Das Stadtfest ist bestes Marketing für Brugg. Darüber sind sich die meisten Gewerbetreibenden in der Altstadt einig. Es läuft mal etwas, das Fest verbreitet positive Stimmung. Aber es gibt auch die Kehrseite der Medaille. «Es kommen weniger Kunden, der Umsatz ist etwa um 15 Prozent gesunken», sagt etwa Christian Meier vom Biofachgeschäft «Buono».

Auch die Stammkunden kommen zurzeit nicht alle in sein Geschäft. «Brugg ist geschlossen für alle jene, die nicht zu Fuss kommen. Betroffen ist beispielsweise meine Kundschaft aus Baden», sagt er. Dazu komme die Unsicherheit bei den Kunden, ob man einen Button tragen müsse, um bis zum Geschäft zu gelangen.

Warum den «Utopia»-Pavillon nicht drei Monate stehen lassen?

Für das nächste Stadtfest wünscht sich Christian Meier, dass die Gewerbetreibenden in der Altstadt besser in die Planung eingebunden werden. «Ich will nie mehr ein solch grosse Box vor meinem Geschäft haben», betont er und meint damit die dreistöckige Beiz «Kiste». Deren Hinterhof, der nicht gerade schön anzuschauen ist, ist gleich beim Eingang in Meiers Geschäft. Der Geschäftsinhaber bewundert die Holzbauten, die entstanden sind. «Ich wünschte mir aber, dass das Stadtfest nachhaltiger ist. Warum kann man den ‹Utopia›-Pavillon im Sommer nicht drei Monate so stehen lassen?» Das würde seiner Meinung nach mehr bringen, als alle sechs Jahre ein Riesenfest. «Die Stadt könnte die Rahmenbedingungen schaffen, am Aareufer kleine Terrassen zu ermöglichen, auf denen ein Beizli betrieben werden kann.» Das alles würde Brugg attraktiver machen.

Impressionen der verschiedenen Beizen am Stadtfest Brugg 2019: «Utopia»

Die Festbeiz Utopia am Stadtfest.

Impressionen der verschiedenen Beizen am Stadtfest Brugg 2019: «Utopia»

Taher Djoora vom Mr. Barber Shop gefällt das Stadtfest. Es sei zwar wegen des Beizlis vor seinem Geschäft schwierig, neue Kunden zu finden, aber die Stammkundschaft komme noch immer vorbei. Überzeugt davon, dass das Stadtfest zum besseren Image Bruggs beitragen kann, sind Tina Begani vom Beauty-Studio «Bshic» und Hanspeter Erismann, dessen Ehefrau Doris Inhaberin des Kleiderladens «Fil à fil» ist. Begani konnte sogar dank des Stadtfests Neukundinnen gewinnen. «Das Fest ist Werbung für Brugg, und es findet ja nicht alle Jahre statt.» Beide finden aber, dass die Parkierungsmöglichkeiten besser signalisiert werden müssten. «Die Zufahrt ist zu kompliziert, Auswärtigen ist das zu mühsam», sagt Begani. Ähnlich sieht es Erismann: «Auswärtige wissen nicht, dass Stadtfest ist, eine Kundin musste noch eine Runde drehen, bis sie herausgefunden hat, wo sie parkieren kann.» Geärgert hat sich Doris Müller Erismann darüber, dass der Vorsprung des Schaufensters heruntergerissen wurde.

Beizenbummel am Stadtfest

Von der Sauberkeit der Stadt am Morgen positiv überrascht

Coiffeuse Susanne Käppeli macht sich Sorgen wegen der Button-Kontrolle. Das OK hat nämlich angekündigt, diese am nächsten Festwochenende zu intensivieren. «Ich habe Bedenken ob dieser Ankündigung», sagt sie. «Es ist zu hoffen, dass meine Kundschaft auch ohne Button bis zu meinem Geschäft kommen darf.» Immerhin: Ihre Kundschaft ist der Coiffeuse auch während der Stadtfesttage treu geblieben. «Ursprünglich rechnete ich damit, den Laden während der zwei Samstage schliessen zu müssen», sagt sie. Positiv überrascht zeigt sie sich – wie übrigens fast alle befragten Gewerbetreibenden – wie sauber geputzt die Stadt jeweils nach den Festivitäten ist.

Fazit der Gewerbetreibenden: Sie wünschen sich bei einem nächsten Fest, dass sie besser in die Planung eingebunden werden, mehr Unterstützung erhalten – zum Beispiel mit Plakaten oder Wegweisern – sowie genauere Informationen bekommen, was für eine Beiz vor ihren Laden zu stehen kommt. Je nachdem würden sie dann gleich während des Stadtfests ihre Ferien beziehen.

Luca Hänni tanzt am Stadtfest zu «She Got Me»

Luca Hänni tanzt am Brugger Stadtfest zu «She Got Me»

Ein Ausschnitt aus Hännis Auftritt am Stadtfest Brugg.