Die Zentren Brugg und Windisch vom Durchgangsverkehr zu entlasten, ist seit Jahrzehnten das Ziel der Verkehrsplaner. Im Juni 2013 – vor über drei Jahren also – wurde die Südwestumfahrung Brugg mit über 68 Prozent Ja-Stimmen vom Aargauer Stimmvolk angenommen. Dieses deutliche Resultat überraschte damals sogar die Befürworter.

Gegen das 46,45 Mio. Franken teure Strassenbauprojekt gingen danach im Rahmen der öffentlichen Auflage bis Ende 2014 insgesamt 27 Einwendungen ein. So äusserten sich etwa die Kantonalsektionen der drei Umweltverbände WWF, VCS und Birdlife – mit der jeweiligen Unterstützung des schweizerischen Verbands – kritisch zum Vorhaben.

Nun wurde bekannt, dass der Regierungsrat Ende Oktober 2016 sämtliche noch offenen Einwendungen entschieden respektive abgewiesen hat. «In vielen Fällen konnte vorgängig eine Einigung erzielt werden», betont Giovanni Leardini, Sprecher des kantonalen Departements Bau, Verkehr und Umwelt (BVU).

Frist läuft bis zum 4. Dezember

Die Regierungsratsbeschlüsse zu den Einwendungen seien den betroffenen Parteien mitgeteilt worden, fährt Leardini fort. Nun läuft bis zum 4. Dezember eine weitere Beschwerdefrist. Einsprecher können sich beim Verwaltungsgericht melden, wenn sie mit dem Entscheid des Regierungsrats nicht zufrieden sind. «Das BVU erfährt erst nach Ablauf dieser Frist, ob Beschwerden eingegangen sind», sagt Leardini.

Wie sieht es bei den Umweltverbänden aus, die sich vor allem an der gewählten Linienführung stören, die das Bauland schone und deshalb «sehr viel Natur» zerstören würde? Ziehen die Umweltschützer die Einsprache weiter? Tonja Zürcher vom WWF Aargau sagt dazu: «Wir prüfen derzeit den Entscheid des Regierungsrats. Noch ist bei uns nicht klar, wie es weitergeht.»

Mit der geplanten Südwestumfahrung soll der Durchgangsverkehr vom westlichen Aaretal direkt zum A3-Anschluss Brugg respektive ins Birrfeld geführt werden. Als Hauptmassnahme werden die Verkehrsströme im Bereich eines neuen Kreisels Brugg West über den Süd- und West-Ast Richtung A3-Anschluss geführt. Zusätzlich entsteht eine neue Verbindung sowie auf der Kreuzung Aarauerstrasse ein breiterer, mit Barrieren und Lichtsignalanlage gesicherter Bahnübergang, sodass er mit Lastwagen befahren werden kann. Der heutige SBB-Bahnübergang Unterwerkstrasse wird abgebrochen und steht nur noch dem Langsamverkehr zur Verfügung.

Baustart nicht vor Sommer 2018

Und wann fahren dann endlich die Bagger auf, falls beim Verwaltungsgericht bis zum 4. Dezember keine Beschwerden mehr eingehen sollten? BVU-Sprecher Giovanni Leardini sagt: «Der weitere Fahrplan ist rein theoretisch. Falls keine Beschwerden eingehen, werden die oben erwähnten Einwendungsbeschlüsse des Regierungsrats rechtskräftig.» Das bedeute de facto, dass die Bewilligung vorliegt, so Leardini weiter. «Danach könnte mit dem Ausführungsprojekt und den Landerwerbs-Verhandlungen begonnen werden.» Mit dem eigentlichen Baubeginn sei frühestens im Sommer 2018 zu rechnen, sagt der BVU-Sprecher. Ursprünglich war von einem Baustart im Frühling 2016 die Rede.

Als die Stimmbürger im Juni 2013 über die Südwestumfahrung abstimmten, gingen sie von einem umfassenden Massnahmenpaket inklusive Nordumfahrung Windisch, Verkehrsmanagement sowie dem Bau des Baldeggtunnels aus. In der Zwischenzeit wurde die Planung des Baldeggtunnels verworfen und für das Projekt Ostaargauer Strassenentwicklung (OASE) wurden neue Varianten mit einem Zeithorizont bis 2040 geprüft. Bis dann sollte die Südwestumfahrung Brugg in Betrieb sein.