Lupfig

Suhner AG: Der Vater übergibt an Sohn – der will beim Tempo ein Umdenken

«Ja, natürlich, kann er das besser»: Otto H. über seinen Sohn Jürg E. Suhner.

«Ja, natürlich, kann er das besser»: Otto H. über seinen Sohn Jürg E. Suhner.

Otto H. Suhner hat das Zepter der Suhner AG seinem Sohn Jürg E. Suhner übergeben. Im Interview verraten beide, wie es so weit kam und wie es weitergeht. Das Unternehmen beschäftigt weltweit über 700 Mitarbeitende – im Werk Lupfig sind es 233.

Otto H. Suhner (OHS), welchen Berufstraum hatten Sie als Junge?

OHS: Mein Vater sagte mir: «Hör zu, Junior! Du musst nicht Ingenieur werden wie die letzten drei Generationen. Mach, was dich interessiert, aber . . .» und dann nannte er mir unzählige Berufe, die nicht geeignet waren. Übrig blieb der Beruf des Ingenieurs.

Und das akzeptierten Sie oder wären Sie lieber Lok-Führer geworden?

OHS: Ja, ganz früh wollte ich schon Lok-Führer werden. Ich bin ja an der Bahnlinie in Brugg aufgewachsen und kannte jeden Zug. Aber in der Bezirks- und Kantonsschule reifte der Wunsch, Maschinenbau-Ingenieur ETH zu werden.

Vor 42 Jahren sind Sie als Geschäftsführer in dieses Unternehmen eingestiegen. Wenn Sie zurückblicken, worauf sind Sie besonders stolz?

OHS: Ich glaube auf die Globalisierung. Mein Vater war exportorientiert und ich konnte mithelfen, dass wir heute global ein gutes Fundament haben.

Vier Jahre nach Ihrem Eintritt schaffte die Suhner AG den Sprung über den Atlantik.

OHS: Ja, bereits 1974 gründeten wir eine Niederlassung in den USA, die ich aufgebaut hatte. Während dreier Jahre verbrachte ich jeden Monat eine Woche in Rome im Bundesstaat Georgia.

Wenn Sie nochmals beginnen könnten, was würden Sie jetzt anders machen?

OHS: Ich würde mehr delegieren und nicht mehr so viel selber machen. Die Ferien kamen oft zu kurz.

Glauben Sie, dass das Ihr Junior besser macht?

OHS: Ja, natürlich, kann er das besser.

Jürg E. Suhner (JES), war für Sie immer klar, dass Sie in Vaters Fussstapfen treten werden?

JES: Nein, überhaupt nicht, als Kind wollte ich zuerst Flughafenpolizist und später Forstwart werden. Irgendwann kam ich zum Schluss, dass ich gerne in einer Produktionsfirma arbeiten möchte, die einkauft, produziert und verkauft. Ich habe bei einigen Firmen Erfahrungen gesammelt, bevor ich zur Suhner AG kam.

Das war vor vier Jahren. Seither liefen die Vorbereitungen für die Geschäftsübernahme?

JES: Ja genau, ich war an den Standorten in Frankreich und Italien sowie im Vertrieb, dann beim Vater in der Unternehmensleitung und in der Geschäftsleitung hier in Lupfig tätig.

Worauf haben Sie, OHS, besonders grossen Wert gelegt?

OHS: Ich sage allen jungen Leuten – nicht nur meinem Sohn, sondern auch jenen in unseren Niederlassungen: Es können Fehler passieren, man kann auch mal einen Verlust einfahren oder einen Mist bauen. Wir haben dafür gesorgt, dass die Unternehmungen schuldenfrei sind, bitte versucht, dies beizubehalten. Es braucht Freiraum zum Handeln, so lautet mein Hauptcredo.

Die Suhner AG hat mittlerweile 12 Ländervertretungen im Ausland. Wo sehen Sie noch Wachstumspotenzial?

JES: Ich spreche lieber vom Vorwärtskommen. Das wollen wir unbedingt. Denn Wachstum bedeutet nicht nur immer höheren Umsatz. Der Gewinn wächst ja nicht automatisch mit. Wir decken mit unseren Geschäften etwa zwei Drittel der Weltbevölkerung ab. Das ist nicht schlecht. Nun geht es uns darum, zu verdichten, schneller zu und moderner zu werden.

Welche Märkte sind schwierig?

JES: Wir sind in vier verschiedenen Geschäftsbereichen in Nischenmärkten Qualitätsführer. Die Herausforderung ist, dass dies nicht mehr ausreicht. Bei der Geschwindigkeit müssen wir uns zusätzlich profilieren und das erfordert ein Umdenken.

«Hier fehlt noch der Bohrer. Du musst immer darauf achten, dass die Werkzeuge komplett gezeigt werden», gibt Otto H. Suhner seinem Sohn Jürg E. Suhner als Tipp mit auf den Weg.

«Hier fehlt noch der Bohrer. Du musst immer darauf achten, dass die Werkzeuge komplett gezeigt werden», gibt Otto H. Suhner seinem Sohn Jürg E. Suhner als Tipp mit auf den Weg.

Finden Sie genügend Fachkräfte?

JES: Das ist im Moment kein Problem, denn wir haben wirklich gute Leute. Arbeitswille wird bei mir sogar eher höher gewichtet als Fachwissen, weil man sich das jederzeit noch aneignen kann.

OHS: Diese Einschätzung kann ich nur unterstreichen.

Was unterscheidet Sie am meisten voneinander?

OHS: Zwischen uns liegen 33 Jahre Altersunterschied. Jürg, lass uns die Antwort vom Militär her ableiten! Ich war über 20 Jahre lang Kadi in einer leichten Flieger-Abwehreinheit und du bist Kadi bei den Grenadieren und der Infanterie. Bei mir kamen die Gegner aus der Luft und ich musste in Sekundenbruchteilen entscheiden nach dem Motto «Zuerst schiessen, dann zielen». Bei dir nähert sich der Gegner am Boden langsam an. Hier gilt die Devise «Zuerst zielen, dann schiessen».

Sehen Sie, JES, das auch so?

JES: Ja, aber es gibt weitere Unterschiede beim Umfeld. Für mich steht das Produkt und das Unternehmen im Zentrum und weniger die Politik. Das hat sicher auch damit zu tun, dass ich von der Lebensmittelbranche kam und als Quereinsteiger hier mehr als genug zu tun habe.

OHS: Bis ich etwa 47 Jahre alt war, interessierte mich die Politik auch nicht, Jürg. 1992 ärgerte ich mich aber dermassen über den kümmerlichen Auftritt der Schweiz an der Weltausstellung in Sevilla. Daraufhin begann ich, mich politisch zu engagieren.

Am Standort Lupfig wollen Sie festhalten; das zeigen die Bauprofile hinter der Werkhalle. Wie wichtig sind für die Exportfirma Suhner AG das Hightechzentrum Aargau und der Campus der Fachhochschule Nordwestschweiz?

OHS: Wir leben in einer Super-Region und nutzen viele Synergien. Es gibt Studierende, die bei uns ihre Abschlussarbeit machen.

JES: Und wir haben auch Angestellte, die dort studieren oder Weiterbildungen besuchen.

Die Suhner AG hat mittlerweile 12 Ländervertretungen im Ausland.

Die Suhner AG hat mittlerweile 12 Ländervertretungen im Ausland.

Könnten Sie sich vorstellen, im Campussaal einen Kongress durchzuführen?

OHS: (zögert) Ja, grundsätzlich schon. Wir haben uns aber auch selber arrangiert und verfügen über gute Demo-Räumlichkeiten hier in Lupfig, in Bad Säckingen und beim Kabelwerk Brugg. Mit Bewirtungsmöglichkeiten. Für Veranstaltungen bis 100 Personen sind wir also total unabhängig.

Der frühere Standort der Suhner AG im Triangel an der Aarauerstrasse in Brugg steht seit einem Jahr leer.

OHS: Dort habe ich seit dem 1. Juli mein Büro.

Es wird gemunkelt, dass dort einmal ein Oldtimer-Museum entsteht. Stimmt das?

OHS: Das sehen wir dann. Sie, ich muss zuerst ein Pult kaufen, den Maler kommen lassen und einen Telefonanschluss einrichten!

Werden Sie sich völlig aus der Öffentlichkeit zurückziehen?

OHS: Nein, ich bleibe Verwaltungsratspräsident der Suhner AG und werde meine Post regelmässig in Lupfig holen. Aber ich freue mich schon darauf, endlich mal für mich alleine arbeiten zu können, denn ich habe noch einige Projekte am Laufen. An meinen ausserberuflichen Engagements und Verwaltungsratsmandaten werde ich vorläufig festhalten.

Haben Sie keine Befürchtungen, dass Ihnen der Vater ständig auf die Finger klopfen wird?

JES: Ich kann das überhaupt nicht beurteilen, denn seit dem 1. Juli herrscht hier aufgrund der Jubiläumsfeierlichkeiten so etwas wie Ausnahmezustand.

Ihr zweiter Vorname wird immer abgekürzt. Wofür steht eigentlich das H. hinter Otto und das E. hinter Jürg?

OHS: Damit die Leute mich von meinem Grossvater und Firmengründer Otto Suhner unterscheiden können, habe ich das H. eingefügt. Es steht für Hermann.

JES: (lacht) Ich will die Spannung noch ein bisschen aufrechterhalten.

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