Brugg
Strittig: Welches ist die richtige Grenze zwischen Brugg und Windisch?

Exakt heute vor 150 Jahren hat die Brugger Gemeindeversammlung den Landhandel mit Windisch genehmigt. Zuvor kam es zwischen den beiden Gemeinden immer wieder zu Streitereien um die Grenzen.

Titus J. Meier*
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Die umstrittenen Grenzen zwischen Brugg und Windisch. Blau ist das «Burgerziel», die eigentliche Stadtgrenze, rot die «Ehefäde» und grün die Grenze nach dem Landhandel vom 30. Dezember 1863. ZVG

Die umstrittenen Grenzen zwischen Brugg und Windisch. Blau ist das «Burgerziel», die eigentliche Stadtgrenze, rot die «Ehefäde» und grün die Grenze nach dem Landhandel vom 30. Dezember 1863. ZVG

Heute vor 150 Jahren stimmten die Brugger Stimmbürger mit grossem Mehr dem stadträtlichen Antrag zu, für 25 000 Franken rund 42,25 Hektaren Land von der Gemeinde Windisch zu erwerben und die Brugger Stadtgrenze über den Bahnhof hinaus in Richtung Süden zu verschieben.

Damit fand ein jahrelanger Streit zwischen den beiden Gemeinden ein Ende, der schon seit dem Mittelalter von Zeit zu Zeit schwelte.

Im Mittelpunkt stand jeweils die Frage, welches die richtige Grenze zwischen Brugg und Windisch sei. Vom Windischer Standpunkt aus gab es keine Zweifel: die richtige Grenze sei das «Burgerziel», das sich in durchschnittlich 150 Meter Abstand um die Stadtmauer zog.

Die Brugger hingegen vertraten die Ansicht, dass die weiter gezogenen «Ehefäden» die eigentliche Gemeindegrenze bilde. Das Gebiet zwischen dem «Burgerziel» und den «Ehefäden» bildete einen landwirtschaftlichen Sonderbezirk, innerhalb dessen die Brugger Bürger ihre eingezäunten Wiesen und Bünten besassen.

Der Regierungsrat entschied

Kam es zu Handänderungen innerhalb der «Ehefäde», so konnte der Stadtrat diese verbriefen – sofern Käufer und Verkäufer Brugger Bürger waren. Die wenigen Menschen, die in diesem Gebiet lebten, gehörten rechtlich jedoch zu Windisch.

Im 19. Jahrhundert setzte sich die Auffassung durch, dass zwei verschiedene Gemeindegrenzen nicht mehr zeitgemäss seien.

Da sich die beiden Gemeinderäte trotz jahrelangem Streit nicht einigen konnten, dekretierte der Regierungsrat am 10. Dezember 1856, dass von nun an das «Burgerziel» die Gemeindegrenze darstelle.

Damit war klar, dass der zwei Monate zuvor eingeweihte Bahnhof auf Windischer und nicht auf Brugger Boden stand. Zum Leidwesen der Windischer hiess die Station trotzdem «Brugg».

Windisch befürchtete, dass die Brugger eines Tages daraus territoriale Ansprüche ableiten würden und bemühte sich vergebens um eine Namensänderung. Im November 1863 nahm der Stadtrat mit dem Gemeinderat Kontakt auf und signalisierte, dass die Stadt gewillt sei, das umstrittene Territorium käuflich zu erwerben.

Bruggs Verzicht

Am 2. Dezember 1863 wählte die Windischer Gemeindeversammlung eine dreiköpfige Kommission, die am 7. Dezember mit der Brugger Delegation zusammenkam. Rasch war man sich in den Grundzügen einig.

Um den erfolgreichen Abschluss der Verhandlungen nicht zu gefährden, verzichtete Brugg auf die Durchsetzung seiner Gebietswünsche im Bereich des heutigen Campus.

Am 28. Dezember 1863 stimmte die Windischer Bürgerversammlung dem Vertrag zu und am 30. Dezember auch die Brugger Gemeindeversammlung. Damit grenzte Brugg erstmals direkt an Altenburg an. Seither kam es nur noch 1911 zu einer grösseren Anpassung der Gemeindegrenze, als die Stadt das Gaswerkareal erwarb.

Weiterführende Literatur: Max Baumann. Geschichte von Windisch.

*Titus J. Meier ist Historiker, lebt in Brugg

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