicht auf traditionelle chinesische Kleidung. Adrett, mit schwarzen Hosen, weissen Hemden und Fliege, wollen sie für den Überraschungseffekt sorgen. «Wir versuchen, urbaner zu wirken», erklärt Jehmsei Keo. «Die Kombination aus traditioneller Kampfkunst und moderner Kleidung soll das Publikum und die Jury überzeugen.» Zudem glaubt er, dass die Wushu-Show etwas neuen Wind in das Casting bringt, das von Musikern und Tänzern dominiert wird.

Viel Zeit hatten die Wushu-Kämpfer nicht, um sich auf die Show auf der grossen Bühne vorzubreiten. «Der Fokus liegt trotz allem auf den Wettkämpfen», sagt Jehmsei Keo. Weil diese häufig im Spätherbst stattfinden, meldete sich die Gruppe für das letztmögliche Casting am 18. Dezember an.

Die Swiss Wushu Crew genoss die Stimmung hinter der Kulisse. «Obwohl wir die grösste Zeit mit Warten verbracht haben», verrät er. Das habe Raum für Nervosität gegeben. «Ich selber mag es, wenn ich etwas nervös bin», sagt er. «Das Adrenalin bewirkt, das ich auf der Bühne mehr Energie habe.» Was die Jurymitglieder Christa Rigozzi, Sven Epiney, Gilbert Gress und DJ Bobo zur Show der Wushu Swiss Crew meinten, darf Jehmsei Keo nicht verraten. Auch nicht, ob sie es in den Halbfinal geschafft haben.

Wushu bekannter machen

Ausgestrahlt wird der Auftritt von Jehmsei Keo und Co. am Samstag (20.10 Uhr, SRF 1). Damit haben die Wushu-Kämpfer bereits ein Ziel erreicht. «Wir wollen mit unserem Auftritt dem Publikum zeigen, dass es Wushu gibt und die Menschen dafür begeistern», erklärt Jehmsei Keo die Teilnahme an der Castingshow. «Dadurch erhoffen wir uns in Zukunft mehr Unterstützung und Akzeptanz.» Aus eigener Erfahrung weiss er, wie schwer es ist, in der Schule einen Dispens zu bekommen, wenn ein Wettkampf ansteht. Selbst wenn der ehemalige Kantischüler fünfmal pro Woche trainierte, war seine Sportart weniger angesehen als andere.

Auch die Sponsorensuche gestaltet sich schwierig. Darum soll die Castingshow potenzielle Sponsoren von Wushu überzeugen. Damit hätte sich dann auch der Aufwand, den Jehmsei Keo auf sich nimmt, gelohnt. Die Doppelbelastung von Sport und Beruf ist enorm. Der Marketing-Praktikant steht zurzeit fünfmal pro Woche in der Halle.

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