Papier ist bekanntlich geduldig. Für die Windischer Gemeindepräsidentin Heidi Ammon ist es deshalb wichtig, die Leitsätze zur Gemeindeentwicklung nicht nur schriftlich festzuhalten, sondern am Ende der Legislatur auch Bilanz zu ziehen. «Um zu sehen, was wirklich erreicht worden ist», wie sie an einem Medientermin zusammen mit Gemeindeschreiber André Gigandet betonte.

In der Legislatur 2014–17, lautete ihr Fazit, «konnten viele der Zielsetzungen erreicht werden, was den Gemeinderat wie auch die Verwaltung freut». Oft sei die ganze Energie gefragt gewesen, habe es Partner gebraucht. Gleichzeitig räumten Ammon und Gigandet ein, dass teilweise die finanziellen und – vor allem 2017 – die personellen Ressourcen fehlten, um wichtige Projekte weiter voranzutreiben.

Insbesondere erwähnten sie den Bereich der regionalen Zusammenarbeit. In der Bewertung des Gemeinderats heisst es denn auch, dass die Gemeinden der Region wenig Interesse zeigen, Möglichkeiten zur regionalen Zusammenarbeit auszuloten. «Begründet ist dieser Trend durch die stetig knapper werdenden finanziellen Mittel der öffentlichen Hand.» Als weitere Wermutstropfen bezeichneten Heidi Ammon und André Gigandet die «unzureichenden Dienstleistungen» im Bereich Kindes- und Erwachsenenschutzdienst (KESD) im Gemeindeverband «Soziale Dienstleistungen Region Brugg».

Ebenfalls gescheitert seien der Aufbau der regionalen Jugendarbeit sowie des Treffpunkts Integration – weil die Finanzierung nicht habe breiter abgestützt werden können.

Lösung bei den Schulgeldern

Aufgegangen ist laut Ammon und Gigandet auf der anderen Seite dagegen die Strategie des Aufbruchs. Der Zuwachs von Einwohnern, beziehungsweise Steuerpflichtigen, habe der Gemeinde über die letzten vier Jahre nachhaltige Mehrerträge von rund 2,7 Mio. Franken gebracht. Anders ausgedrückt: «Die Steuerkraft hat sich im Verlauf der Legislatur sehr gut entwickelt.» Ungebremst gestiegen seien allerdings ebenfalls die gebunden Kosten, die den Gemeinden vom Kanton auf die Augen gedrückt werden.

Positiv heraus sticht neben der wirtschaftlichen Entwicklung – entstanden sind Vollzeitstellen und angesiedelt haben sich neue Unternehmen – auch der Schulbereich, fügten Heidi Ammon und André Gigandet an. Die regionale Zusammenarbeit der Oberstufe der Volksschule konnte vertraglich gesichert werden. Nach längerer Zeit habe das Verständnis der Partnergemeinden gewonnen und eine Lösung gefunden werden können bei den Schulgeldern. Diese seien nun durch neue Leistungsvereinbarungen inklusive Abschreibungs- und Finanzierungsaufwendungen und ohne Standortgunst kostendeckend. Auch der Musikunterricht werde durch neue Leistungsvereinbarungen mit Nachbargemeinden koordiniert und rege genutzt. Es seien einige Punkte bereinigt, viel erreicht worden.

Erfreulich seien überdies die Sanierung und der Ausbau der Sanavita AG, mit dem Wechsel vom Alters- zum Pflegeheim samt dem Angebot von modernen Miet-Appartements. Weit über die Region bekannt ist zudem das reiche kulturelle Erbe von Windisch – mit der mehr als 2000-jährigen Geschichte, die geprägt wurde von Kelten, Römern, Habsburgern und Eidgenossen. Der Bekanntheitsgrad konnte erhöht werden, dieser Bereich habe sich etabliert, freuten sich Ammon und Gigandet. Der Legionärspfad, nannten sie ein Beispiel, steigerte die Besucherzahl seit 2014 um 27 Prozent auf 44 421 und es wurde die neue Station «Heiligtum» eröffnet. Die Geschichte erhalte die nötige Aufmerksamkeit, aber die Entwicklung werde dennoch zugelassen, fasste die Gemeindepräsidentin zusammen.

Gemeinderat geht in Klausur

Apropos Entwicklung: Beschäftigen werden in Zukunft der Schulbereich – Stichwort Schulraumplanung mit der Bereitstellung der Infrastruktur für zeitgemässe Unterrichtsformen – sowie die Revision der Bau- und Nutzungsordnung zusammen mit der Stadt Brugg. Die Fertigstellung hat sich wegen vieler Eingaben in der Mitwirkung verzögert, was eine Kostenüberschreitung zur Folge hat.

Anfang März wird der Gemeinderat eine Klausur abhalten und sich mit den Legislaturzielen 2018–21 sowie der Finanzstrategie befassen. Geplant ist, die Ziele anlässlich der Einwohnerratssitzung im Juni zu präsentieren.