Brugg
Standort wird aufgehoben: Für die Webcam schlägt das letzte Stündlein

Das Schicksal der Webcam am Metron-Gebäude in Brugg ist besiegelt: Der Informatiker Stefan Seiz, der das Gerät seinerzeit anbrachte und während Jahren für den Unterhalt sorgte, wird es voraussichtlich am Samstag demontieren.

Michael Hunziker
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Juni 2011: Die Kamera hält das Geschehen auf den Schienen fest.

Juni 2011: Die Kamera hält das Geschehen auf den Schienen fest.

zvg

«Die Firma Metron will den Betrieb der Webcam auf ihrem Gebäude nicht mehr länger unterstützen», stellt Stefan Seiz fest. Kämpfen um den Standort mag er nicht, auch wenn der Entscheid aus seiner Sicht nicht nachvollziehbar ist. Seiz spricht von kurzfristigem Denken. Die Firma Metron anerkenne den Wunsch der Öffentlichkeit sowie das breite Interesse an der Kamera nicht. «Ich habe getan, was ich konnte.»

Kein Problem beim Datenschutz

Schade ist laut Seiz, dass die Webcam als Gefahr und nicht als Chance wahrgenommen werde. Die Firma Metron könnte, davon ist er überzeugt, die Aufnahmen im firmeneigenen Internetauftritt integrieren – und damit Verbundenheit zum Standort Brugg zeigen. Dass die Webcam nicht zur Philosophie des Unternehmens passen soll, versteht der Informatiker nicht.

Der Datenschutz sei gewährleistet, in gewissen Sektoren sei die Zoom-Funktion eingeschränkt, damit Fussgänger oder Velofahrer nicht identifiziert werden könnten. «Die Kamera erkennt nicht mehr, als von blossem Auge sowieso zu sehen ist.» Die Abklärungen mit dem Datenschützer hätten ergeben, dass die Kamera kein Problem darstelle.

Nutzer bestimmen Blickwinkel

Rückblick: Seit rund 15 Jahren befindet sich die Webcam am Hauptsitz der Firma Metron gleich beim Brugger Bahnhof. Seiz begann während seines Informatik-Studiums, in einem Teilpensum für Metron zu arbeiten. Später bezog er ein Büro im Stahlrain und installierte eine Videokamera am Fenster. Das erste Bild entstand am 14. Oktober 1998. Seiz sorgte für den Unterhalt und die Anpassungen oder ersetzte die Geräte. Die Qualität der Bilder stieg.

In den letzten Jahren hat die Kamera die Veränderungen rund um den Bahnhof dokumentiert. Jeden Tag wurden Dutzende Schnappschüsse sowie ein Panoramabild erstellt – ab und zu sogar ein Zeitraffer-Video. Die Einen, so weiss der Informatiker, beobachten einfach gerne das reale Leben – das Wetter, den Verkehr auf den Schienen und der Strasse oder das Geschehen rund um das Feuerwehrmagazin. Speziell an der Kamera sei, dass sie gesteuert werden könne, der Nutzer also Einfluss nehmen könne auf den Blickwinkel.

Im letzten Jahr wurde bekannt, dass der Webcam-Standort gefährdet ist. Seiz wollte seine Kamera nicht kommentarlos aufgeben und lancierte eine Online-Petition, die von rund 180 Personen unterschrieben wurde. Er habe viele positive Reaktionen, Aufmunterungen und Vorschläge für das weitere Vorgehen erhalten. «Viele haben sich betroffen gefühlt.» Trotzdem: «Ich habe ich mich mit dem Entscheid der Firma Metron abgefunden. Gegen Windmühlen kämpfen will ich nicht», sagt Seiz.

Nach seinem Dafürhalten wären im Zentrum von Brugg-Windisch weitere Standorte für eine Webcam vorhanden. «Bestens geeignet wäre zum Beispiel der Neumarkt.» Selber werde er indes nicht nach Alternativen suchen. Denn es sei nicht ganz einfach, die richtigen Ansprechpersonen zu finden. Auch brauche ein solches Engagement Zeit – und ganz ohne Geld gehe es ebenfalls nicht.

«Diese Mittel will ich nicht aufbringen. Ich lebe nicht nur für die Kamera.» Immerhin: Lasse sich ein interessierter Gebäudeeigentümer finden, stehe er gerne mit Rat und Tat zur Seite, sagt Seiz.

Positive Erfahrungen bleiben

Eine Webcam, die das Geschehen im Zentrum von Brugg-Windisch dokumentiert, würde nach wie vor Sinn machen, ist Seiz überzeugt. Denn: «Der Campus der Fachhochschule Nordwestschweiz ist zwar gebaut, aber die Entwicklung ist nicht abgeschlossen. Es wird viel passieren in den nächsten Jahren.» Zudem könne eine Kamera für das Standortmarketing eingesetzt werden – wenn sich der Nutzen auch nicht im Detail beziffern lasse.

Trotz Verlust des Standorts: Für Seiz bleiben die positiven Erfahrungen. Durch die Kamera habe er viele interessante Kontakte knüpfen und sich ein breites Wissen aneignen können. Seine Website www.webtruck.org will Seiz vorläufig weiterbetreiben – ohne Live-Bilder, aber mit vielen Archiv-Aufnahmen. Er werde abwarten, wie gross das Interesse sei.

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