Bözberg

Suche nach geeignetem Standort für Atomendlager: Gleich zwei Bohrungen in Bözberg

Ab 2020 wird gebohrt in der Region Jura Ost: So präsentiert sich der Bohrplatz in Trüllikon im Kanton Zürich.

Ab 2020 wird gebohrt in der Region Jura Ost: So präsentiert sich der Bohrplatz in Trüllikon im Kanton Zürich.

Wo werden die radioaktiven Abfälle gelagert? Die von der Nagra durchgeführten Sondierungen sollen Aufschluss geben über den Untergrund.

Für die Suche nach einem Standort für ein Tiefenlager für radioaktive Abfälle im Gebiet Jura Ost wird der Untergrund gleich an zwei Stellen untersucht in Bözberg. Wie die erste, wird auch die zweite Sondierbohrung in der Gemeinde durchgeführt, gibt die Nagra bekannt, die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle.

Der Bohrplatz «Bözberg 2» befindet sich am Waldrand in Oberbözberg in der Nähe der Landwirtschaftsbetriebe Riedacker und Äbertsmatt. «Der Bau des Bohrplatzes erfolgt, sobald das Wetter es zulässt», teilt die Nagra mit. «Das kann noch dieses Jahr, aber auch erst Anfang 2020 sein. Bohrstart ist frühestens im Sommer 2020.»

Weiter fortgeschritten sind die Arbeiten beim Bohrplatz «Bözberg 1» in der Nähe der Weiler Ursprung und Vierlinden. Derzeit laufen die Vorbereitungen, die Bohrung startet voraussichtlich bereits im nächsten Frühling.

Drei Bewilligungen für Bohrungen sind rechtskräftig

Insgesamt 23 Gesuche für Tiefbohrungen hat die Nagra eingereicht in den Standortregionen Jura Ost, Nördlich Lägern sowie Zürich Nordost – in den Bezirken Brugg und Laufenburg sind es acht Gesuche in fünf Gemeinden. Neben «Bözberg 1» und «Bözberg 2» ist die Bewilligung rechtskräftig für «Effingen 1». Die Bewilligung erteilt hat das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) für «Remigen 1» sowie «Zeihen». Für «Riniken» ist eine Beschwerde hängig (die AZ berichtete). «Effingen 2» und «Remigen 2» sind gemäss Uvek in Bearbeitung.

Wie viele Bohrungen tatsächlich durchgeführt werden müssen, um das geologische Gesamtbild zu vervollständigen, hängt laut Nagra von den Ergebnissen ab. «Es ist nicht geplant, alle 23 Bohrungen durchzuführen.»

In der Region Jura Ost existieren bereits Daten einer früheren Tiefbohrung in Riniken, sagt Nagra-Sprecher Felix Glauser auf Anfrage. Diese frühere Bohrung sowie die aktuellen Bohrungen «Bözberg 1» und «Bözberg 2» seien rund um die potenzielle Lagerzone im Untergrund angeordnet. «Dadurch kann der Überblick der geologischen Verhältnisse der Region am besten ergänzt werden.»

Für die Bevölkerung steht ein Pavillon zur Verfügung

Betreffend Zufahrt zum Bohrplatz «Bözberg 2» befinde sich die Nagra noch in Absprache mit der Gemeinde sowie dem Kanton, antwortet Glauser auf die Frage nach den notwendigen Vorbereitungen. Für die Stromversorgung des Bohrplatzes sei das AEW zuständig. Im Zusammenhang mit der aktuell laufenden Erdverkabelung in diesem Gebiet – auf einem Abschnitt wird die bestehende Freileitung in den Boden verlegt – könne ebenfalls die Stromversorgung des Bohrplatzes erfolgen.

Der Bau des Bohrplatzes sowie der Betrieb führen zu einem grösseren Verkehrsaufkommen sowie Lärmemissionen, ist sich Nagra-Sprecher Glauser bewusst. Besonderes geachtet werde auf die Vermeidung, respektive Eindämmung dieser Emissionen. «Dabei können wir auch von unserem Know-how der bereits durchgeführten Bohrungen profitieren.»

Für die lokale Bevölkerung wird beim Bohrplatz ein Besucherpavillon mit Aussichtsplattform eingerichtet. Bei Fragen und Anliegen von Anwohnern und weiteren Interessierten ist rund um die Uhr eine Gratis-Hotline in Betrieb unter 0800 437 333.

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