Fehlplanung
Statt mehr hats jetzt weniger Wasser im Strängli

Durch die Ausbaggerungen für die Armee in der Aare bei Brugg ist der Wasserstand stark gesunken.

Louis Probst
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Aargauer Zeitung

«Wir waren im ersten Moment schon schockiert», sagt Heinz Schatzmann und deutet auf das stellenweise trocken gefallene Strängli, den Seitenlauf der Aare, der die Grenze zwischen Brugg und Windisch bildet. Unterhalb der mittleren Brücke weist das Strängli - das vor einigen Jahren ökologisch aufgewertet worden war - nur noch in Tümpeln Wasser auf. «Gestern Abend hat hier noch Wasser gestanden», sagt René Baumann und zeigt auf trockene Kieselsteine. Als Mitinhaber der privaten Fischereirechte - der so genannten Fischenz - im Abschnitt zwischen der Vogelsangerbrücke und der Einmündung des Süssbaches in die Aare sowie im Unterlauf der Reuss, sorgen sich Heinz Schatzmann und René Baumann um die Folgen des Wassermangels.

Viel zu wenig Wasser im Strängli

«Man sieht zwar keine grossen toten Fische», sagt René Baumann. «Es geht aber um die Jungfische. Wir haben in diesem Jahr 1000 junge Aeschen und 12 000 Forellensömmerlinge im Strängli ausgesetzt. Wir hoffen jetzt einfach, dass die Fischchen in den Tümpeln überleben können.» Betroffen seien aber nicht nur die Fische, stellt Heinz Schatzmann fest. Er hebt dabei einen grossen Kieselstein auf und zeigt auf einige winzige Krebschen, die in einem Rest von Feuchtigkeit herumwuseln. «Auch diese Lebewesen sind dringend auf Wasser angewiesen.»

Fahrrinne für Pontoniere

Der Grund für den Wassermangel im Strängli ist in den Baggerarbeiten in der Aare unterhalb der Casinobrücke in Brugg zu suchen. Das ist im Grund genommen paradox. Denn mit diesen Ausbaggerungen sollte ja nicht nur eine Fahrrinne für die Pontoniere offen gehalten werden, sondern auch - im Sinne einer ökologischen Ausgleichsmassnahme - durch eine rund 100 Meter lange Zulaufrinne explizit die Wasserführung im Strängli verbessert werden.

Beim Kanton hat man auf die Intervention der Fischenzinhaber postwendend reagiert. «Wir nehmen die Bedenken der Fischer ernst», betont Markus Zumsteg, Chef Wasserbau im Departement BVU des Kantons. «Durch das Ausbaggern der Fahrrinne ist der Wasserstand unterhalb der Casinobrücke gesunken. Daher gelangt zu wenig Wasser in die Zulaufrinne. Wir werden das korrigieren, indem wir versuchen, die Anströmverhältnisse ins Strängli zu verbessern. Durch ein Dämmchen wird ein Trichter geformt. Wenn sich diese Lösung als praktikabel erweist, wird der Damm durch Steinblöcke gesichert.» Unter der Aufsicht des Gewässerbeauftragten Werner Lehmann haben gestern Angehörige der Armee mit schweren Baumaschinen mit der «Korrektur der Korrektur» begonnen.