Mit knapp 40 Personen war der Informationsabend der Gemeinden Auenstein und Veltheim am Mittwoch zur Erweiterung des Steinbruchs Jakobsberg/Egg schwach besucht. Der Auensteiner Vizeammann Ernst Joho äusserte Bedauern ob des geringen Interesses an diesem wichtigen Thema. Dafür nutzten die Anwesenden die Gelegenheit und löcherten die Vertreter von Gemeinde, Kanton und der Jura Cement Fabriken AG (JCF) mit ihren Fragen.

Hintergrund: Zurzeit läuft die Mitwirkung für die «Änderung Teilnutzungsplanung Abbaugebiete». Dabei geht es um die Erweiterung des Steinbruchs, in dem Kalk und Mergel abgebaut werden. Das Material im bestehenden Steinbruch ist in fünf Jahren vollständig abgebaut. Nun soll noch eine letzte Erweiterung erfolgen. Spätestens 2050 ist voraussichtlich Schluss. An drei Orten soll der Steinbruch erweitert werden: West, Ost und Mitte, dazu kommt eine Tieferlegung.

Kantonale Vorprüfung fehlt noch

Die Mitwirkungsunterlagen zeigen, dass der Erweiterungsbereich «Mitte» gegenüber dem maximalen Perimeter gemäss Richtplan auf Auensteiner Gemeindegebiet verkleinert wurde. Zudem verschiebt sich der Perimeter Richtung Norden und Osten. Entsprechend entsteht dort ein grösserer Abstand zum Wohngebiet. Heute hat der Steinbruch eine Materialabbauzone von 64,8 Hektaren. Die geplante Erweiterung beträgt neu statt 8,4 Hektaren noch 6,9 Hektaren.

Dunkelblau eingerahmt die geplante Erweiterung des Steinbruchs.

Dunkelblau eingerahmt die geplante Erweiterung des Steinbruchs.

Diese Anpassung ist in den Unterlagen für die öffentliche Mitwirkung zwar ersichtlich, mit den Gemeinden wurde aber vereinbart, dass die umfangreichen Grundlagen des Umweltverträglichkeitsberichts (UVB) für die öffentliche Mitwirkung nicht angepasst werden. «Da zurzeit die kantonale Vorprüfung noch nicht abgeschlossen ist, soll damit vermieden werden, dass die Öffentlichkeit zu einer anderen Version des UVB Stellung nimmt, als die kantonalen Behörden», heisst es in einer Stellungnahme. «Der Entscheid ist vertretbar, da die Anpassung des Perimeters die Auswirkungen auf Umwelt und Bevölkerung nur positiv beeinflusst», betont Projektleiterin Céline Pittet des zuständigen Ingenieurbüros.

Fräsen vor Publikum: Die einzigartige Bodenfräse wird der Bevölkerung vorgestellt.

Fräsen vor Publikum: Die einzigartige Bodenfräse wird der Bevölkerung vorgestellt

April 2017: Die Jura Cement Fabriken testen im Steinbruch Jakobsberg-Egg in Auenstein eine Felsfräsmaschine. Der 112-Tonnen-Koloss ist eine europaweit einzigartige Hightech-Maschine. 

Gesundheitliche Bedenken

Trotz der Verkleinerung der Abbaufläche äusserten die Anwesenden am Mittwochabend ihre Bedenken – mehrheitlich sachlich und fair – über die Erweiterung des Steinbruchs. Das Versprechen, dass die Immissionen um einen Drittel eingedämmt werden sollen, reicht den Kritikern nicht.

Ein Votant wollte beispielsweise wissen, ob denn die Rekultivierung garantiert finanziell gesichert ist und was passiert, sollte es die JCF plötzlich nicht mehr geben. Der Vältner Gemeindeammann Ulrich Salm, der gemeinsam mit Ernst Joho durch den Abend führte, erklärte, dass eine den geschätzten Kosten angepasste Bankgarantie die Rekultivierung sicher stellt. Die JFC bezahle einen jährlichen Betrag.

Panik und Verzweiflung im Steinbruch: Eindrücke von der Katastrophenübung.

Panik und Verzweiflung: Katastrophenübung im Steinbruch.

(Juni 2017)

Ein Anwesender hakte nach und wollte wissen, wie die Rekultivierung geschehen wird, wenn zwar das Geld da ist, aber niemand, der es macht. Er befürchtet eine Kraterlandschaft. Darauf entgegnete Ernst Joho: «Die Gefahr einer Kraterlandschaft ist grösser, wenn wir jetzt zu allem Nein sagen.»

Bedenken gab es zu den gesundheitlichen Aspekten. Die Bürger kritisierten, dass sie nicht über die Schadstoffe in der Luft, die vom Zementwerk ausgingen, informiert wurden. Hintergrund: Im Juni drang an die Öffentlichkeit, dass die Zementfabrik in Wildegg beim Ausstoss von krebserregendem Benzol die Limiten nicht einhielt. Grund genug für einige Anwesende, der JCF nicht zu vertrauen. Beschwichtigen liessen sie sich nicht, auch wenn Salm betonte, dass der Gemeinderat künftig über solche Vorfälle informiert wird.

Die Mitwirkung dauert bis 4. September. In dieser Zeit können Interessierte ihre Eingaben zur Teilnutzungsplanung eingeben.