Auenstein/Veltheim
Steinbruch Oberegg wird aufgefüllt: Das Material kommt per Förderband

15 Jahre wird das Auffüllen des riesigen Kraters in der Oberegg dauern. Wo die Jura Cement zurzeit noch Kalk und Mergel für die Zementproduktion aus dem Fels sprengt, soll ab nächstem Jahr wieder eine wertvolle Naturlandschaft entstehen.

Andreas Fahrländer
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Mit dem Kalksteinabbau ist ein riesiges Loch in die Landschaft gerissen worden.

Mit dem Kalksteinabbau ist ein riesiges Loch in die Landschaft gerissen worden.

Alex Spichale

Die Auffüllung des Steinbruchs Oberegg schafft wertvolle Landschaften. Im Baugesuch, das jetzt zusammen mit einem Bericht zur Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) zur Einsicht in den Gemeindeverwaltungen Auenstein, Veltheim und Möriken-Wildegg aufliegt, ist ein umfassendes Rekultivierungskonzept enthalten. Auslöser dieses Projekts ist die riesige Masse an Aushubmaterial, die bei den SBB-Bauarbeiten unter anderem am Eppenbergtunnel und am neuen Bözbergtunnel entsteht.

Über die Aare

Zunächst soll aber Moränenmaterial aus dem Steinbruch Unteregg in die Oberegg verschoben werden, dann soll mit Erde und Gestein aus den Tunnelbaustellen die ursprüngliche Geländehöhe rekonstruiert werden. Der Auffüllbetrieb wird von 2015 bis 2030 andauern. Per Bahn wird das Erdmaterial nach Wildegg gefahren und von dort über ein neues Förderband über die Aare und unter der Hauptstrasse hindurch zur Oberegg gebracht. 2,8 Millionen Kubikmeter Gestein und Erde werden dabei bewegt.

Die Installation der Förderanlage soll Ende 2014 beginnen. 2016 bis 2017 wird wegen der Materialtransporte auf der Strecke Bözberg–Möriken-Wildegg ein erhöhtes Schwerverkehrsaufkommen erwartet. Die Nähe zwischen Herkunft und Deponierung des Materials könne hervorragend genutzt werden. 70 Prozent sollen mit der Bahn transportiert werden, etwa 30 Prozent müssen mit Lastwagen zur Oberegg gefahren werden.

Das ursprüngliche Rekultivierungskonzept sah vor, dass der Steinbruch Oberegg nach Ende der Abbrucharbeiten sich selbst beziehungsweise der Natur überlassen werden sollte.

Flächen für seltene Arten

Der Steinbruch Oberegg wird jetzt nach naturschutzfachlichen Gesichtspunkten rekultiviert. Im Idealfall soll so etwa ein Viertel der Fläche aus Ruderalfluren bestehen, wo sich seltene Arten wie etwa Mauereidechsen, die Blauflügelige Sandschrecke oder das Rosmarinblättrige Weidenröschen ansiedeln können. Knapp die Hälfte soll von artenreichen Magerwiesen bedeckt sein. Ausserdem sind Tümpel und Feuchtflächen für Amphibien vorgesehen. Besonders die Gelbbauchunke und die Geburtshelferkröte sollen sich langfristig ansiedeln. Die übrige Fläche soll von einem artenreichen Laubwald aus einheimischen Gehölzen bewachsen werden. Hier wird die Ansiedlung von einer überlebensfähigen Population von Zauneidechsen angestrebt.

Von der Rekultivierung sollen also der Mensch und die Natur in ihrer ganzen Vielfalt profitieren. Im UVP heisst es: «Der alte Steinbruch und die neue Oberfläche der Auffüllung bilden vielfältige Standortqualitäten heraus.»