In Stresssituationen werden sie gewalttätig, sie schlagen sich den Kopf blutig, zerreissen sich die Kleider – die Menschen, die in der Stiftung Faro betreut werden, fallen mit sogenanntem «stark herausforderndem Verhalten» auf. Die meisten Klienten haben einen langen Leidensweg hinter sich, durchzogen mit Aufenthalten in der Psychiatrie.

Diese Menschen bringen mit ihrem Verhalten Angehörige und Institutionen an ihre Grenzen. Viele werden aufgrund ihres Verhaltens aus Wohnheimen weggewiesen, beispielsweise nach einem Gewaltausbruch. Viele werden von der Aussenwelt isoliert, haben Erfahrungen mit Fixation oder starken Medikamenten gemacht.

Hier kommt die Stiftung Faro ins Spiel. Seit Herbst 2015 gibt es im Wohnheim Sternbild auf dem Areal der Psychiatrischen Klinik in Königsfelden eine Wohngruppe für vier Klienten mit stark herausforderndem Verhalten. Drei Männer und eine Frau werden auf dieser Gruppe intensiv betreut. Nun soll am 1. Juni die zweite derartige Wohngruppe eröffnet werden. Bis ins Jahr 2020 sollen noch zwei weitere dazukommen. Die Umbauarbeiten für die zweite Wohngruppe sind bald abgeschlossen und damit auch eine Zeit, die von Unruhe geprägt war. Denn die Klienten brauchen straffe Strukturen, Unvorhergesehenes bringt Schwierigkeiten mit sich. Entsprechend gut musste das Personal die Klienten auf den Umbau vorbereiten.

«Information war wichtig», erklärt Markus Stalder, Leiter des Wohnheims Sternbild. «Wir haben mit einfacher Sprache und Piktogrammen gearbeitet.» Zudem habe man geschaut, dass die Arbeiter möglichst wenig in den Wohnbereich hineindringen. «Das war einfach zu bewerkstelligen. Der Zugang zur Baustelle erfolgte über die Terrasse», so Stalder. «Wir sind froh, dass wir mit Unternehmen zusammenarbeiten konnten, die schon Erfahrungen in ähnlichen Institutionen gemacht haben.»

Die Infrastruktur übernimmt einen wichtigen Part im Gefüge der Wohngruppe. Ist diese optimal am Alltag angepasst, kann sie viel zum guten Zusammenleben beitragen. Dank dem Umbau verfügt nun jedes Einzelzimmer über eine abschliessbare Nasszelle.

Fluchtwege sind optimiert

Zudem wurden die Fluchtwege für die Mitarbeitenden optimiert. Eine Neuerung sind die sogenannten Kontakttüren. Sie ermöglichen einen visuellen, akustischen aber auch physischen Kontakt, selbst wenn die Tür geschlossen ist. Diese Türen sind nun überall eingebaut. Besonders wertvoll sind sie beim Time-out-Raum, in dem ein Klient vorübergehend eingeschlossen werden kann, und auch bei den Einzelzimmern. Dank der Kontakttür weiss der Bewohner, dass er gehört wird, wenn er ein Problem hat. Und die Mitarbeitenden haben im Gegenzug eine gute Übersicht über ihre Klienten.

Auch die Küchensituation ist neu gelöst. Die Küche ist nun geschlossen und abschliessbar. Das dient ebenfalls der Sicherheit. Damit die interessierten Klienten aber beim Kochen zuschauen können – «das ist von einigen die Lieblingsbeschäftigung», sagt Christine Seiler, Leiterin der Wohngruppe – wurde eine grosse Fensterscheibe in die Wand eingelassen, die den Blick auf die ganze Küche frei gibt.

Die Erfahrungen aus der ersten Wohngruppe zeigen: «Unsere Klienten sind grundsätzlich ruhiger geworden, die Aggression nimmt ab», sagt Wohngruppenleiterin Christine Seiler. «Nach knapp einem Dreivierteljahr haben sie gute Fortschritte gemacht.» Ziel ist es, dass die Bewohner irgendwann in eine normale Wohngruppe wechseln können. Bis dahin braucht es aber noch viel Zeit und Geduld. «Auf jeden Fall soll die Intensiv-Betreuung nicht die Endstation sein», so Seiler.