Schenkenberg

Starregisseur zum Schnäppchenpreis: Giancarlo del Monaco führt Regie bei der Oper Schenkenberg

Opernregisseur Giancarlo Del Monaco

Opernregisseur Giancarlo Del Monaco

Der Oper Schenkenberg ist eine grosse Verpflichtung gelungen: Ob an der New Yorker Met, am Zürcher Opernhaus, in Peking oder Wien, er ist rund um den Globus gefragt: Giancarlo del Monaco wird Regie führen.

So sieht Oper vor der Oper aus: Die vergoldete Freiluft-Kulisse ist frisch aus Minsk importiert und aufgebaut, der Part von Orchester und Chor sitzt bereits seit Ende Juni - und knapp vier Wochen vor der Première schneit jetzt – ta-ta-ta-taa – ein neuer Regisseur quasi vom Himmel.

Nicht irgendein Regisseur. Nein. Mit Giancarlo del Monaco (73) hat die Oper Schenkenberg den internationalen Opern-Adel in den Aargau geholt, wie sie an der Medienkonferenz am Freitag vermeldete.

Schon del Monacos Vater, Mario del Monaco, war ein berühmter italienischer Tenor. Sohn Giancarlo hat den Belcanto sozusagen in der DNA – und ist selbst seit über 50 Jahren im Operngeschäft.

Die Oper Schenkberg: Hier die Inszenierung von Verdis «Il Trovatore».

Die Oper Schenkberg: Hier die Inszenierung von Verdis «Il Trovatore».

Ob an der New Yorker Met, am Zürcher Opernhaus, in Peking oder Wien, er ist rund um den Globus gefragt, hat Superstars wie Anna Netrebko, Placido Domingo oder Luciano Pavarotti über die Bühne geführt und ist auch in Sachen Openair nach unzähligen Festival-Inszenierungen ein alter Fuchs. 

So ein Grand Old Man arbeitet wohl nicht ganz umsonst. Nach dem Finanz-Fiasko ihrer letzten Produktion „Il Trovatore“ (2013) muss die Oper Schenkenberg den Gürtel dieses Jahr enger schnallen.

Kann sie sich bei einem Budget von 2,5 Millionen Franken diese Regie-Liga überhaupt leisten?

Mediensprecher Michael Sokoll überrascht mit der Antwort: «Die Verpflichtung des Star-Regisseurs wird das Budget nicht einen Franken mehr belasten.»

Der Italiener sei begeistert von den Sängern und von den Festspielen der Oper Schenkenberg: «Es ist ihm eine grosse Freude, uns in dieser Lage 'auszuhelfen'.» Offenbar hat der Grand Old Man der Oper auch ein Grand Old Herz. 

Zumal „aushelfen“ tatsächlich vonnöten war. Denn gemäss der Oper Schenkenberg hatten sich die Vorstellungen des ursprünglich verpflichteten Regisseurs Jan Michael Horstmann und jene der Intendanz in verschiedene Richtungen entwickelt.

Die Intendanz befand die Konzeption „für ein Opernfestival nicht ideal“, so habe man sich „nach einem sehr freundschaftlichen Gespräch gütlich getrennt.“ 

Und nun herrscht auf der Freiluftbühne alias der Sportanlage Mülimatt in Brugg/Windisch also nichts als eitel Sonnenschein.

Oder etwa doch nicht? Immerhin konstatiert der Tages-Anzeiger dem Regiestil des über 70-jährigen Italieners „hoffnungslose Verstaubtheit“ oder gar „Inexistenz“.

Tatsächlich ist del Monaco ein Freund der waschechten Oper, der waschechten Frauen und waschechten Männer (oder was er darunter versteht).

Und er inszeniert auch nichts anderes: Händeringend geben sich bei ihm die Protagonistinnen, im Dauer-Kniefall die Helden – wenn sie nicht gerade mit unmissverständlicher Gestik als Schürzenjäger outen. 

2009 kopulierte so sein Don Giovanni quer über die Freiluftbühne von Avenches. Und ab 11. August in Brugg/Windisch darf der Regisseur in eine ähnliche Trickkiste greifen – mit dem Herzog von Mantua, einer der Protagonisten in der Neuinszenierung von „Rigoletto“.

Denn auch der Herzog glänzt nicht gerade durch sexuelle Enthaltsamkeit, was die Handlung in Verdis Oper erst ins Rollen bringt: Da verspottet einerseits der Hofnarr Rigoletto die Väter der so entehrten Mädchen, andererseits bangt er um seine eigene Tochter Gilda, auf die es der Herzog plötzlich ebenfalls abgesehen hat.

Das Unglück ist vorprogrammiert – und nimmt, wie es sich für eine Oper gehört, fulminant klingend seinen Lauf. 

Nun tut sie das zudem in der, nun ja, „traditionsbewussten“ Inszenierung von Giancarlo del Monaco.

Die Oper Schenkenberg sieht das etwas anders: „Aus unserer Sicht gibt es keine verstaubten oder modernen Inszenierungen. Es gibt nur gute und schlechte.

Del Monaco weiss alles über die Oper, inszeniert ohne Klavierauszug, weiss jeden Text einer jeden Figur auswendig, kennt jede Melodie, jeden Einsatz.“ 

Da wird also auf der Sportanlage Mülimatt neben dem Opernstar del Monaco auch der minutiöse Handwerker del Monaco am Werk sein.

Das Register „eitel Sonnenschein“ zieht indes auch er: „Ich freue mich sehr auf die Schweiz, den wunderschönen Aargau und darauf, mit diesem qualitativ hochstehenden und engagierten Cast zu arbeiten“, lässt er vermelden.

„Auch das Einspringen in letzter Sekunde ist kein Problem für mich. Im Gegenteil: es macht den speziellen Reiz dieser Aufgabe aus“.

Bei soviel Sonnenschein in den Gemütern der Mitwirkenden bleibt nur zu hoffen, dass auch der liebste Gast jedes Sommerfestivals, der meteorologische Sonnenschein, mitspielt. 

Première ist am 11. August 2016. Der Eintritt kostet zwischen 60 und 155 Franken.

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Autor

Stefan Künzli

Stefan Künzli

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