Der Stadtrat will am kommenden Freitagabend an der Einwohnerratssitzung einen Pflock einschlagen. «Sie wollen den Interessensbeitrag für den Bau der Südwestumfahrung Brugg (K 128) von 4,41 Millionen Franken zuzüglich Teuerung ab April 2010 zuhanden der Urnenabstimmung bewilligen», lautet der Antrag des zweifellos gewichtigsten Traktandums dieser Sitzung an den Einwohnerrat.

«Der Kanton investiert»

Der Kanton Aargau will mit Beteiligung der Stadt Brugg, der Gemeinde Windisch, der SBB und den anliegenden Industriebetrieben den Verkehr in und um Brugg lenken und besser koordinieren. Geplant ist eine neue Umfahrungsstrasse, welche die Ortseingänge von Brugg aus der Richtung Hausen und aus der Richtung Schinznach-Bad verbindet. Mit Kreiseln und einer neuen Zufahrt soll nicht zuletzt das Industriequartier gegenüber dem Westquartier optimal erschlossen und so aufgewertet werden (siehe unten). «Das ist eine Chance für uns», sagt Stadtammann Daniel Moser, «der Kanton investiert in unsere Region, da müssen wir mitmachen.» Die Südwestumfahrung ist Voraussetzung für das nächste Projekt, die Nordumfahrung Windisch. Mit deren Eröffnung soll dann der Zentrumsverkehr spürbar abnehmen. Aus den letzten Worten des Antrags geht bereits hervor: Definitiv ist der Entscheid, den der Einwohnerrat für das Projekt treffen wird, nicht. Die Vorlage muss auch bei einem Ja vors Volk, weil der beantragte Bruttokredit die Kompetenzsumme des Einwohnerrats von 2,5 Millionen Franken übersteigt. Die Urnenabstimmung ist auf den 23.September angesetzt.

Dennoch setzt das Geschäft im Einwohnerrat ein starkes Zeichen für den weiteren Verlauf des 47-Millionen-Projekts. Die Stimmungen rund um das verkehrsplanerische Grossprojekt sind unterschiedlich: Die Linke kündigt an, man werden die Vorlage nicht unterstützen: «Die K128 wird nicht die gewünschte Entlastung der Nord-Süd Achse im Zentrum bringen», schreibt die SP. Sie bemängelt auch, dass der Pflichtanteil von 1,5 Millionen Franken nicht getrennt vom freiwilligen Beitrag beantragt werde.

Wie die Grünen, so ist auch der VCS Aargau der Meinung, dass das Projekt schon im Gesamtkonzept krankt. Micha Siegrist, Geschäftsführer, kritisiert die «nachfrageorientierte Strategie des Kantons», wenn es um Strassenbau gehe. «Immer wenn wir irgendwo überlastet sind, bauen wir neue Strassen.» Davon müsse man wegkommen. Gescheiter wäre es, raumplanerisch weniger Verkehr zu erzeugen und den öffentlichen Verkehr zu stärken.

Die Fahrt über die Habsburgerstrasse im jetzigen Zustand.

Die Fahrt über die Habsburgerstrasse im jetzigen Zustand.

Wenn das Brugger Parlament zur Südwestumfahrung Nein sagt, entscheidet der Stadtrat anhand des Resultats, ob und in welcher Form er die Vorlage noch vors Volk bringen wird. Allenfalls müsste das Projekt Südwestumfahrung in weiteren Verhandlungen mit dem Kanton angepasst werden. Windisch muss über seinen Anteil nicht abstimmen, da die Gemeinde lediglich einen Dekretsanteil (Pflicht) von rund 800000 Franken zahlen muss.

Anwohner sind dafür

Über die Planungsreife, die das Projekt bereits erreicht hat, konnte sich die Öffentlichkeit an Informationsveranstaltungen auf Brugger und auf Windischer Seite informieren. Dabei sind Planungsdetails bekannt geworden (siehe unten). Fragt man in den Wohnquartieren nach, vor allem im betroffenen Rütenen, zeigen sich die Bewohner optimistisch, dass dereinst die Habsburgstrasse für den Durchgangsverkehr gesperrt wird (Teilprojekt). Der Brugger Stadtrat ist der Meinung, mit der Umfahrung werde das Zentrum entlastet, und die Stadt sei als «kantonaler Entwicklungsschwerpunkt» von aussen besser erreichbar.

Einwohnerratssitzung: Fr. 22.6., 19.30 Uhr, Rathaussaal.