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Steuerprognose im Bezirk Brugg für 2016: Heiter bis wolkig

Die Steuerfüsse bleiben weitgehend stabil – das war nicht immer so, wie 50 Jahre Geschichte zeigen.

Lukas Scherrer
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Wie sieht die Steuerbelastung im Bezirk Brugg aus? Klicken Sie sich durch unsere interaktive Grafik (unten)

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Die «Gmeinden» haben entschieden, die Budgets für 2016 sind allesamt verabschiedet – inklusive der Steuerfüsse für das kommende Jahr. Zwar unterstehen die Beschlüsse noch dem fakultativen Referendum. Bei den Gemeinden in der Region Brugg dürfte dieser Vorbehalt allerdings zu vernachlässigen sein. Denn ein Blick auf die 25 Ortschaften des Bezirks zeigt: Die Steuerbelastung bleibt 2016 für die Bevölkerung weitgehend stabil.

Mit einer Ausnahme haben alle Brugger Gemeinden ihre Budgets mit einem unveränderten Steuerfuss durchgewinkt. Lediglich in Auenstein, dem 1500-Seelen-Dorf am Aareufer, fällt die Steuerrechnung der Einwohner 2016 teurer aus als in den vergangenen Jahren. An der Gemeindeversammlung vom 20. November haben die Stimmbürger der Steuerfusserhöhung um 4 Prozent zugestimmt. Damit nehmen sie im kommenden Jahr eine Steuerbelastung von neu 96 Prozent in Kauf.

Verschuldung wegen Schulhaus

Stein des Anstosses für die Steuererhöhung in Auenstein ist das neue Schulgebäude, das sich seit letztem Frühjahr im Bau befindet und schon nächsten Sommer bezugsbereit sein soll. Kostenpunkt: rund 5,5 Millionen Franken. «So viel Geld hat nicht jede Gemeinde auf der hohen Kante», erklärt Bruno Willi, Leiter Abteilung Finanzen der Gemeindeverwaltung Auenstein. «Die Aufnahme des Baukredits hat zu einer höheren Verschuldung der Gemeinde geführt, die es nun wieder aufzufangen gilt.»

Dies leuchte auch den Auensteiner Bürgern ein, wie Willi weiter ausführt. So habe es an der Budgetgemeindeversammlung Mitte November keinerlei Widerstand aus der Bevölkerung gegen die geplante Steuerfusserhöhung gegeben. Ob es bei der einmaligen Erhöhung der Steuerbelastung bleibt oder ob 2017 die nächste folgt, steht indes noch in den Sternen. «Das kommende Jahr werden wir mit den zusätzlichen Steuerprozenten aber sicher stemmen können», so Willi.

Beim Kanton hält man sich mit Aussagen zur Steuerentwicklung in den kommenden Jahren noch zurück. «Nach dem heutigen Stand lässt sich kein Trend nach Steuererhöhungen erkennen», erklärt Markus Urech, Leiter Gemeindeinspektorat des kantonalen Departements Volkswirtschaft und Inneres (DVI). Weil derzeit aber in mehreren Ortschaften des Bezirks Schulhäuser gebaut oder Kredite für andere Bauvorhaben diskutiert würden, sei nicht auszuschliessen, dass den betreffenden Gemeinden in den kommenden Jahren eine Steuererhöhung ins Haus steht.

Steuerfüsse damals und heute

Ein vertiefter Blick in die Zahlen zeigt nicht nur, wo im Bezirk heute die Steuerparadiese liegen, sondern auch, wie sich die Steuerfüsse in den einzelnen Gemeinden in den letzten Jahren und Jahrzehnten entwickelt haben. Irritierend wirken dabei vor allem die teilweise immensen Spannweiten zwischen den niedrigsten und den höchsten Steuertarifen.

So liegt heute beispielsweise die Steuerbelastung in der kleinen Gemeinde Mönthal bei moderaten 110 Prozent, während sie vor 50 Jahren bei stolzen 190 Steuerprozenten lag. In Remigen, der etwas grösseren Nachbarsgemeinde im Osten, klafft dieser Unterschied sogar noch gewaltiger. 190 Prozent um 1965, günstige 98 heute – eine Differenz von 92 Steuerprozenten.

Was Laien verwirrt, ist für Markus Urech leicht mit der Struktur der Steuerpflichtigen in den verschiedenen Gemeinden zu erklären. «Ortschaften mit einer grossen Spanne zwischen dem niedrigsten und dem höchsten Steuerfuss hatten damals meist nur wenige Einwohner mit geringen Einkommen und Vermögen», so der Steuerexperte. Der Zuzug neuer Einwohner und das Wachstum der Steuerkraft der Bürger sorgten für den stetigen Rückgang der Steuerfüsse im Bezirk. Am deutlichsten zeigt dies der Mittelwert der Gemeindesteuerfüsse im Laufe der Zeit. Lag der Wert 1965 noch bei 159,1 Steuerprozenten, so sank er bis 1995 auf 115,1 und steht heute bei 107,5.