Bauarbeiter in leuchtend gelber und oranger Kleidung eilen über das weitläufige Gelände, Baggermotoren dröhnen, Lastwagen fahren zu und weg. Die Tätigkeiten an der sogenannten Teilverkabelung am «Gäbihübel» laufen auf Hochtouren.

Beim Übergangsbauwerk Nord steht der Pneukran an diesem Vormittag, hievt die Stahlträger für die Abspannportale in die Höhe. In einigen Metern Entfernung auf der anderen Seite sind weitere Bauarbeiter am Werk – hier aber in 2 Meter Tiefe. Im gegen 5 Meter breiten Graben, der sich quer über das Feld zieht, erstellen sie die beiden Kabelrohrblöcke.

Im Gebiet Bözberg/Riniken kommt die 380-Kilovolt-Stromleitung auf einem Abschnitt von 1,3 Kilometern in den Boden. Für die Swissgrid als Eigentümerin des Schweizer Höchstspannungsnetzes handelt es sich um eine Premiere. Grund genug, zu einer Baustellenführung einzuladen am prächtig sonnigen Mittwoch. Neben den Medienvertretern anwesend waren Bözbergs Gemeindeammann Therese Brändli sowie Konrad Vögele von der Einsprechergemeinschaft Akut.

Das Wetter sorgte für beste Laune bei den Bauverantwortlichen. Die Arbeiten kommen zügig voran bei den derzeit herrschenden Bedingungen, wie Jan Schenk von der Swissgrid-Projektkommunikation feststellte. Diese Aussage bestätige Gerhard Hauser, Bauleiter der zuständigen Firma Erne. «Wir sind gut im Programm.» Ebenfalls erfreulich sei, dass noch kein Unfall verzeichnet werden musste. Swissgrid, betonte er, lege grossen Wert auf die Sicherheit der Baustelle.

Es gab Einsprachen

Verläuft alles reibungslos, werden Mitte Jahr die insgesamt 12 Kabel eingezogen. Deren Gesamtgewicht beträgt rund 380 Tonnen. Ende 2020 soll die neue Leitung in Betrieb gehen. Danach kann die alte 220-Kilovolt-Freileitung zwischen Rüfenach und Habsburg demontiert werden. Die Gesamtkosten sind auf 34 Mio. Franken veranschlagt.

Das aussergewöhnliche Vorhaben hat eine lange Vorgeschichte. Die ersten Pläne für den Ausbau der Leitung zwischen Beznau und Birr reichen bis in die Achtzigerjahre zurück. Ziel der Spannungserhöhung ist es, die Netzinfrastruktur zu stärken und damit die Versorgung langfristig zu sichern. Gegen die verschiedenen Freileitungsvarianten gab es allerdings immer wieder Einsprachen. 2011 entschied das Bundesgericht, dass am «Gäbihübel» ein Teilverkabelungsprojekt auszuarbeiten sei. 2013 reichte Swissgrid beim Bundesamt für Energie ein Teilverkabelungsprojekt ein. Der Spatenstich erfolgte im August des letzten Jahres.

An den beiden Enden des unterirdischen Abschnitts werden die Übergangsbauwerke errichtet, um Erdkabel und Freileitung zu verbinden. Dieser Bau sei anspruchsvoll, erklärte Sandro Dinser, verantwortlich für die Technik Leitungen bei Swissgrid. Er verwies auf die Dimensionen: Die Bauten beanspruchen je ungefähr die Fläche eines Eishockeyfeldes. Im Norden im Gebiet «Pfaffenfirst» mitten im Wald galt es, viel Erdmaterial abzutragen, im Süden im Bereich «Untere Stockacker» liegt das Übergangsbauwerk direkt an der SBB-Bözbergstrecke. Die Eisenbahnlinie muss – als weitere Herausforderung – mit zwei Tunnels unterquert werden.

Besucherzentrum ist geplant

Das Projekt «Gäbihübel», lautete das Fazit, macht die Chancen und Herausforderungen einer Verkabelung im Übertragungsnetz sichtbar und liefert den Beteiligten technische und wissenschaftliche Erkenntnisse. Aufgezeigt werden die Einflüsse auf Landschaftsbild und Umwelt genauso wie die Auswirkungen auf Kosten und Technik. Im Betrieb werden sich die Kabel und damit auch der Boden erwärmen, wenn viel Strom fliesst, führte Dinser weiter aus. An verschiedenen Stellen wird Swissgrid die Temperatur messen mit Sensoren. Die elektrischen Felder werden aufgefangen, die räumliche Ausdehnung des Magnetfeldes sei geringer als bei Freileitungen.

Um die Erkenntnisse zu Bau, Betrieb und Instandhaltung von Erdkabeln der Öffentlichkeit präsentieren zu können, ist im Gebiet «Spitz» im Ortsteil Hafen ein Besucherzentrum geplant. Dieses soll bis Mitte Jahr eingerichtet und auf Anmeldung geführt zu besichtigen sein.