Das ist nicht zum Hingucken. Am liebsten würde man zur Leinwand fliegen und von dort den betagten, weisshaarigen Mann runterholen, dessen Arbeit am Webstuhl so mühselig erscheint. Dann würde auch dieses zwar nicht eben laute, aber gleichwohl enervierende Geräusch aufhören.

Wer oder was ist Verursacher desselbigen? Eine Haspel. Normalerweise hat eine solche im Cinema Odeon nichts verloren. Diesmal schon, ist sie doch Bestandteil eines Sammelsuriums, zu dem etwa Klavier, Akkordeon, Keyboard, Gitarre sowie Schlag- und Blasinstrumente gehören.

Damit erzeugt Markus Dürrenberger Musik und Geräusche, die er für den Stummfilm «Die Weber» (1927) massgeschneidert hat. Der Multiinstrumentalist aus dem Appenzell gastierte schon einmal im Odeon mit dem Stummfilm «Sunrise»: «Wer Dürrenberger damals erlebt hat, wird seine Vertonung nicht so schnell vergessen», sagt Stephan Filati, zuständig für das Odeon-Kinoprogramm.

Publikum ist begeistert

Filati setzt regelmässig auf Stummfilme: «Sie passen wunderbar an einen Ort, der einst ein Stummfilmtheater war.» Perfekt passen jetzt auch «Die Weber» ins Odeon. Der Bezug zur nahen, einstigen Spinnerei Kunz in Unterwindisch ist gegeben, was auch fast alle Besucherinnen und Besucher betonen, die ins Odeon strömen. Viele von ihnen sind dem Stummfilm mit seinen schwarz-weissen, aussagekräftigen Bildern auf den Geschmack gekommen.

Markus Dürrenberger steht im Foyer und heisst jeden Neuankömmling mit Neugier willkommen. Seine Arbeit – und eine solche ist die Live-Begleitung des 90-minütigen Stummfilm – wird anstrengend sein. Da braucht es zuvor eine Aufwärmrunde. Plötzlich ist der Musiker verschwunden – die Vorstellung wird in Kürze beginnen; die letzten Besucher hasten ins Parkett.

Nach Filatis Begrüssung erlischt das Licht langsam – auf der Leinwand erscheinen Gesichter und kurze Erklärungen dazu. Was sehen wir? Fabrikant Dreissiger – ein unsympathischer Mann, der die Weber unterjocht. Schlimm, schlimm.

Oben flimmern die in der digitalisierten Fassung taufrisch wirkenden Bilder – 24 pro Sekunde – vorüber; unten, in der linken Ecke auf der Bühne, brummt, grummelt, wispert, seufzt, ächzt und scheppert es in allen nur erdenklich normalen oder künstlichen Tönen und Geräuschen.

Und schliesslich singt der Urheber all dessen auch noch. Gibt es etwas, was der Mann nicht kann? Im Nu hat der Multiinstrumentalist sein Publikum erobert. Das Urteil in der Pause ist klar: «Fantastisch, toll, genial.» Schliesslich bringt ein Fan auf den Punkt, was wohl alle denken: Markus Dürrenberger muss wiederkommen.