Brugg-Windisch

Studenten finden heraus: So sind die Gemeinden im Bezirk Brugg verstrickt

Elf Gemeinden haben die Studierende in einer Arbeit analysiert. Sie alle besuchen die Hochschule für Wirtschaft an der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) in Brugg-Windisch.

Wie sind die Gemeinden im Bezirk Brugg miteinander verstrickt? Wer spannt mit wem in welcher Form zusammen, um beispielsweise Aufgaben rund um Sicherheit, Gesundheit oder Bildung kostengünstig und effizient zu lösen? Diesen Fragen sind die vier Studierenden Oliver Etterli, Biljana Jovanovic, Sandra Lüthold und Kenneth Moosmann von der Hochschule für Wirtschaft an der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) in Brugg-Windisch nachgegangen.

Dozent Adrian Deubelbeiss hat sie bei der Arbeit begleitet. Den Auftrag dazu erhielten sie vom Verein «region brugg jetzt». Der im Jahr 2003 ins Leben gerufene überparteiliche Verein möchte die Bevölkerung der Region über Sachthemen informieren, Impulse geben und politische Diskussionen anregen.

Lupfig: Zusammenarbeit in 39 Fällen

Einen Überblick über die komplexe Vernetzung unter den Gemeinden zu gewinnen, ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Jeder der vier Wirtschaftsstudierenden hat zwischen 200 und 250 Stunden in diese Studienarbeit investiert. Alle Gemeinden im Bezirk Brugg zu untersuchen, hätte den Rahmen des Projekts gesprengt. Also beschränkte man sich nach Rücksprache mit dem Auftraggeber auf elf Gemeinden.

Diese sind: Brugg, Windisch, Hausen, Habsburg, Mülligen, Birr, Birrhard, Lupfig, Scherz, Riniken und Bözberg. Grundlage bildete die laufende Rechnung aus dem Jahr 2013. Bei der Analyse ging es nicht etwa um die Erarbeitung von Optimierungspotenzialen, sondern um die Bestandesaufnahme und Ausprägung der interkommunalen Zusammenarbeit.

Das Herzstück der Arbeit ist eine virtuelle Karte, die sämtliche Zusammenarbeitsformen jeder einzelnen Gemeinde aufzeigt, gefolgt von einer Beurteilung des demokratischen Mitspracherechts innerhalb der bestehenden überkommunalen Kooperation. Anhand verschiedener Ballungskarten wird schliesslich veranschaulicht, wie viel des gesamten interkommunalen Aufwands aller elf Gemeinden einer spezifischen Gemeinde als Abgeltung zufliesst.

Behördenvertreter und Verwaltungsangestellte der involvierten Gemeinden sind beeindruckt von dieser schematischen Darstellung, die für Aussenstehende auf den ersten Blick nicht ohne weitere Erklärungen zu verstehen ist. Dabei gibt es grosse Unterschiede zwischen den Gemeinden: Die Stadt Brugg beispielsweise arbeitet in 16 Bereichen mit anderen Kommunen zusammen, Habsburg in 23 und die Gemeinde Lupfig sogar in 39 Bereichen.

Letztere ist somit die grösste Leistungseinkäuferin. Ammann Richard Plüss aus Lupfig sagt dazu: «Ich hatte nie das Gefühl, dass wir überreguliert sind. Bisher haben wir gut damit gelebt.» Yvonne Reichlin-Zobrist, Leiterin Gemeindeabteilung Kanton Aargau, weist daraufhin, dass viele Gemeinden bei der Aufgabenerfüllung an ihre Leistungsgrenze gelangen. Sie schätzt, dass über alle Gemeinden im Aargau mehrere Hundert Verträge bestehen. Einen genauen Überblick habe der Kanton nicht, so Reichlin.

Interesse, die Karte auszubauen

Klar ist, dass die Intensität der Zusammenarbeit und die Bedeutung der regionalen Zusammenarbeit zunehmen werden. Die Arbeit der FHNW-Studierenden führt daher unweigerlich zur Diskussion, ob nicht Fusionen die Zusammenarbeit vereinfachen würden. Reichlin betont: «Fusionen müssen von unten angestossen werden. Wir haben keine geheime Karte mit weiteren Fusionsgemeinden.»

Ob Zusammenschluss oder Zusammenarbeit, die Kooperation unter den Gemeinden ist nicht in Stein gemeisselt und wird laufend neu ausgelotet. Der Verein «region brugg jetzt» will dieses Thema jedenfalls weiterverfolgen – vielleicht an einer Podiumsdiskussion. Diese Karte sei eine Marktlücke, sagt Markus Zumsteg vom Vorstand. Die FHNW will Hand bieten, dieses Instrument mit neuen Daten zu füttern, damit weitere Gemeinden davon profitieren könnten.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1