Windisch
Studierende verfügen über Frischluft-Klassenzimmer vor dem Campus

Studierende der Pädagogischen Fachhochschule FHNW erreichen eine Fülle von Lernorten innert Minuten. Lernorte sind ein «gefundenes Fressen» für Studierende, um sich zu fragen: «Was und wie kann ich als Erwachsener hier lernen?»

Elisabeth Feller
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Lernorte rund um den Campus der FHNW in Brugg-Windisch
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Schloss Habsburg ist ein beliebtes Ausflugsziel. Bis die neue Pächterin kommt, wird noch einiges im Schlossrestaurant renoviert. Alex Spichale
Spiegelschafe beim Bauernhof neben der Klosterkirche in Königsfelden.
Die Klosterkirche Königsfelden mit ihren Fenstern ist ein geschichtsträchtiger Ort sondergleichen.

Lernorte rund um den Campus der FHNW in Brugg-Windisch

Alex Spichale

Studierende der Pädagogischen Hochschule FHNW haben es gut. Sie sind nahe beim Bahnhof Brugg und einer Umgebung, die landschaftlich und historisch ihresgleichen sucht.

«Und das», betont Elke Hildebrandt, «ist für die Lehrerbildung ein unschätzbarer Vorteil.» Die Leiterin der Professur für Unterrichtsentwicklung in der Vorschul- und Primarstufe spricht begeistert von Lernorten in unmittelbarer Nähe der Römer und Habsburger sowie von Geografie und Biologie – live im Naturschutzgebiet Wasserschloss.

Die Studierenden finden Unterrichtsorte und beliebte Exkursionsziele somit vor der Tür des Campus. Welche andere Pädagogische Hochschule in der Schweiz kann das schon von sich behaupten?

Sie vergleichen und ordnen

Weshalb sind Lernorte so wichtig? Elke Hildebrandt, selbst während Jahren Primarlehrerin an diversen Schulen, weiss, wie wichtig es ist, Kindern Erfahrungen zu ermöglichen – und das nicht nur im Klassenzimmer, sondern auch ausserhalb.

«Kinder», sagt Elke Hildebrandt, «sind neugierig und gute Beobachter. Sie wollen Orte selbst erkunden; das gibt ihnen Gelegenheit, dass sie vergleichen und ordnen lernen.»

Solches erfordert eine wache, sensible, professionelle Begleitung. Studierende suchen deswegen Lernorte auf, um sich in die Kinderwelt einzufühlen, Erfahrungen zu sammeln, eigene Lernprozesse zu durchleben sowie aus Lern- und Lehrperspektive zu reflektieren: Das alles, um später im Unterricht die Selbst- und Sachkompetenz der Kinder zu wecken und zu unterstützen.

«Kinder», unterstreicht Elke Hildebrandt, «sollen – abgestimmt auf individuelle Interessen und Fähigkeiten – gefördert und gefordert werden.»

Lernorte, zumal, wenn sie ganz nahe beim Campus liegen, sind ein «gefundenes Fressen» für Studierende, um sich etwa zu fragen: «Was und wie kann ich als Erwachsener hier lernen?»

Beispiel Wasserschloss

Wie können Kinder hier Erfahrungen sammeln? Welche Begleitung bräuchten sie dabei durch die Lehrperson, um optimal lernen zu können?»

Elke Hildebrandt verweist auf einige Beispiele: etwa das Wasserschloss Brugg, wo Aare, Reuss und Limmat zusammenfliessen. «Man lernt eine einzigartige Landschaft kennen und lernt dabei zugleich, dass es sich um einen Verkehrsknotenpunkt handelt.

Was bedeutet dieser?» Auch die Klosterkirche Königsfelden und das gesamte Areal, das von der Psychiatrischen Klinik mitbestimmt wird, ist ein weiterer attraktiver Lernort.

Elke Hildebrandt erwähnt in diesem Zusammenhang den Schweizer Conrad Ferdinand Meyer, der während 15 Monaten Patient in der Klinik war. Der Autor war von der Geschichte des Klosters fasziniert, was sich in seinem Gedicht «Frau Agnes und ihre Nonnen» spiegelt.

Der Brunnen im Park wiederum findet Niederschlag in Meyers Gedichten «Springquell» und «Der römische Brunnen».

Wenn die Platane erzählen könnte

Von «historischem, exemplarischem Lernen» spricht Elke Hildebrandt und kommt auf das zu sprechen, was auf den ersten Blick nichts mit der Klostergeschichte zu tun hat: Die riesige Platane, die lediglich einige Schritte vom Bauernhof mit seinen Tieren entfernt ist.

Was hat ein Baum mit Geschichte zu tun? «Stellen Sie sich vor, was sich im Laufe der Jahrhunderte vor ihm abgespielt hat. Könnte er sprechen, hätte er viel zu erzählen – eine wunderbare Anregung für kreatives Schreiben.»

Wer Elke Hildebrandt zuhört, merkt, wie sehr in der Vorschul- und Primarstufe die Grundlagen für lebenslanges Lernen gelegt sind.

Ausserschulische Lernorte ausserhalb des Klassenzimmers sind aus Sicht der Professorin unverzichtbarer Bestandteil eines erfahrungs- und lebensweltorientierten Unterrichts.

Hätte sie einen Wunsch frei, würde sie sich ein «ausserschulisches Klassenzimmer mit Sitzplätzen im Park» wünschen.

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