«Ich habe Einsprache gegen den Strafbefehl erhoben, weil ich mit allem nicht einverstanden bin», erklärte die Beschuldigte vor Gericht. Vorgeworfen wurde ihr üble Nachrede.

Gemäss Anklage hatte die Frau, die inzwischen nicht mehr im Aargau lebt, vor knapp einem Jahr beim Betreibungsamt Meilen eine Betreibung respektive eine Konkursandrohung gegen einen mittlerweile pensionierten Angehörigen der Kantonspolizei Zürich eingereicht. Für «Hotelkosten à discrétion, Schadenersatz/Schmerzensgeld und Verpflegungskosten» forderte sie 2000 Franken.

Der Polizist, dem schwante, dass es sich bei der Betreibung um eine Racheaktion handle, erhob Anzeige. Weil die Beschuldigte die Aussage verweigerte, gelang es ihr nicht, die Strafverfolgungsbehörden von der Rechtmässigkeit der Betreibung zu überzeugen.

Wegen übler Nachrede wurde sie daher zu einer bedingten Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu je 30 Franken sowie zu einer Busse von 1000 Franken verurteilt.

Auch vor dem Bezirksgericht Brugg wollte die Beschuldigte ausser den Angaben zu ihrer Person «gar nichts mehr sagen». Worauf Bezirksgerichtspräsidentin Franziska Roth kühl meinte: «Dann nehmen wir das so zur Kenntnis.»

«Rotzfrech und eiskalt»

Wesentlich auskunftsfreudiger war der Betriebene. «Ich kenne die Beschuldigte nicht – aber ich weiss, wer sie ist», sagte er. «Als Kriminalbeamter der Kantonspolizei Zürich habe ich sie 2010 bei ihrer Verhaftung erstmals gesehen.»

Diese Verhaftung erfolgte im Zuge eines Strafverfahrens, das gegen die Beschuldigte wegen Nötigung eingeleitet worden war. Vorgeworfen wurde ihr damals, einen bekannten Zürcher Anwalt über längere Zeit belästigt zu haben, indem sie ihm Pizzakuriere, Taxifahrer oder auch eine Escort-Dame ins Haus bestellte.

Die Beschuldigte wurde in der Folge vom Zürcher Obergericht zu einer Freiheitsstrafe von 9 Monaten verurteilt. Die Strafe wurde aber zugunsten einer ambulanten Behandlung aufgeschoben.

«Ich machte eine Anzeige, weil ich mich verletzt fühlte», sagte der Geschädigte. «Ich bin in meinem ganzen Leben noch nie betrieben worden. Die Betreibung erfolgte einzig und allein um mich zu schädigen und in Misskredit zu bringen. Die Beschuldigte hat rotzfrech und eiskalt gehandelt.»

Das Vorgehen der Beschuldigten komme aber nicht von ungefähr, erklärte er. Sie habe schliesslich eine Anleitung für Stalkerinnen verfasst. «Die Betreibung ist mutwillig und gezielt eingeleitet worden», betonte er. «Es ging der Beschuldigten nur um die Schädigung meines Rufes. Dabei hatte ich sie bei der Ausübung meiner beruflichen Aufgaben stets fair behandelt.»

Verteidiger verlangt Freispruch

Die Rechtsvertreterin des Geschädigten verwies auf das Urteil des Zürcher Obergerichts und stellte fest: «Es ist nicht so, dass man jedermann betreiben kann, ohne dass das strafrechtliche Konsequenzen hätte.»

Sie beantragte die Bestätigung des Strafantrages der Staatsanwaltschaft. «Ein Freispruch wäre ein Freipass», betonte sie. «Dem Vorgehen der Beschuldigten ist entschieden Einhalt zu gebieten.»

Der Verteidiger plädierte auf Freispruch von Schuld und Strafe. «Die Angelegenheit ist nicht zu verharmlosen», räumte er ein. «Eine Betreibung bedeutet aber meines Erachtens keine Ehrverletzung – auch wenn die Betreibung nicht gerechtfertigt ist.»

Die Interpretation des Geschädigten sei unerheblich, argumentierte der Verteidiger. Der Geschädigte habe keine konkrete Antwort darauf, wo er sich denn geschädigt sehe. Das Urteil wird schriftlich eröffnet.