Brugg
Stiftungsrat des Roten Hauses: «Aus dem Haus wird keine Kirche»

Die Stiftung Rotes Haus präsentiert Pläne für die geschichtsträchtige Liegenschaft – da und dort bleibt aber Skepsis

Michael Hunziker
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Die Stiftung Rotes Haus Brugg möchte die ganze, markante Liegenschaft kaufen.

Die Stiftung Rotes Haus Brugg möchte die ganze, markante Liegenschaft kaufen.

Michael Hunziker

Das «Rote Haus» in Brugg hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Jetzt schlägt die Stiftung Rotes Haus Brugg ein neues Kapitel auf. Sie will die gesamte Liegenschaft erwerben und modernisieren (die az berichtete). Entstehen soll ein vielfältig nutzbares, wirtschaftlich selbsttragendes Haus der Begegnung.

Der Auftrag lässt sich in drei Bereiche gliedern

Die Stiftung Rotes Haus Brugg hat bereits einen grossen Teil der zentral gelegenen,
geschichtsträchtigen Liegenschaft gekauft: Hotel, Restaurant, Bar und eine Wohnung. Sie hat die Absicht, den Rest etappenweise ebenfalls zu übernehmen und die Räumlichkeiten zu renovieren.

Die 2013 gegründete Stiftung verfolgt nach eigenen Angaben gemeinnützige Ziele und stellt die Bedürfnisse der Menschen ins Zentrum ihrer Aktivitäten – ungeachtet von ethnischer oder sozialer Herkunft. Ihren Auftrag gliedert die Stiftung in drei Bereiche: Einerseits stellt sie die Räume und Einrichtungen des Restaurants und Hotels gegen Miete zur Verfügung. Für den Hotel-Betrieb zeichnet seit 2014 übrigens die Hotel Rotes Haus Brugg AG verantwortlich. Zweitens, so der Auftrag der Stiftung, bieten das Hotel und das Restaurant einige Arbeitsplätze für Menschen an, die keine Ausbildung geniessen oder abschliessen konnten. In Zusammenarbeit mit der Stiftung Wendepunkt werden begleitete Praktikumsplätze geschaffen, unter anderem im Bereich Hauswirtschaft. Ziel ist es, die Menschen in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren. Ein erster Praktikumsplatz ist bereits realisiert worden. Unter dem Titel «Der Auftrag am Menschen» ist drittens die 2009 ins Leben gerufene Heilbar im «Roten Haus» zu finden. Durch verschiedene, niederschwellige Angebote wie Beratung, Coaching, Seelsorge, Massage und Schulungen sollen Menschen aus schwierigen Situationen zurück zu Lebensfreude finden, führt die Stiftung aus. «Wir haben ein offenes Ohr für Menschen in Not und in Krisen», präzisiert Stiftungsrat Thomas Neukomm. Und angesprochen auf den religiösen Hintergrund fügt er an: «Die Fragen rund um die Gottesbeziehung sind selbstverständlich ein wichtiger Bestandteil dieser Tätigkeit.»

Damit die Stiftung ihre Vision verwirklichen kann, ist sie auf der Suche nach Investoren. Gefragt sind Spenden, Schenkungen, Legate oder langfristige Darlehen (Aargauische Kantonalbank Brugg; IBAN: CH16 0076 1505 5930 8200 1). (mhu)

Die Pläne – die Stiftung spricht von einer Vision – sind an einem Informations-Apéro auf reges Interesse gestossen. Viele Dutzend Interessierte fanden sich am Dienstagabend ein im Saal im ersten Stock. Genau in diesem Saal also, den der derzeitige Besitzer an die Freikirche ICF vermietet hat und den die Stiftung Rotes Haus Brugg ebenfalls kaufen sowie für verschiedene Anlässe und Aktivitäten zur Verfügung stellen möchte – für die Stadt, für die Bürgerinnen und Bürger sowie für Vereine oder Firmen. Die heutige Situation mit insgesamt vier Eigentümern im «Roten Haus» sei für niemanden befriedigend, sagte Thomas Neukomm, Stiftungsrat und Hotel-Geschäftsleiter.

Ein solcher Saal fehlt

Neukomm betonte, dass es sich um ein komplexes Vorhaben handle und noch einige Fragen offen seien. Weil das «Rote Haus» aber nicht zur denkmalgeschützten Ruine werden soll, lohne es sich, über die Zukunft des markanten Gebäudes nachzudenken. Es brauche engagierte Personen.

Dieser Aussage stimmte Stadtammann Daniel Moser zu. Es sei wichtig, was mit dem ehrenwerten Haus passiere, stellte er fest. «Das ‹Rote Haus› war immer ein Treffpunkt und soll wieder zu dem werden, was es verdient.» Das Restaurant sei ein Aushängeschild, das Hotel-Angebot von Bedeutung und ein Saal in dieser Grösse fehle definitiv in Brugg, stellte Moser fest.

Stiftungsratspräsident Hans Keller erinnerte daran, dass schon viel Einsatz geleistet wurde – und auch viel Geduld gefragt war. Das Haus habe ihn schon lange beeindruckt. Ein erstes Projekt, die verschiedenen Teile zu einem Ganzen zusammenzuführen, entstand Ende der Neunzigerjahre. 2005 wurden die Pläne im Stadthaus präsentiert. Aus seiner christlichen Grundhaltung machte Keller kein Geheimnis. Die Stiftung wolle, betonte er, in erster Linie dem Menschen dienen. Dessen Wohl stehe im Mittelpunkt.

In der Heilbar, führten Keller und Neukomm aus, könnten auf freiwilliger Basis verschiedene Angebote genutzt werden. «Das ist aber nur ein kleiner Bereich.» Im Restaurant und Hotel gehe es darum, dass sich die Gäste willkommen und wohl fühlen – und dem «Roten Haus» gerne wieder einen Besuch abstatten. Stiftungsrätin Nicole Schindler hob hervor: «Wir wollen etwas Sinnvolles machen, von dem viele profitieren können.» Das Geld, sagte sie an die Adresse von möglichen Investoren, sei gut angelegt.

Mehrere Millionen nötig

Apropos: Der Finanzierungsbedarf war ein Thema in der Fragerunde. Konkrete Zahlen konnte der Stiftungsrat nicht nennen, weil das Konzept noch nicht abgeschlossen sei. Fest stehe aber, dass für den Kauf und die Modernisierung der Räumlichkeiten mehrere Millionen Franken benötigt würden. Der Zeitplan sei offen und hänge nicht zuletzt von der finanziellen Situation ab. Ein Engagement der Stadt, sagte Stadtammann Daniel Moser auf die entsprechende Frage, sei im Moment nicht die Absicht. Es sei zwar ein gutes Projekt, aber: «Wir haben bereits genug Lasten zu tragen.» Wesentlich sei, ergänzte der Stadtammann, dass ein neutrales, offenes Haus entstehe. Weder die Gesinnung noch der Glaube sollen seiner Meinung nach im Vordergrund stehen.

Auf ihren religiösen Hintergrund wurden die Stiftungsräte mehrmals angesprochen. «Aus dem Haus wird keine Kirche», versicherte Neukomm. «Wir ermutigen die Menschen, selber zu denken.» Hinter der Stiftung, antwortete er auf Nachfrage, stehe weder eine Institution noch eine Sekte. Und auch wenn die Stiftung die gleichen Grundwerte habe wie die Freikirche ICF und ein Austausch stattfinde, bedeute dies nicht, dass eine Verschmelzung angestrebt werde. Ein Anwesender brach eine Lanze für den Stiftungsrat: Trotz offensichtlicher Bedenken habe er Vertrauen, dass die Verantwortlichen das Beste wollen. Es sei merkwürdig, fügte er an, vor einer christlichen Grundhaltung Angst zu haben.