Brugg
Stadtmusik Brugg spielt als Stummfilmorchester im Kino Odeon

1921 war das Brugger Odeon ein Stummfilmkino. Ab heute erinnert es an diese Zeit – und zwar mit Stummfilmen und Livemusik. Mit dabei ist auch die Stadtmusik Brugg, die mit einer «Symphonie de Brugg» einen Film neu vertonen wird.

Elisabeth Feller
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Szene aus dem Eröffnungsfilm «Sunrise»

Szene aus dem Eröffnungsfilm «Sunrise»

Der Held kann die Worte nur stammeln – sei es aus Ergriffenheit oder weil er bald das Zeitliche segnen wird. Die Geliebte drückt einen letzten Kuss auf seine erkaltenden Lippen – dazu zieht der Mann am Klavier alle Register seines Könnens. Wo gibt es so etwas zu erleben? Im Stummfilmkino. Das ist Vergangenheit. Aber ohne diese wäre die Gegenwart nicht denkbar – und damit auch das Brugger Odeon nicht, das 1921 ein geschätztes Stummfilmkino war.

2011 feierte das beliebte Haus seinen 90. Geburtstag. Deswegen auf den Putz hauen? Das entsprach nicht der feinen Linie des Odeon. Was tun? Der Zufall spielte eine Rolle. Die Stadtmusik Brugg wollte im Hinblick auf andere Konzerträume Neuland betreten – beispielsweise im Odeon. Hausherr Stephan Filati dachte nach und machte einen Vorschlag: Ob die Stadtmusik Brugg Lust hätte, Livemusik zu einem Stummfilm zu spielen? Sie hatte. Bloss: zu welchem Film?

Die Augen von Hans-Ulrich Bühler, seit März Leiter der Stadtmusik Brugg, beginnen zu leuchten und Stephan Filati lächelt. «Zu Beginn», erzählen sie, «sprachen wir von Eisensteins ‹Panzerkreuzer Potemkin›, aber das wäre ein Riesenprojekt gewesen.» Dann erzählt Filati vom Stadtarchiv. Dort förderte er zutage, was auf die Stadtmusik zugeschnitten ist – den Film «Brugg – Euses Städtli» aus dem Jahr 1956, gedreht vom Brugger Fotografen Armin Gessler.

War die Stummfilmzeit zu jener Zeit nicht schon vorbei? «Doch», sagt Filati, «aber von Brugg gibt es praktisch keine Filme aus den Zwanzigern oder Dreissigern. Ergo griffen wir auf Gesslers Film zurück, der erst später vertont wurde». Was im Januar zu hören sein wird, hat jedoch nichts mit der einstigen Vertonung zu tun. Hans-Ulrich Bühler hat lange nach einer passenden Komposition Ausschau gehalten. Schliesslich fand er Serge Lancens «Symphonie de Paris» für sinfonisches Blasorchester. Bühler hat sie kurzerhand zur «Symphonie de Brugg» erklärt. «Diese Komposition ist ideal für die 30 bis 35 Musiker der Stadtmusik. Sie ist süffig und gut zu spielen.» Aber sie stellt auch hohe Anforderungen, dürfen doch Film und Musik nicht auseinanderklaffen.

Deshalb wird seit Frühling wöchentlich geprobt. Die Feuertaufe werden die Musiker der Stadtmusik bei der Generalprobe im Odeon erleben. Dann werden sie erfahren, wie sich der dunkle Raum «anfühlt»: Vor sich werden sie den Dirigenten haben, über sich die stummen Helden der Leinwand.

Stummfilme mit Live-Musik

Weil das Kino Odeon - nicht zu verfehlen, da gleich gegenüber dem Bahnhof Brugg - einst ein Stummfilmkino war, erinnert es mit einer speziellen Reihe an seine Vergangenheit.
Von Dezember 2012 bis Mai 2013 zeigt es Stummfilme mit Livemusik.
Sonntag, 2. Dezember, 19 Uhr: «Sunrise», 1927, Regie: Friedrich Wilhelm Murnau, mit dem Multiinstrumentalisten Markus Dürrenberger.
Sonntag, 27. Januar, 17 Uhr: «Brugg - Euses Städtli», 1956, Regie: Armin Gessler und «The Goat» mit Buster Keaton. Musikalisch begleitet von der Stadtmusik Brugg unter der Leitung von Hans-Ulrich Bühler.
Sonntag, 24. Februar, 19 Uhr: «Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens», 1922, Regie: Friedrich Wilhelm Murnau- ein Filmklassiker. Mit Goran Kovacevic am Akkordeon.
Sonntag, 21. April, 19 Uhr: «The Cameraman», 1928, Regie: Buster Keaton. Mit Till Wyler am Violoncello und Markus Lauterburg am Schlagzeug.
Sonntag, 26. Mai, 19 Uhr: «Silent Western Classics», 1921 bis 1923.
Drei kurze Western, die von verschiedenen Regisseuren inszeniert worden sind. Mit Buster Keaton und Roscoe «Fatty» Arbuckle, neu vertont von der
Band Sheep on the Moon. (EF.)

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