Brugg

Stadtammann Moser: «In vielen Köpfen sind noch immer Barrieren vorhanden»

Der Stadtammann von Brugg Daniel Moser zieht Bilanz seiner ersten Amtsperiode.

Der Stadtammann von Brugg Daniel Moser zieht Bilanz seiner ersten Amtsperiode.

Stadtammann Daniel Moser zieht nach seiner ersten Amtsperiode Bilanz und sagt, ob die Fusion mit Windisch vom Tisch ist und wie weit die Pläne für eine zentralisierte Stadtverwaltung sind

«Wo wollen wir Platz nehmen?», fragt Daniel Moser, Stadtammann in Brugg. Die Wahl fällt auf das «Neue Cockpit» – wie der frühere Militär- und Linienpilot sein Büro im ersten Stock des Stadthauses nennt. Moser wirft einen Blick auf den Computer- und Handy-Bildschirm. «Ich schalte die Geräte aus, damit es nirgends schellt und pfeift.»

Dann ist er an diesem Morgen mehr als eine Stunde voll und ganz da für seine Gesprächspartner – aufmerksam, überlegt . . . und unkompliziert. Staatsmännisches Gehabe liege ihm nicht, gibt Moser unumwunden zu. «Es geht mir um die Sache.»

Von Anfang an hat der FDP-Politiker nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass er seine Funktion als Stadtammann während zweier Amtsperioden ausüben möchte. Die ersten vier Jahre seien wahnsinnig schnell vorbeigegangen, sagt er. Zeit für eine Zwischenbilanz.

Daniel Moser, die neue Amtsperiode hat begonnen. Der Elan ist noch immer vorhanden?

Daniel Moser: Ja, dieses anspruchsvolle Amt macht grosse Freude.

Trotz nicht ganz einfacher 24-Stunden-Aufgabe, 7 Tage pro Woche?

Die Freizeit kommt in der Tat etwas zu kurz. Ich weiss zum Beispiel genau, dass ich mich mehr draussen bewegen sollte (lacht).

In Ihre erste Amtsperiode fallen Bau und Einweihung des Campus und des Campussaals. Auch die Personenunterführung Mitte ist bald fertig. Eine erfolgreiche Bilanz.

Das ist nicht mein persönlicher Erfolg. Hinter allem steckt Teamarbeit und vieles wurde vor meinem Amtsantritt aufgegleist.

Aber stolz sind Sie schon?

Ja, es ist schön zu sehen, wie sich Brugg entwickelt. Beim Campus der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) spürt man die neue Urbanität. Wer das noch nicht erlebt hat, sollte sich mal vor Ort umsehen. Es lohnt sich.

Welche Erfahrungen haben Sie – gut ein halbes Jahr nach dem Studienbeginn – gemacht?

Mit dem Campus hat sich eine neue Welt aufgetan. Viele Gewerbetreibende und Unternehmen haben realisiert, was passiert. Und die anderen werden es auch noch merken (lacht). Nicht vergessen dürfen wir unsere Berufsschulen, die sehr gute Arbeit leisten. Mit der Plattform Campus Plus haben wir es jetzt geschafft, die verschiedenen Institutionen an einen Tisch zu bringen, damit sich die Verantwortlichen kennen lernen. Wir wollen auch in Zukunft beweisen, dass wir ein attraktiver Bildungsstandort sind.

Zurück zur neuen Amtsperiode: Gleich drei Wechsel hat es im Brugger Stadtrat gegeben. Wie ist das Gremium gestartet?

Sehr gut, sehr innovativ. Die neuen Mitglieder sind nicht vorbelastet, stellen kritische Fragen und haben in vielen Bereichen einen etwas anderen Blickwinkel. Das Amt ist ein grosser Lernprozess. Mir ist es wichtig, für Kontinuität zu sorgen. Ich freue mich über die Zusammenarbeit.

Apropos Zusammenarbeit: Mit den Nachbargemeinden soll diese verstärkt werden, hiess es in den Legislaturzielen 2011–14. Wurde das Ziel erreicht?

Die Stadt Brugg ist stets offen auf alle Seiten. Wir müssen Wert auf den Austausch legen, damit gewisse Automatismen und eine neue Vertrauensbasis entstehen können.

Das Zentrum soll weiter gestärkt werden?

Nach dem Campus-Bau der FHNW dürfen wir uns nicht zufrieden zurücklehnen. In vielen Köpfen sind noch immer Barrieren vorhanden. Ich bin zuversichtlich, dass wir weiterhin ein gutes Verhältnis zur Gemeinde Windisch pflegen und sogar noch verbessern können. Zum Gemeinderat und zur neuen Frau Gemeindeammann Heidi Ammon habe ich einen guten Draht.

Ist eine Fusion mit Windisch ein Thema?

Die Fusionsfrage ist definitiv nicht vom Tisch, auch wenn sie derzeit nicht im Vordergrund steht. Wir dürfen uns nicht verkrampfen, sondern in grösseren Dimensionen denken und dabei auch Hausen, Habsburg, Schinznach-Bad oder sogar Gebenstorf in die Überlegungen mit einbeziehen.

Erfreulich ist die Zusammenarbeit bei verschiedenen Organisationen.

Hier ist es in der Tat vorwärtsgegangen, etwa bei der Regionalpolizei, der Spitex und dem Zivilschutz. Zum Teil war es ein Riesenaufwand, aber es ist etwas Positives herausgekommen. Allerdings müssen nicht alle Organisationen fusioniert werden. Wir müssen vernünftige Grössen anpeilen. Von Bedeutung ist, dass Vertrauen aufgebaut werden kann, dass sich niemand über den Tisch gezogen fühlt.

Eine Herausforderung ist der Verkehr. Bahnhof und Neumarkt sollen besser an die Altstadt angebunden werden. Der Bereich der City-Galerie, wo der Stadtrat eine Begegnungszone einrichten möchte, ist ein Knackpunkt. Der Einwohnerrat hat in der Budgetdebatte eine separate Vorlage verlangt. Liegt dieses Vorhaben auf Eis?

Dieser Prozess zieht sich tatsächlich in die Länge. Ich bin der Typ, der ein Projekt anpackt und dann gerne schnell zum Abschluss bringt. Auf politischer Ebene ist das aber oft nicht möglich. Das ist eine schmerzliche Erfahrung, die ich machen musste.

Das Stadtzentrum soll vom Verkehr entlastet werden?

Hier ist ein überregionales Verkehrskonzept gefragt. Ein Schlüsselelement bleibt die Anbindung des unteren Aaretals und die Entlastung der Zentren Baden und Brugg. Weit fortgeschritten ist das Projekt «Südwestumfahrung», worüber ich sehr froh bin. Ein eminent wichtiger Bestandteil wird das Verkehrsmanagement sein – mit der Steuerung der Verkehrsströme. Die bestehenden Probleme können aber nicht auf dem Gemeindebann alleine gelöst werden. Viele Fragen müssen zusammen mit der Region angegangen werden.

Nicht nur beim Verkehr stehen Investitionen an, auch in die Schulräume müssen gegen 20 Millionen Franken gesteckt werden. Die Stadt zehrt derzeit von ihrem Vermögen. Wann wird der Steuerfuss erneut erhöht?

Für die Gemeinden nehmen die Lasten zu, der Handlungsspielraum nimmt ab. Dabei sind die Zentrumsgemeinden zusätzlich speziell gefordert. Eine Erhöhung des Steuerfusses kann aber nicht die Lösung sein. Grundsätzlich müssen wir weniger ausgeben und mehr einnehmen, müssen attraktiv bleiben als Wohn- und Arbeitsort sowie Gewerbe und Industrie mit hoher Wertschöpfung ansiedeln. Gewisse Investitionen lassen sich nicht hinausschieben. Gute Schulen sind wichtig, auch für die Wohnqualität.

Wie weit sind die Pläne für eine örtlich zentralisierte Stadtverwaltung?

Die sind etwas zurückgesetzt, aber wir befinden uns nicht auf Feld eins. Die Büros der Stadtverwaltung sind nach wie vor überall verteilt und teilweise schwer zugänglich. Die Angestellten leisten zwar sehr gute Arbeit, aber diese Situation ist auf Dauer nicht befriedigend. Ziel bleibt es, eine Anlaufstelle für die Bürger in Form eines Stadtbüros zu schaffen, wo sie mit ihren Anliegen in freundlicher Atmosphäre empfangen und professionell bedient werden. Es soll eine Willkommens-Kultur herrschen.

Die Kommunikation, so wurde im Einwohnerrat bereits gefordert, soll ebenfalls verbessert werden. Verlangt wird etwa eine neue Homepage für die Stadt.

Wir haben Verbesserungsmöglichkeiten geprüft und einzelne Massnahmen getroffen. Ganz im Argen liegt es nicht und wir haben ein Gesamtprojekt angepackt mit einem neuen System, das auch die heutigen mobilen Geräte berücksichtigt. Wann es genau umgesetzt wird, kann allerdings noch nicht gesagt werden. Das ist auch eine Frage der Ressourcen. Pensenaufstockungen in der Verwaltung haben es erfahrungsgemäss nicht leicht. Wir werden, wie auf einer Treppe, Schritt für Schritt vorgehen müssen, auch wenn mir persönlich der Lift lieber wäre.

Eine gemeinsame Kommunikationsplattform für die Kultur war auch schon ein Thema.

Unter anderen mit dem Salzhaus, dem Dampfschiff und dem Odeon haben wir ein sehr gutes Angebot. Viele Kulturinteressierte engagieren sich mit Herzblut. Kultur kann man nicht von oben verordnen und vieles hat auch mit dem Geld zu tun. Es stehen nicht unbegrenzt Mittel zur Verfügung und im Bereich Kultur wird oft als Erstes gespart. Froh sind wir deshalb um die Gönner und Sponsoren, die diesen Bereich unterstützen.

Seit Januar sind Sie neuer Präsident von Brugg Regio. Macht das überhaupt Sinn, wenn Sie das Amt nur während einer Periode ausüben wollen?

Ja, absolut, in vier Jahren kann man etwas bewirken. Als aktivierter Vizepräsident habe ich im vergangenen Jahr realisiert, dass wir unbedingt wieder alle Gemeinden – und nicht nur Regionenvertreter – für die Diskussion unserer Themen am Tisch haben müssen. Unsere Region macht im Vergleich nicht immer eine gute Falle, und das müssen wir gemeinsam ändern.

Was versprechen Sie sich von dieser Neuorganisation mit allen Gemeindevertretern?

Alle sind gefordert und gefragt. Für die einzelnen Vertreter wird es in dieser grossen Runde anspruchsvoll. Das erfordert Disziplin. Bei den Entscheiden sind alle am Tisch und sollen sich einbringen. Mit der Geschäftsstelle besteht nun eine öffentliche themenfokussierte Anlaufstelle.

Es geht bei Brugg Regio nicht nur um Planungsarbeiten, sondern auch um regionale Standortförderung?

Ja, das ist ganz wichtig. Mit unserer Leiterin Verena Rohrer sind wir in eine neue Liga aufgestiegen. Wir müssen die Gemeinden in der Region motivieren, ein starkes Wir-Gefühl zu entwickeln. Dazu brauchen diese aber auch ein fassbares Zentrum.

Zu Ihren persönlichen Ambitionen: Welches Amt würde Sie noch reizen?

Was die politische Arbeit anbelangt, ist das Amt des Stadtammanns für mich das höchste der Gefühle, denn hier geht es um Sachpolitik. Parteiengeplänkel liegt mir nicht.

Welche Schlagzeilen möchten Sie bis Ende Jahr über die Stadt Brugg in dieser Zeitung lesen?

«Brugg ist als Berufsschulstandort gefestigt und bestätigt» und «Hotel im Campusareal wird Tatsache».

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