Windisch
SVP-Wahlausschuss wird von CVP-Kandidatur überrumpelt

Kurzfristig meldet sich ein CVP-Kandidat für die Windischer Gemeindeammannwahl an. Damit hat die andere Kandidatin von der SVP ihre Liebe Mühe. Trotzdem gibt sie sich kämpferisch und will ihre Kandidatur nicht zurückziehen.

Michael Hunziker
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Heidi Ammon kritisiert die kurzfristige Kandidatur von CVP-Kandidat Heinz Wipfli.

Heidi Ammon kritisiert die kurzfristige Kandidatur von CVP-Kandidat Heinz Wipfli.

Aargauer Zeitung

«Für uns als Verfechter der direkten Demokratie haben wir keine Mühe mit einer echten Wahl», hält der Wahlausschuss der SVP Windisch fest. Gleichzeitig lässt er in einer Mitteilung zwischen den Zeilen durchblicken, dass die Kandidatur von Heinz Wipfli (CVP) als Gemeindeammann, die offenbar in letzter Minute erfolgte, einen etwas schalen Nachgeschmack hinterlässt.

Wipfli: «Fairer Umgang ist wichtig»

Seit Anfang Jahr hat in Windisch der amtierende Vizeammann Heinz Wipfli (CVP) die Stellvertretung für den erkrankten Gemeindeammann Hanspeter Scheiwiler (FDP) inne. Neben seiner Berufstätigkeit habe die Anforderung dieser Stellvertretung stetig zugenommen und die Belastung sei schliesslich zu gross geworden, blickt Wipfli auf die letzten Monate zurück. Aus diesem Grund habe er die Situation während der Sommerferien mit seinem engsten Umfeld besprochen. Wipfli entschied, sein Arbeitspensum zu reduzieren, um die notwendige Zeit und Energie für die Gemeinde aufzuwenden. Damit ergab sich laut Wipfli gleichzeitig die Möglichkeit, als Gemeindeammann zu kandidieren. Die Situation und seine Beweggründe habe er im Gemeinderatskollegium dargelegt, was für ihn wichtig gewesen sei. Für die laufende Arbeit im Gemeinderat sei seine Kandidatur als Gemeindeammann und der Wahlkampf kein Thema, steht für Wipfli fest. «Das darf nicht vermischt werden. Wir arbeiten im Gemeinderat gut zusammen und legen Wert auf die Teamarbeit.» Von Bedeutung sei der faire Umgang – auch im Wahlkampf. «Als Kandidat soll man nicht mit dem Finger auf andere zeigen, sondern die Wertschätzung pflegen und die eigenen Stärken und Qualitäten hervorheben. Darauf kann man aufbauen.» (mhu)

Der Reihe nach: Im Juni war laut Wahlausschuss zu erfahren, dass sich der amtierende Vizeammann Wipfli «aufgrund grosser beruflicher Belastungen» nicht wie ursprünglich angenommen als Gemeindeammann, sondern wieder als Vizeammann zur Verfügung stellen wird. Heidi Ammon (SVP) dagegen sei angegangen worden, sie solle sich eine Kandidatur als Gemeindeammann überlegen.

Ein Tag vor Anmeldeschluss

«Unserer Information zufolge», so der Wahlausschuss weiter, lud SVP-Kandidatin Ammon zu einer offenen Aussprache ein. Nach weiteren Gesprächen habe an der Gemeinderatssitzung vom 5. August für die Bisherigen festgestanden: Heinz Wipfli kandidiert wieder als Vizeammann, Rosi Magon (SP) neu als Vizeammann. Heidi Ammon ihrerseits tritt neu als Gemeindeammann an.

Doch dann, am Abend des 8. August, sei Heidi Ammon von Vizeammann Heinz Wipfli telefonisch darüber informiert worden, dass er ebenfalls als Gemeindeammann kandidieren werde. Anmeldeschluss für Kandidaten war der 9. August.

Heidi Ammon macht auf Anfrage am Telefon keinen Hehl daraus, dass sie von Wipflis Kandidatur ziemlich überrumpelt wurde. «Damit habe ich überhaupt nicht gerechnet», sagt sie rückblickend. Bereits im Juni sei sie von der FDP angefragt worden, ob sie sich eine Kandidatur als Gemeindeammann vorstellen könne. In der Folge habe sie sich intensiv mit diesem Gedanken auseinander gesetzt, habe ihre private und geschäftliche Situation – Heidi Ammon führt eine eigene Kochschule – überdacht. «Schliesslich kam ich zum Schluss, dass ich die nötige Zeit und Energie für dieses Amt aufbringen will und kann.» Zusätzliche Motivation sei gewesen, dass die Zusammensetzung des Gemeinderats stimme und die Nomination der zwei neuen Kandidaten Freude mache.

Als fest stand, dass es beim Sitz des Gemeindeammanns zu einer Kampfwahl kommt, habe sie das Gespräch mit Heinz Wipfli gesucht, sagt Heidi Ammon. «Ich mache nicht gerne die Faust im Sack, sondern bin für eine offene, direkte Kommunikation.» Und sie sei ein Teamplayer. Schliesslich gelte es – Wahlkampf hin oder her – im Gemeinderat die anstehenden Geschäfte auch in Zukunft sachbezogen zu behandeln und zu diskutieren.

«Hat volles Vertrauen verdient»

Für den Wahlausschuss der SVP indes steht fest: «Heidi Ammon hat zuverlässig, kompetent und verantwortungsbewusst die letzten acht Jahre für und im Interesse der Gemeinde Windisch gewirkt.» Neben den Bereichen Finanzen, Steuern, Friedhof und Badi Heumatten sei ihr zusätzlich das Gebiet Standortmarketing zugeteilt worden. Heidi Ammon habe volles Vertrauen verdient, so der Wahlausschuss. Deshalb wird sie am 22. September als Gemeinderat und neu als Gemeindeammann zur Wahl empfohlen.

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