Birr
SVP-Initiative: Da ein Ja, dort ein Nein – warum sagen Birr und Elfingen

Hauchdünn ist die Masseneinwanderungsinitiative am Sonntag angenommen worden. Welches sind im Bezirk Brugg die Unterschiede zwischen einer mittelgrossen Gemeinde mit einem hohen Ausländeranteil und einer kleinen mit einem kleinen?

Elisabeth Feller und Michael Hunziker
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In Birr wurde die Initiative angenommen (unser Bild zeigt die Wyde-Siedlung), in Elfingen hingegen abgelehnt.

In Birr wurde die Initiative angenommen (unser Bild zeigt die Wyde-Siedlung), in Elfingen hingegen abgelehnt.

az-Archiv

Birr mit 4200 Einwohnern weist einen Ausländeranteil von 45 Prozent auf; Elfingen mit 270 Einwohnern einen solchen von 13 Prozent.

In Birr wurde die Masseneinwanderungsinitiative am Sonntag mit 522 Ja-, zu 372 Nein-Stimmen angenommen; in Elfingen standen den 52 Ja-, 63 Nein-Stimmen gegenüber.

Welche Gründe könnten für den Souverän in der Gemeinde Birr – wo seit jeher internationale Firmen wie einst die BBC und heute die Alstom situiert sind – eine Rolle gespielt haben, um die Initiative anzunehmen?

«Kennen die Vor- und Nachteile»

Der Birrer Gemeindeammann Markus Büttikofer verweist zunächst einmal auf den drittgrössten Ausländeranteil im Kanton Aargau. «Wir kennen hier also sämtliche Vor- und Nachteile der Zuwanderung.»

Das Stimmvolk, so der Gemeindeammann weiter, sei stark SVP orientiert und die Parteienlandschaft klar SVP dominiert.

«Vielleicht ist das ein Gegentrend zum hohen Ausländeranteil», mutmasst Büttikofer. Der Gemeindeammann betont, dass «wir in unserer Gemeinde harmonisch miteinander leben».

Diese sei erprobt, «weshalb wohl keine Ängste im Hinblick auf negative Auswirkungen der Zuwanderung auf die Gemeinde bestehen». Aber: «Vielleicht ist auch in Birr die Befürchtung da, dass die Zuwanderung negative Auswirkungen auf das gesamtschweizerische System haben könnte.»

Grundsätzlich, so der Gemeindeammann, bestehe die Ansicht, «dass Birr seine Aufgabe gemacht habe; dass aber die Zuwanderung regional fairer verteilt werden müsste».

«Gemeinde hat Erfahrungswerte»

Als eine der wenigen Gemeinden hat das ländliche Elfingen – das frühere Rebbau- und Kleinbauerndorf – der Masseneinwanderungsinitiative mit 55 Prozent Nein-Stimmen eine Abfuhr erteilt. «Elfingen war aufgrund seiner Grösse in der Vergangenheit schon auf die Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden angewiesen», sagt Gemeindeammann Giovanni Carau.

Als Beispiele der Zusammenarbeit nennt er den Strassenunterhalt oder das Verwaltungszusammenarbeits-Projekt Ligado. Die Gemeinde habe also Erfahrungswerte «und wahrscheinlich auch weniger Bedenken, dass der Bevölkerung etwas weggenommen wird», so der Gemeindeammann. «Das, nehme ich an, ist der Unterschied zu den grösseren Gemeinden vom Oberen Fricktal.»

Er gehe davon aus, fährt Carau fort, dass die Einwohner von Elfingen sich bewusst seien, dass die Bevölkerung und die Wirtschaft auf Auswärtige angewiesen seien – analog der Schweiz und dem grossen Europa. Ein akutes Thema sei die Zuwanderung von Ausländern in Elfingen derzeit jedenfalls nicht, stellt der Gemeindeammann fest. «Das Leben zwischen Schweizern und Ausländern geht problemlos vonstatten. Man kennt sich, grüsst und respektiert sich.»