Veltheim

Steinbruch-Erweiterung: Verein Pro Au weist die Pläne zurück

Die Erweiterung Ost wird einen Teil des Steibitz (grüne Wiese Bildmitte) betreffen und rückt näher an die Häuser.

Die Erweiterung Ost wird einen Teil des Steibitz (grüne Wiese Bildmitte) betreffen und rückt näher an die Häuser.

Die Bewohner der Vältner Au sind von der Ost-Erweiterung des Steinbruchs in Richtung Steibitz besonders betroffen. Sie bekämpfen das Vorhaben seit Jahren.

Seit Jahren kämpfen die Mitglieder des Vereins Pro Au gegen die Erweiterung Ost des Steinbruchs. Jeden politischen Prozess haben sie mitgemacht. Allen voran Präsidentin Christine Ungricht und Mitglied Fritz Weber.

Ihr Ziel: Am Mittwoch, 22. Januar, soll das Traktandum «Änderung der Teilnutzungsplanung Abbaugebiete» an der ausserordentlichen Gemeindeversammlung in Veltheim zurückgewiesen werden. Sie werden einen entsprechenden Antrag stellen.

Im Restaurant Burehus in der Au erklären sie ihre Gründe für ihren Kampf gegen die Erweiterung. Ihre Argumente haben sie kürzlich auch aufgelistet auf Flyern im Dorf verteilt – inklusive Porträtfotos von Menschen, die sich gegen die Erweiterung aussprechen.

Es ist eine Replik auf die Werbebroschüre der Jura-Cement-Fabriken (JCF) AG, die im Rahmen des Abstimmungskampfs Fotos von Mitarbeitern veröffentlichte, die bei der Zementi arbeiten und aus der Region stammen.

Viel Misstrauen und grosse Enttäuschungen

Der Fokus der Pro Au liegt vor allem auf der Verhinderung der Erweiterung Ost Richtung Steibitz. Es sei unerklärlich, warum man die Materialabbaukante in 200 Meter Distanz zur Wohnzone am Steinbitzweg plane, sagen Christine Ungricht und Fritz Weber. Das vorliegende Projekt sei überdimensioniert und alles andere als massvoll, finden sie.

Als störend erachten die Mitglieder der Pro Au, dass mit der Erweiterung Ost die Steibitz zerstört würde. Diese sei bis anhin ein minimaler Schutz vor den Immissionen des Steinbruchs gewesen. Zudem gehe so wertvolles Kulturland verloren, argumentieren sie.

Im Gespräch wird klar: Die Steinbruch-Anwohner haben inzwischen einfach genug vom Materialabbau. Sie stören sich an den Erschütterungen und am Lärm. «Das sind kleine Erdbeben, die wir jedes Mal spüren», betont Fritz Weber.

Erweiterung ist nur «voraussichtlich» umweltverträglich

Es gebe kleine Schäden an den Häusern, zum Beispiel Risse. Beweisen, dass die von den Sprengungen stammen, könne man aber nicht. «Mir ist schleierhaft, wie die JCF das Versprechen von weniger Immissionen einhalten will, wenn sie den Steinbruch noch näher an die Häuser verschiebt», sagt Weber.

Sowieso misstrauen Weber und Ungricht den Unterlagen. Im Umweltverträglichkeitsbericht stehe, dass der Materialabbau im Erweiterungsperimeter lediglich «voraussichtlich gesetzeskonform und umweltverträglich» erfolgen könne.

Weiter kritisieren sie, dass beispielsweise die Lärmmessungen seitens der JCF gemacht werden und nicht von einem unabhängigen Büro. Enttäuscht zeigen sie sich auch darüber, dass sämtliche Einwendungen, die sie gemacht haben, vom Gemeinderat abgewiesen wurden. An den Einwendungsverhandlungen sei man sich nicht einig geworden.

Ungricht und Weber bemängeln weiter, dass jetzt – im Vorfeld der Gemeindeversammlung – zwar über 60 Dokumente auf der Verwaltung und elektronisch aufliegen, die Einwendungen und deren Behandlung in den Abstimmungsunterlagen aber nur summarisch erwähnt werden und sich der Stimmbürger vor Ort auf der Verwaltung darüber informieren muss.

Ein Kampf gegen Windmühlen

Alles in allem bezeichnet Christine Ungricht die Situation als «Kampf gegen Windmühlen». Denn die Au-Meier, wie die Bewohner der Vältner Au auch genannt werden, sind eine Minderheit. «Schon nur geografisch gehören wir nicht richtig zum Dorf», sagt Fritz Weber. Wer im Dorf selber wohne, bekomme nichts mit von den Immissionen des Steinbruchs.

Das alles bedeute aber nicht, dass sich die Pro Au per se gegen eine letzte Erweiterung des Steinbruchs wehrt. So können sich Ungricht und Weber beispielsweise mit dem Gedanken anfreunden, dass die Abbruchkante 300 Meter vom Wohngebiet entfernt ist. Auch darum sagen sie nicht grundsätzlich Nein zum vorliegenden Geschäft, sondern wollen mit ihrer Rückweisung erreichen, dass eine Überarbeitung stattfindet.

Die Pro Au fordert, dass künftig die Anliegen der Bewohnerinnen und Bewohnern der Au einbezogen werden, dass der Perimeter der Erweiterung Ost auf eine Distanz von mindestens 300 Metern zum Wohngebiet festzulegen ist – wie dies auf Auensteiner Seite für die Erweiterung West ebenfalls der Fall sei – und dass die Kontrollen der Immissionen durch eine neutrale Fachstelle erfolgen.
Die Vertreter der Pro Au hoffen entsprechend, dass die Gemeindeversammlung «im Sinne eines Kompromisses» ihrem Antrag zustimmen wird.

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