Bezirksgericht Brugg

Streit zwischen Nachbarinnen eskalierte: Mit einer Eisenstange schlug sie gegen das Partyzelt

Wegen Lärm ist unter Nachbarn ein Streit ausgebrochen, der vor Gericht endete. (Symbolbild)

Wegen Lärm ist unter Nachbarn ein Streit ausgebrochen, der vor Gericht endete. (Symbolbild)

Eine 62-Jährige muss sich wegen diverser Vorwürfe vor dem Bezirksgericht Brugg verantworten. Es geht um einen Konflikt mit ihrer 37-jährigen Nachbarin. Die ältere bestreitet dabei alle Vorwürfe.

Leben und leben lassen ... ist nicht möglich für zwei Nachbarparteien in einem beschaulichen Dorf im Bezirk Brugg. Kaum hatte eine heute 37-jährige Frau mit ihrem Partner ihr Haus bezogen, kam es zu Streitereien mit Sarah (Name geändert), die in der gegenüberliegenden Liegenschaft wohnt. Kürzlich stand die mittlerweile 62-Jährige als Beschuldigte vor dem Bezirksgericht Brugg. Versuchte einfache Körperverletzung, Sachbeschädigung, Drohung, Beschimpfung und Tätlichkeiten wurden ihr als strafbare Handlungen zur Last gelegt.

Eskaliert ist die Situation an einem Samstag im April 2018. Die wegen Lärm aufgebrachte Sarah, ist der Anklageschrift zu entnehmen, tauchte am späten Abend am Gartenzaun auf. Mit einer Eisenstange schlug sie gegen das Partyzelt, in dem ihre Nachbarin mit einer Kollegin am Tisch sass, und durchbohrte die Wand. Auch habe Sarah die jüngere Frau als «fette Sau mit hängenden Eutern» tituliert.

Im Juli des gleichen Jahres soll die Beschuldigte ihr weiter gesagt haben, dass sie langsam auf ihre «Saugofen» und – gemeint waren die Hunde – «Drecks­viecher» aufpassen müsse. Später im gleichen Monat kam es gemäss Anklageschrift zu einer Rangelei zwischen Sarah und dem Partner ihrer Nachbarin. Die Beschuldigte habe mit Händen und Füssen um sich geschlagen und die Brille des Mannes getroffen.

Die Nachbarinnen gehen einander aus dem Weg

Sie sei seit ihrem Einzug beschimpft und bedroht worden, sagte die jüngere Nachbarin, die Geschädigte, vor dem Bezirksgericht. Der beschuldigten Sarah gehe sie aus dem Weg. Für die Befragung wurde sie per Mikrofon und Lautsprecher aus dem Nebenraum zugeschaltet. Alle Details könne sie nicht mehr nennen, räumte sie gegenüber Gerichtspräsidentin Susanne Humbel ein. Erinnern konnte sie sich aber an Schreie und an Sarah, die über den Holzzaun mit einer Eisenstange auf das etwa zwei Meter entfernte Zeltdach schlug.

Ihre damalige Kollegin sagte als Zeugin aus. Sie schilderte, wie Sarah mit einer Eisenstange herumfuchtelte und den Kopf ihrer Kollegin «relativ knapp» verfehlte. Wer beim Streit was genau gesagt habe – «beide lärmten sich an» –, wusste sie nicht mehr mit Bestimmtheit. Sie habe ihrer Kollegin gesagt, sie soll die Polizei rufen, was diese dann auch tat.

Sarah dagegen konnte sich nicht erklären, warum ihre jüngere Nachbarin die Polizei gerufen hat. Die Hausfrau und zweifache Mutter bestritt die Vorwürfe, kehrte den Spiess um: Ihre Nachbarn hätten sie massiv angegriffen. Ebenfalls dementierte Sarah, dass es zu Beleidigungen und Beschimpfungen ihrerseits gekommen war. Das habe sie nicht gesagt, antwortete sie auf die Frage von Einzelrichterin Humbel zum Vorfall im Juli 2018. «Das ist nicht meine Redensart.» Seit dem Gerangel mit dem Partner ihrer Nachbarin – sie habe sich gegen seinen Angriff gewehrt – habe sie mit Atemproblemen zu kämpfen.

Gericht glaubt der Geschädigten und Zeugin

Sarahs Verteidigerin bezeichnete die Aussagen der beiden jüngeren Frauen als widersprüchlich oder gar falsch, sprach von unklaren Vorkommnissen, erheblichen Zweifeln und fehlenden Beweisen, kurz: von unhaltbaren Vorwürfen. Sie forderte einen Freispruch auf der ganzen Linie.

Das Gericht kam indes zu einem anderen Schluss, erachtete die Aussagen der Geschädigten und der Zeugin als glaubhaft. Die Beschuldigte wurde verurteilt zu einer bedingten Geldstrafe von 120 Tagessätzen à 30 Franken sowie einer Busse von 900 Franken. Für die beschädigte Zeltwand muss sie mit einem Betrag von Fr. 85.10 aufkommen. Fraglich bleibt, ob sich die beiden Parteien zum letzten Mal begegnet sind vor Gericht. Denn der Partner ihrer Nachbarin, hielt die Beschuldigte in ihrem letzten Wort fest, habe bereits «ein weiteres Verfahren angezettelt».

Autor

Michael Hunziker

Michael Hunziker

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