Lupfig
SVPler vermietet Wohnung an afghanische Asylbewerber – und macht gute Erfahrungen

In der Liegenschaft von SVP-Sekretär Ernst Wüst in Lupfig leben zwei afghanische Familien. Er hat keine Angst, dass diese nicht sorgfältig mit den Räumlichkeiten umgehen.

Claudia Meier
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Das wünschen sich viele: Asylbewerber, die sich dem Leben in der Schweiz anpassen (Symbolbild).

Das wünschen sich viele: Asylbewerber, die sich dem Leben in der Schweiz anpassen (Symbolbild).

Severin Bigler

Die Sozialdemokraten Catarina und Ueli Rüegg aus Windisch kamen vor fünf Jahren der Gemeinde entgegen und vermieteten einer Flüchtlingsfamilie (Status B) eine Wohnung.

Als die Eritreerin mit ihren vier Kindern im Frühling 2017 auszog, waren die Räumlichkeiten in einem desolaten Zustand (Lesen Sie hier). Rüeggs fühlen sich von der Gemeinde im Stich gelassen, weil sie auf 7000 Franken Sanierungskosten sitzen bleiben. Zudem fragen sie sich, warum die Integration der Mutter nicht besser gelang. Nun warnen sie andere Vermieter vor solchen Experimenten.

Eine andere Erfahrung als das Windischer Ehepaar hat SVP-Sekretär Ernst Wüst aus Lupfig gemacht. Er hat die Liegenschaft neben seinem Wohnhaus an der Bahnhofstrasse an die Gemeinde Lupfig vermietet.

Diese hat dort zwei vorläufig aufgenommene Asylbewerber-Ehepaare mit mittlerweile vier Kindern aus Afghanistan eingemietet. «Das Einfamilienhaus verfügt über sechs Zimmer, zwei Duschräume, eine Küche sowie eine Kochnische in einem Wintergarten», sagt der Eigentümer. Früher befanden sich in diesem Haus die Büros seines Haustechnik-Unternehmens. Wüst liess diese nach seiner Pensionierung zurückbauen und das Haus sanieren.

Asylbewerber werden eng betreut

«Den Mietvertrag habe ich mit der Gemeinde Lupfig abgeschlossen. Diese hat mir auch eine Mietkaution bezahlt. Die Monatsmiete ist ortsüblich. Strom und Wasser werden separat abgerechnet», sagt Wüst.

Er hat mit seinen Nachbarn, die von Afghanistan über den Iran in die Schweiz kamen, positive Erfahrungen gemacht. Man grüsst sich, spricht miteinander und die Kinder bereichern das Quartierleben. Angst, dass die Asylbewerber nicht sorgfältig mit den ihnen zur Verfügung gestellten Räumlichkeiten umgehen, hat der ehemalige Gemeinderat nicht: «Ich weiss, wie es im vermieteten Haus aussieht, weil ich für die Unterhaltsarbeiten regelmässig vorbeischaue.»

Der Lupfiger räumt ein, dass er dieses Experiment nur eingegangen ist, weil er wusste, dass sich die Gemeinde um die Betreuung der Asylbewerber bemüht und er bei Problemen auf Unterstützung zählen kann. Betreut werden die Afghanen von der Ehefrau des ehemaligen Gemeindeschreibers.

Michèle Bächli, Verwaltungsleiterin in Lupfig, bestätigt die guten Erfahrungen mit den Familien: «Die Gemeinde steht regelmässig in Kontakt mit den Asylbewerbern als auch mit dem Vermieter. Die bisher gemachten Erfahrungen sind positiv.»

Windisch zahlt manchmal Kaution

Auf die Nachfrage in Windisch, warum denn eine Mietkaution im Fall Rüegg kein Thema war, antwortet Verwaltungsleiter Marco Wächter: «Die Vorgehensweise bei Mietkautionen ist bei der Gemeinde Windisch so, wie es kantonal vorgegeben wird.»

In erster Linie werde die Kaution über Swisscaution sichergestellt. Falls dies nicht möglich ist, könne es sein, dass die Gemeinde die Kaution übernimmt. «Wenn der Vermieter keine Kaution im Mietvertrag vorsieht, stellt sich diese Frage natürlich nicht», so Wächter.

Weniger konkret äussert sich der Verwaltungsleiter zur Frage, ob es im Sinne der Gemeinde Windisch sei, wenn Sozialhilfeempfänger ohne Not in eine teurere Wohnung umziehen. «Der Gemeinderat legt in einer Richtlinie fest, wie viele finanzielle Mittel die Gemeinde einer Person/Familie für die Miete zur Verfügung stellt», erklärt Wächter.

Es sei jedoch der Sozialhilfeempfängerin freigestellt, eine teurere Wohnung zu mieten. Die Gemeinde zahle in diesen Fällen nur den Betrag gemäss Richtlinie. «Eine höhere Miete geht somit zulasten der Sozialhilfeempfängerin», sagt Wächter.

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